Zu hohe Kosten: 13 Trauerhallen in Bonn sollen schließen

Zu hohe Kosten : 13 Trauerhallen in Bonn sollen schließen

Die Politik berät über ein neues Friedhofskonzept in Bonn. Auf einigen der 40 Bonner Friedhöfen könnte sich dadurch etwas ändern.

In der Stadt Bonn gibt es insgesamt 40 Friedhöfe, dabei würden eigentlich zehn für die Zahl der Todesfälle reichen. In ihrem neuen Friedhofskonzept schlägt die Stadt zwar keine Zentralisierung vor und will bei den ortsnahen Möglichkeiten der Bestattungen in den Bezirken bleiben.

Trotzdem sollen sukzessive zwei Schließungen umgesetzt werden: Zumachen sollen der alte Friedhof Ippendorf und der alten Kessenicher Friedhof. Das Konzept liegt jetzt den politischen Gremien zur Beratung vor.

Seitens der Stadt soll gespart werden, weil die Kosten der Friedhöfe galoppieren. Um weniger Flächen pflegen zu müssen, wurden diejenigen Areale, auf denen noch nie jemand beerdigt wurde, längst aus den Friedhöfen ausgegliedert. Sie werden auch deshalb nicht mehr benötigt, weil sich die Bestattungskultur geändert hat und die Menschen immer stärker nach Urnengräbern verlangen, die nicht mehr so viel Platz benötigen.

Dabei geht es nicht nur um den hohen Pflegeaufwand der parkähnlich angelegten Friedhöfe, sondern es gibt weitere Sparmöglichkeiten. So sollen die Kühlzellen bis auf die Einrichtungen auf dem Nord- und Südfriedhof, dem Friedhof Platanenweg und Poppelsdorf zurückgebaut werden.

Einschnitte solle es auch bei den Trauerhallen geben. Bonns bekannteste Ruhestätte, der Alte Friedhof, ist grundsätzlich für Beerdigungen geschlossen und wird davon nicht tangiert. Die wenig genutzte Friedhofskapelle soll als Trauerhalle schließen, aber als Veranstaltungsstätte genutzt werden.

Die betroffenen Hallen im Detail

Der Überblick zeigt, dass auch andere Trauerhallen derzeit selten genutzt werden. Stadtweit sollen 13 Trauerhallen zumachen.

Bonn

Ippendorf alt: Die kleine Kapelle wird sehr selten genutzt, 2012 und 2016 sogar kein einziges Mal. Weil der Friedhof zur Schließung vorgesehen ist, soll auch die Trauerhalle zumachen und abgerissen werden.

Ippendorf neu: Der Erhalt der Kapelle wird empfohlen, weil es pro Jahr rund 25 Trauerfeiern gibt.

Lessenich: Weniger als zehn Trauerfeiern pro Jahr, deshalb zur Schließung und zum Abriss empfohlen.

Dransdorf: Hohe Nutzung der Trauerhalle, die teilsaniert wurde. Ein Weiterbetrieb wird empfohlen

Endenich: Die Trauerhalle wird rund 70 Mal im Jahr in Anspruch genommen und sollte daher bestehen bleiben.

Nordfriedhof: Die Kapelle ist die meistgenutzte Trauerhalle in Bonn mit fast 200 Trauerfeiern. Die Einnahmen decken zum Großteil die Kosten, deshalb soll alles bleiben, wie es ist.

Graurheindorf: Geringe Nutzung mit weniger als zehn Trauerfeiern pro Jahr. Schließung empfohlen. Nutzung als Lagerraum möglich.

Buschdorf: Hohe Nutzung und Akzeptanz durch die Buschdorfer Bürger. Von einer Schließung wird abgeraten.

Poppelsdorf: 60 bis 80 Mal im Jahr genutzt, die Trauerhalle auf einem der markantesten und wichtigsten Friedhöfe der Stadt soll daher bestehen bleiben.

Kessenich neu: Die Trauerhalle kann mit nur zehn bis 16 Veranstaltungen weder die Fixkosten noch die variablen Kosten refinanzieren. Schwachpunkte auch aus energetischer Sicht, das Gebäude ist sanierungsbedürftig. Deshalb mit den Nebengebäuden zur Schließung und zum Abriss empfohlen.

Südfriedhof: Mehr als 100 Mal pro Jahr von Trauernden genutzt, die Kapelle soll daher weiter geöffnet bleiben.

Kottenforst: Großer Waldfriedhof, aber nur 20 bis 35 Trauerfeiern in der überdimensionierten Kapelle, die eine fachwerkähnliche Holzkonstruktion besitzt. Die Schließung wird empfohlen, jedoch kein Abriss, um das Objekt zu vermarkten oder zu verpachten.

Röttgen: Ein Weiterbetrieb der Kapelle, die rund 20 Mal pro Jahr genutzt wird, zöge kurzfristig einen hohen Sanierungsaufwand für Dach und Heizung nach sich. Deshalb will die Stadt sie schließen und abreißen.

Hardtberg

Duisdorf neu: Die Trauerhalle wird 60 bis 85 Mal im Jahr genutzt, das reicht aus. Der Erhalt wird empfohlen.

Lengsdorf neu: Kleiner Friedhof, deshalb wenige Trauerfeiern. Die Trauerhalle sollte daher laut Stadt geschlossen und zurückgebaut werden.

Lengsdorf alt: Ähnliche Auslastung, deshalb kaum genutzt und nicht wirtschaftlich zu betreiben. Die Stadt will die Trauerhalle schließen, aber nicht abreißen.

Beuel

Pützchen: Selbst 30 Nutzungen der Trauerhalle im Jahr reichen nicht aus, um die Kosten für Abschreibungen und Zinsen zu erwirtschaften. Der Bedarf ist jedoch gegeben, deshalb wird ein Erhalt empfohlen und sogar ein Umbau, um die Atmosphäre heller und freundlicher zu gestalten.

Platanenweg: 60 bis 90 Trauerfeiern im Jahr, deshalb soll diese Trauerhalle erhalten und weiterentwickelt werden, um die Attraktivität zu steigern und eventuell für weitergehende Nutzungen zu erschließen.

Schwarzrheindorf:Weil es in der Trauerhalle auch Einrichtungen für das Personal einer städtischen Kolonne gibt, kommt ein Abriss ohne adäquaten Ersatz nicht in Frage. Trotz niedriger Nutzungszahlen wird vorläufig ein Weiterbetrieb vorgeschlagen.

Geislar:Die Nutzung tendiert gegen Null, insofern zur Schließung empfohlen. Die Kapelle soll aber nicht abgerissen werden. Vilich-Müldorf: Geringe Nutzung der Trauerhalle, deshalb unwirtschaftlich. Wegen des Sanierungsbedarfs wird der Abriss empfohlen

Holzlar:Die Trauerhalle kann mit nur rund 10 Nutzungen pro Jahr weder Fixkosten noch variable Kosten refinanzieren. Die Ausstattung ist alt und erneuerungsbedürftig, ebenso die Elektrik. Deshalb zur Schließung und zum Abriss empfohlen, eine sinnvolle alternative Nutzung wird nicht gesehen.

Küdinghoven:Ähnlich geringe Auslastung wie in Holzlar, aber viel günstiger auf der Ausgabenseite. Trotz unmittelbarer Nähe zu einer Kirche vorläufig zum Erhalt empfohlen. Bei größeren Sanierungen will die Stadt über den Weiterbetrieb neu nachdenken.

Om Berg (Hoholz): Tendenziell zunehmende Nutzung, aber Kosten nur teilweise refinanzierbar. Wenn die Trauerhalle in Holzlar geschlossen wird, muss sie den gesamten Bedarf Om Berg abdecken. Deshalb empfiehlt die Stadt Bonn den Erhalt und Weiterbetrieb, selbst bei einer anstehenden, teuren Schadstoffsanierung des Daches.

Oberkassel: Bei 50 bis 60 Trauerfeiern im Jahr erzielt die Stadt hier Einnahmen, die höher sind als die Ausgaben. Die Kapelle sollte wegen der außergewöhnlich hohen Nutzung auf jeden Fall erhalten bleiben.

Bad Godesberg

Zentralfriedhof: Der Erhalt wird empfohlen, weil die Trauerhalle Überschüsse einbringt. Rund 100 Mal pro Jahr für Trauerfeiern genutzt.

Burgfriedhof: Das 1904/05 gebaute Mausoleum mit Kuppel ist denkmalgeschützt, insofern will es die Stadt weiter als Trauerhalle nutzen. Auch für kulturelle Veranstaltungen eventuell nutzbar.

Friesdorf: Trotz des kleinen Friedhofs und wenig Bestattungen will die Stadt die Trauerhalle vorläufig erhalten. Das Gebäude ist frisch renoviert, eine Dachsanierung steht an.

Rüngsdorf: Die kleine Trauerhalle hat mit rund 20 Trauerfeiern zwar nur einen geringen Wert für die Stadt, aber auch nur geringe Kosten. Deshalb wird der Erhalt empfohlen.

Mehlem: Sanierungsbedürftig, relativ klein und selten genutzt, weil es zwei Kirchen in der Nähe gibt. Außerdem nicht behindertengerecht. Deshalb zur Schließung und zum Abriss empfohlen.

Lannesdorf: Die relativ große Trauerhalle wird nur 15 bis 20 Mal pro Jahr genutzt, produziert aber durch Abschreibungen und Zinsen hohe Kosten. Weil es in der Nähe eine Kirche und private Anbieter mit Abschiedsräumen gibt, ist die Stadt für eine Schließung und eine Verpachtung für private Nutzung.

Heiderhof:Die Trauerhalle wurde erst in den 1980er Jahren gebaut und weist wegen zunehmender Nutzung des Friedhains steigende Nutzungszahlen auf. Insofern wird der Erhalt empfohlen.

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