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Ärger um Bonner Bürgerdienste: 14 Wochen Wartezeit auf einen Termin

Ärger um Bonner Bürgerdienste : 14 Wochen Wartezeit auf einen Termin

Der Ärger um die Bürgerdienste reißt trotz mehr Personals nicht ab. Zurzeit sind 14 Mitarbeiter krank und fünf im Urlaub.

Was ist nur los im Bürgeramt? Das fragen sich nach wie vor viele Bürger, die entgegen aller Versprechungen immer noch wochenlang auf einen Termin warten müssen. Dabei gelobt die Stadtverwaltung seit Monaten Besserung.

Vorige Woche erlebte eine Bonnerin, die nicht namentlich genannt werden will, chaotische Zustände im Warteraum der Bürgerdienste im Stadthaus. Sie habe einen Termin für 13.30 Uhr gehabt, ihre Nummer sei aber erst gegen 16 Uhr aufgerufen worden. Anderen Wartenden sei es ähnlich ergangen.

„Als ich im Februar ein Schreiben von der Stadt bekam, mein Personalausweis sei abgelaufen und ich solle einen neuen Ausweis beantragen, dachte ich noch, das ist ja ein toller Service“, sagte die Bonnerin. Doch dann habe es sie doch geärgert, dass sie erst lange auf einen Termin und dann auch noch vor Ort warten musste. Die Stadt entschuldigte das Chaos mit krankheitsbedingten Ausfällen.

Versuche am Donnerstag, online zum Beispiel einen Termin für einen neuen Personalausweis zu bekommen, ergaben: Das ist frühestens ab 20. September möglich. Wer sein Glück in den Bezirksrathäusern in Beuel oder Bad Godesberg versuchen wollte, wo an zwei Tagen in der Woche der Bürgerservice angeboten wird, scheiterte.

Blanker Hohn

Das ist nur 14 Tage im Voraus möglich – und dieser Zeitraum war bereits ausgeschöpft. Den Hinweis der Stadt, man solle stattdessen auf das Dienstleistungszentrum im Stadthaus „mit seinen weitaus größeren Kapazitäten“ ausweichen, mögen viele Bürger wohl eher als blanken Hohn empfinden.

Als einen rein technischen Fehler begründete Stefanie Zießnitz vom Presseamt den Umstand, dass auf den Terminkalendern der beiden Bezirksrathäuser der Monat Dezember ausgespart war.

„Wir haben in den letzten Monaten auf mein Betreiben hin eine deutliche Personalaufstockung vorgenommen, die die lange Wartezeit auf einen Termin beseitigen muss, sobald die Einarbeitung der neuen Kolleginnen und Kollegen abgeschlossen ist“, sagte Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) gestern.

Zießnitz zufolge sind 123 Mitarbeiter bei den Bürgerdiensten beschäftigt. Das sind sieben mehr als vor der Umstellung im Mai 2015. Zudem ist die Zusatzbelastung durch die Flüchtlinge nicht mehr so hoch wie noch vor einigen Monaten.

Zahlreiche Ausfälle

Nach Auskunft des Presseamtes sind der Stadt seit Karneval keine neuen Flüchtlinge mehr zugewiesen worden. Derzeit seien zwei Mitarbeiter für diese Aufgabe im Bürgeramt eingesetzt, 14 Mitarbeiter krank gemeldet und fünf im Urlaub.

Seit Mittwoch seien weitere Mitarbeiter im Bereich von Pass- und Personalausweisanträgen eingesetzt, um dem hohen Druck vor der Ferien- und Urlaubszeit in diesem Bereich entgegen zu wirken, teilte Zießnitz weiter mit. Zudem würden ab 1. Juli fünf neue Mitarbeiter und ab August noch einmal eine weitere Kraft eingestellt.

Sollte es trotzdem nicht gelingen, die Wartezeiten spürbar zu verringern, dann will Sridharan – wie bereits vor wenigen Wochen angekündigt – zu Ende Oktober die Rückkehr zum alten Verfahren vorbereiten lassen. „Das frühere Wartemarken-System wird aber auch nicht das Allheilmittel sein, weil vor der Umstellung Wartezeiten von bis zu vier Stunden keine Seltenheit waren“, sagte er.

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