Interview zum Uni-Campus

„Unser Ziel ist der autofreie Campus“

Kristina Friske von der Uni Bonn und Martin Brans vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb stehen auf dem Hauptplatz des neuen Campus.

Kristina Friske von der Uni Bonn und Martin Brans vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb stehen auf dem Hauptplatz des neuen Campus.

Bonn. Kristina Friske von der Uni Bonn und Martin Brans vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb Köln haben ziemlich klare Vorstellungen von der Entwicklung des Campus Poppelsdorf. Der GA traf sie zum Interview.

Auf den ehemaligen „100-jährigen Versuchsfeldern“ der Landwirtschaftlichen Fakultät entsteht der neue Campus Poppelsdorf. Welche Ziele verfolgt die Uni damit?

Kristina Friske: Natürlich geht es auch darum, die Bedingungen für Lehre und Forschung auf modernsten Stand zu bringen. Aber unser Ziel ist es insbesondere, unsere Institute auf wenige Standorte zu konzentrieren. Die Universität Bonn unterhält rund 350 Gebäude, davon ungefähr 250 im Bonner Stadtgebiet.

Und das kostet Geld...

Friske: Das Flächenmanagement ist tatsächlich ein Problem. Die optimale Nutzung der Räumlichkeiten und Flächen, die aufgrund von Synergien gar nicht erst gebaut und betrieben werden müssen, sparen sehr viel Geld. Das gilt nicht nur für den Campus Poppelsdorf: Die Zeiten, als noch ein Ordinarius Anspruch auf „seinen“ Hörsaal in „seinem“ Institut hatte, sind längst vorbei. Aber noch ein Aspekt ist wichtig: Die kurzen Wege zwischen Laboren, Büros, Hörsälen und Bibliotheken und die räumliche Nähe der Institute werden einen interdisziplinären Austausch erleichtern.

Der Verkehrsentwicklungsplan sieht die Möglichkeit vor, die Carl-Troll-Straße an die Autobahn anzubinden. Wie sehen Sie das?

Friske: Unser Ziel ist der autofreie Campus. Nutzer und Besucher sollen möglichst mit Fahrrädern kommen oder den ÖPNV nutzen. Dies würde auch gelten, wenn ein Anschluss der Carl-Troll- Straße an die Autobahn erfolgen würde. Wir fördern die Mobilität auch, indem wir das Fahrradmietsystem, das ja die Stadtwerke Bonn im Auftrag des Stadtrates planen, unterstützen. Wir werden den nötigen Platz für Mietfahrräder zur Verfügung stellen und uns auch finanziell an der Fahrradflotte beteiligen.

Die Architektur der neuen Gebäude ist modern, ansprechend und durch die aufgebrochenen, farbigen Fassadengliederung sehr leicht. Wie wichtig ist beim Hochschulbau die Architektur als Ausdruck?

Martin Brans: Sehr wichtig. Architektur ist ein Imageträger, wenn Sie so wollen, ein Botschafter nach außen, der für Transparenz, Modernität und natürlich Forschung und Lehre steht. Deswegen haben wir uns ja auch nicht für den erstbesten Entwurf entschieden, sondern es war ein Entscheidungsprozess, bei dem genau die Frage des Ausdrucks im Mittelpunkt stand. Und wenn ein neuer halber Stadtteil entsteht, ist diese Frage umso wichtiger.

Das Allgemeine Verfügungszentrum (AVZ I) an der Endenicher Allee soll Ende dieses Jahres geschlossen werden. Wie geht es weiter?

Brans: Die Universität Bonn hat ihren Bedarf formuliert und mit dem Land abgesprochen. Jetzt sind wir, der BL, mit der Planung am Zuge. Bis 2020 soll ein Ersatzgebäude auf dem Campus zwischen Mensa und Hörsaalzentrum entstehen. Bis dahin planen wir als Interimslösung Modulbauten auf dem Gelände der ehemaligen Pädagogischen Hochschule.

Wie sieht die Zukunftsperspektive für den Campus Poppelsdorf aus?

Friske: Wir können uns gut vorstellen, dass der Ausbau des Campus in zehn bis 15 Jahren abgeschlossen ist.