System in Vorbereitung: 100 Stationen für Bonner Verleihfahrräder

System in Vorbereitung : 100 Stationen für Bonner Verleihfahrräder

Der Hauptbahnhof ist dabei, das Johanniterkrankenhaus ebenfalls und auch die Jugendherberge auf dem Venusberg: Wenn alles nach Plan läuft, sollen im Frühjahr 2018 insgesamt hundert Stationen des Fahrradmietsystems in Bonn an den Start gehen.

Doch nach derzeitigen Einschätzungen der Stadtwerke-Projektgruppe, die das Vorhaben betreut, ist von einem Minus von bis zu 1,3 Millionen Euro pro Jahr zu rechnen. Kosten, die die Stadt und damit der Steuerzahler übernehmen muss.

Die Diskussion um das Fahrradmietsystem in Bonn zieht sich nun schon viele Jahre hin. Doch jetzt scheint sich tatsächlich ein Fortschritt abzuzeichnen. Die Bezirksvertretungen beraten noch im Oktober die Standorte. Darauf folgend soll der Stadtrat die Stadtwerke (SWB) damit betrauen, das Projekt federführend in die Hand zu nehmen und nach den Vorstellungen der Stadtverwaltung umzusetzen.

„Wichtig bei der Realisierung ist die Einbindung in den VRS-Tarif, damit das Fahrradmietsystem als Bestandteil des ÖPNV in Bonn und in der Region funktioniert“, sagt Stefanie Zießnitz vom städtischen Presseamt. Zudem sollen es auch mit dem Verleih der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) synchronisiert sein, damit die Radfahrer beide Systeme in einem Tarif nutzen können.

Jeder Stadtteil bekommt eine Station

Als weitere Herausforderung sieht die Stadt den Service. „Wir müssen die Bonner Standorte und das Angebot als solches gut kommunizieren, eine Hotline muss kundengerecht gestaltet sein“, sagt Zießnitz. Die Räder dürften zudem nicht einfach ausfallen, und es sollten auch immer genügend Fahrräder an den Stationen verfügbar sein. Der Venusberg gilt schon jetzt als Sorgenkind: „Hier wird es sicherlich regelmäßig notwendig sein, Räder zwischen Stationen, die voll sind, und jenen, wo es wenige Räder gibt, zu transportieren.“ Standardmäßig wird von zehn Fahrrädern pro Standort ausgegangen, Ausnahmen wird es an einigen Stationen im Zentrum geben.

Am engsten ist das Mietnetz in der Innenstadt, im Beueler Zentrum und im Bundesviertel gestrickt. Trotzdem bekommt jeder Stadtteil eine Station. Und auch in Niederkassel und Königswinter soll es insgesamt drei Standorte geben, die direkt an den Fähren liegen. Kriterien waren unter anderem die Nähe zu Bus- und Bahnhaltestellen, wieviele Bürger die Orte ansteuern und ob die Stationen später leicht zugänglich sind. Intern haben die SWB schon viele Einzelheiten ausgelotet.

„Wir sehen uns imstande, das Projekt im Zeitplan umzusetzen“, sagt Stadtwerkesprecher Werner Schui. Zwar habe man keine Mietsystem-Experten im Unternehmen, „aber das entsprechende Know-how holen wir uns von außerhalb“. So hat sich die Projektgruppe beispielsweise funktionierende Systeme in Mainz und Köln angeschaut und sich mit den dortigen Betreibern ausgetauscht. 900 Mieträder sollen insgesamt in Bonn unterwegs sein.

Die Stadt rechnet damit, dass das Mietsystem vorerst nicht profitabel betrieben werden kann. Die bisher vom Rat bewilligte Förderung in Höhe von 400.000 Euro wird wohl nicht ausreichen. Denn das jährliche Defizit wird auf 0,8 bis 1,3 Millionen Euro pro Jahr beziffert. „Das müsste nach derzeitigem Stand aus öffentlichen Mitteln finanziert werden“, heißt es von der Stadtverwaltung. Weitere Einnahmequellen und Modelle, die dieses Defizit weiter reduzieren können, werden von den Stadtwerken angestrebt und derzeit geprüft.

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