Prozess in Bonn

19-Jährige betäubt und von zwei Männern vergewaltigt

Der Verdächtige wird zur Anklagebank geführt.

Der Verdächtige wird zur Anklagebank geführt.

Bonn. Ein 20-Jähriger steht als einer von zwei mutmaßlichen Täter vor Gericht in Bonn. Er soll eine 19-Jährige unter Drogen gesetzt haben und anschließend vergewaltigt haben. Der junge Mann bestreitet die Tat.

Die Vorwürfe gegen den 20-Jährigen auf der Anklagebank wiegen schwer: Er soll am 10. März 2018 eine 19-Jährige in seiner Wohnung unter Drogen gesetzt und das widerstandsunfähige Opfer zusammen mit einem unbekannten Komplizen vergewaltigt haben.

Bis zum Prozessbeginn hat er bestritten, die junge Frau überhaupt gekannt zu haben, obwohl seine DNS an ihr gefunden wurde. Am Freitag aber vor der 2. Großen Bonner Jugendstrafkammer lässt er seinen Anwalt erklären: Er habe die Frau doch gekannt. Es tue ihm leid, dass er den Ermittlungsrichter angelogen habe. Aber er habe geglaubt, man glaube ihm als Ausländer sowieso nicht, dass der Sex einvernehmlich gewesen sei.

Die Staatsanwältin aber ist sicher: Der 20-Jährige hat die junge Frau am Tatabend am Bahnhof angesprochen, und sie fuhr mit ihm in seine Wohnung nach Auerberg, wo sich noch ein anderer Mann aufhielt. Laut Anklage rauchte man Marihuana, dann gab der Angeklagte ihr eine Droge, die sie so betäubte, dass sie sich nicht wehren konnte, als beide Männer sie vergewaltigten. Anschließend soll der Angeklagte ihr noch 72 Euro gestohlen haben.

Als hilflose Person wurde sie später auf der Straße gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Schon im Rettungswagen erklärte sie, sie sei vergewaltigt worden. Und ein anschließend von der Justiz beauftragtes Glaubwürdigkeitsgutachten bestätigt ihre Aussage.

Der Angeklagte erklärt nun: Es tue ihm leid, „dass sie sich so fühlt, wie sie sich fühlt“. Aber er habe nicht gewusst, dass sie das nicht wollte und sich nicht wehren konnte. Sie sei auch nicht starr und stumm gewesen, sondern habe sich selbst ausgezogen und gesagt, sie möge ihn. Er habe Schwestern und könne es nicht ertragen, wenn ihnen so etwas passieren würde.

Er sei vor vier Jahren mit Mutter und einer Schwester nach Deutschland gekommen und habe bei seiner Familie gewohnt, bis er rausgeschmissen worden sei wegen seiner Drogensucht. Sein Vater lebe noch in Afghanistan, und er sei damals dabei gewesen, als der Vater von Taliban angegriffen worden sei.

Auch er sei dabei an Kopf und Auge so verletzt worden, dass er nicht mehr richtig sehen könne. Lesen und schreiben könne er nicht. Weil er mit dem Leben hier nicht klarkomme, sei er den Drogen verfallen. Aber dadurch fühle er sich auch nicht besser, und er habe häufig Selbstmordgedanken. Deshalb sei er auch 2017 mit dem Rad in den Autoverkehr gefahren.

Und er beteuert: Er sei an jenem Abend mit der 19-Jährigen allein gewesen. Erst später sei ein Cousin gekommen und auch mal mit ihr im Schlafzimmer allein gewesen. Mehr wisse er nicht. Das Gericht fordert von ihm den Namen und die Adresse dieses Cousins. Der Prozess wird fortgesetzt.