Kunstschaffende auf Münsterplatz: 100 Aussteller auf dem Bonner Kunsthandwerkermarkt

Kunstschaffende auf Münsterplatz : 100 Aussteller auf dem Bonner Kunsthandwerkermarkt

Bürstenmacher, Schmuckhersteller oder Korbflechter: Derzeit präsentieren sich mehr als 100 Handwerker und Kunstschaffende auf dem Münsterplatz. Der Kunsthandwerkermarkt geht noch bis zum 1. Mai.

Mehr als 100 Handwerker stellen seit dem Wochenende ihre Arbeiten auf dem Münsterplatz aus. Noch bis einschließlich Dienstag können Besucher Korb- und Bürstenmachern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.

Manche Menschentraube bildete sich bereits vor dem Stand von Bürstenmacher Holger Klausig. An einer kleinen Werkbank zeigt er, wie einige der Produkte, die er verkauft, noch per Hand hergestellt werden. Ein kleines Holzstück liegt vor ihm. In winzige Löcher stopft er Rosshaar. Und wenn alles fertig ist, liegt ein kleiner Besen für Ecken und Kanten vor ihm. Klausig ist flink. Jeder Handgriff sitzt. „Das ist alles Routine“, sagt er. Zwei Jahre lang lernte Klausig den Handwerksberuf, der zu den seltenen seiner Art gehört.

Nicht jeder der Aussteller präsentiert sein Handwerk vor Ort, die meisten haben sich auf den Verkauf ihrer Produkte wie Schmuck oder Taschen beschränkt. Doch wer genau hinschaut, entdeckt auch die kleinen Werkstätten, an denen einige Aussteller zeitweise ihrem Handwerk nachgehen. Pinselmacher Karl Dommer sitzt hinter seinem Stand mit Pinseln aller Art und bindet dunkles, weiches Haar zu einem Schminkpinsel zusammen. Von den zahlreichen Zuschauern lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Dommer hat Routine. Drei bis vier Lehrlinge gibt es pro Jahr in ganz Deutschland, die dieses Handwerk erlernen. Ausgebildet wird ausschließlich in Mittelfranken.

Kettenanhänger aus Münzen

Ein Stück weiter zeigen Benjamin Wybierala und sein Vater Uwe, was sie aus Münzen herstellen können, zum Beispiel Kettenanhänger oder Ohrringe. Der junge Mann ist eigentlich gelernter Heizungsbauer. „Früher habe ich mit Pumpen und Hammer gearbeitet, jetzt mit filigranen Sägen“, sagt er und kippt das Visier seiner Schutzbrille herunter. Wybierala braucht eine ruhige Hand, trotz Schraubstock. Millimeter für Millimeter schiebt sich die feine Säge durch das Metall. Wybierala liebt seinen Job, den er gemeinsam mit seinem Vater ausübt. Aus einem Hobby ist der Haupterwerb geworden. Auf Märkten wie diesen in der Bonner Innenstadt zeigen sie ihre Arbeiten und verkaufen sie. Das Interesse ist groß. Selbstgemachtes wird wieder nachgefragt.

Das bestätigt auch Spinnerin Konstanze Dahlke, die eigentlich studierte Maschinenbau-Ingenieurin ist. Doch nach der Wende stand sie lange auf der Straße. Das Spinnen, Stricken und Weben hat sie von ihrer Großmutter gelernt. Aus Rohwolle spinnt sie dicke Wollfäden und strickt Taschen, Decken und Mützen. „Alles aus Wolle“ nennt sie ihr Geschäft und zieht damit quer durchs Land.

Korbmacher stellen sich vor

Körbe aller Art, Puppenwagen und sogar eine Art Iglu finden die Besucher bei Gaby Dingels und ihrem Mann Franco Tillmann. Die beiden gebürtigen Bonner leben heute in den Vogesen auf einem kleinen Hof. Dort leben und arbeiten sie als Korbmacher.

„Korbmacher ist eines der ältesten Handwerke neben der Weberei“, sagt Tillmann, während er sich neue Weidenstöcke heraussucht, die er zu einem Korb zusammenflechtet. Der 58-jährige hat erst relativ spät den Weg zu diesem Handwerk gefunden. Eigentlich hat er Geografie studiert. Seit gut 30 Jahren ist er nun Korbmacher. „Wir arbeiten nur mit Weiden, die werden über mehrere Monate getrocknet und eingeweicht, so werden sie biegsam“, erklärt er. Was sein schwierigstes Stück ist? Tillmann überlegt: „Mit der Zeit kommt die Routine, schwer ist es für mich nicht. Das eine dauert halt länger als das andere“, sagt Tillmann. Von den mittelgroßen Einkaufskörben schafft er vier Stück in einer Stunde.

Wer den Handwerkern noch über die Schulter blicken möchte, hat dazu am Montag und Dienstag, 1. Mai, von 11 bis 19 Uhr Gelegenheit.