Bauunternehmen und Kosten

„Sie diktieren in gewissen Grenzen den Preis“

Der Abriss der Viktoriabrücke hat sich verzögert, weil die Stadt zunächst keine Firma für den Auftrag gefunden hat.

Der Abriss der Viktoriabrücke hat sich verzögert, weil die Stadt zunächst keine Firma für den Auftrag gefunden hat.

Bonn. Bonns Tiefbauamtsleiter Peter Esch berichtet von der schwierigen Suche nach Auftragnehmern. Die Zahl der Gebote gehe zurück.

Nicht nur bei der Beethovenhalle leidet die Stadt unter explodierenden Baupreisen und sinkendem Interesse der Firmen. Die Zahl der Gebote bei öffentlichen Vergabeverfahren und beschränkten Ausschreibungen (unterhalb bestimmter Wertgrenzen) ist rückläufig, bestätigt das Presseamt.

Ein Beispiel sind die Abbrucharbeiten an der Viktoriabrücke. Die stocken seit Monaten, weil es auf die Ausschreibung keine Gebote gab. Im beschränkten Verfahren fragte die Stadt sieben Unternehmen aktiv an, von denen aber nur zwei reagierten. Eines der beiden Angebote war überteuert, die andere Firma kommt nun zum Zug. Die Sanierung der Brücke liege laut Stadt trotzdem im Zeitplan.

„Wir führen dieses schon länger zu beobachtende Phänomen auf die gute konjunkturelle Lage zurück“, erklärt Tiefbauamtsleiter Peter Esch. „Firmen können sich ihre Auftraggeber aussuchen und diktieren in gewissen Grenzen den Preis, weil trotz einer Überschreitung der Schätzkosten eine Auftragserteilung oft unverzichtbar ist, da es zeitliche Zwänge gibt.“ Beim klassischen Straßenbau steigen die Preise laut Esch zwar nur moderat, weil diese Aufträge fast nur von der öffentlichen Hand kommen. Anders sei es bei Gewerken, die auch von privaten Auftraggebern engagiert werden: So seien zum Beispiel bei Firmen, die Bushaltestellen barrierefrei ausbauen, jährliche Kostensteigerungen im zweistelligen Prozentbereich eher die Regel als die Ausnahme.

Die Schätzkosten ermittelt die Stadt auf Grundlage der Ergebnisse früherer Auftragsvergaben. Esch: „Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Mindestgebote die Schätzkosten erheblich überschreiten.“ Die Stadt kann solche Ausschreibungen zwar aufheben und einen neuen Versuch starten, das hat aber Zeitverzug zur Folge, den sie sich oft nicht leisten kann – siehe Beethovenhalle.

Wie stark diese Entwicklung die hoch verschuldete Kommune belasten wird, lässt sich nicht sagen. „Die Entwicklung ist nicht in jedem Gewerk gleich und vorhersehbar“, sagt Stefanie Zießnitz vom Presseamt. „Wir können keine pauschalen Aussagen treffen, in welcher Höhe sich bestimmte Bauvorhaben verteuern.“ Klar ist aber: Es geht in jedem Jahr um sehr viel Geld. Im städtischen Haushalt sind für Hochbaumaßnahmen des Gebäudemanagements 108 Millionen Euro für 2017 und 98 Millionen Euro für 2018 eingestellt. Das Tiefbauamt hat im laufenden Jahr 40 und 42 Millionen Euro in 2018 für Straßen- und Kanalbau zur Verfügung.