Stadt Bonn will auch beim Personal sparen

Stadt Bonn will auch beim Personal sparen

Die Stadt Bonn will auch bei sich selbst - dem Personal - den Rotstift ansetzen. Ganz oben dabei rangiert neben Stelleneinsparungen auch die leistungsorientierte Bezahlung (LOB), die auf den Prüfstand soll, wie Stadtdirektor Volker Kregel als Personalverantwortlicher der städtischen Mitarbeiter jetzt sagte.

Bonn. Die Stadt Bonn will auch bei sich selbst - dem Personal - den Rotstift ansetzen. Ganz oben dabei rangiert neben Stelleneinsparungen auch die leistungsorientierte Bezahlung (LOB), die auf den Prüfstand soll, wie Stadtdirektor Volker Kregel als Personalverantwortlicher der städtischen Mitarbeiter jetzt sagte.

Die LOB sollte mit ihrer Einführung 2007 eigentlich die Motivation der Mitarbeiter erhöhen. Wer mehr Leistung abliefert, bekommt mehr Geld, so die Idee. Doch in der Praxis wurde daraus ein Rohrkrepierer.

Bei der Umfrage, die Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch zum Start seiner Dienstzeit durchführte, landete die leistungsorientierte Bezahlung ganz oben bei den Dingen, die unbedingt abgeschafft werden sollten. Unbedingt behalten wollten die Mitarbeiter dagegen die Gleitzeit.

Mehr zum Thema Lesen Sie dazu auch das Interview mit Personalrat und Komba-Vorstand Christoph BuschWarum die LOB so unbeliebt ist, liegt wohl an den Maßstäben der Bewertung. Die Kriterien scheinen nicht nachvollziehbar, wer mehr Leistung bringt und dadurch mehr Geld verdienen soll. Ist etwa derjenige der bessere Rettungssanitäter, der am meisten Wunden in kürzester Zeit versorgt oder derjenige, bei dem sie nicht mehr aufplatzen?

Die Mitarbeiter nach Leistung zu bezahlen, habe sich als Instrument nicht bewährt, sagt Kregel. "Das wollen die Beschäftigten nicht." Auch Rhein-Sieg-Landrat Frithjof Kühn lehnt das für seine Kreis-Mitarbeiter ab: Der enorme Aufwand der Mitarbeitergespräche verursache hohe Kosten, die leer ausgegangenen Kollegen fühlten sich ungerecht behandelt, das Betriebsklima leide.

Kostentreibend wäre auch eine satte Tariferhöhung, weshalb Kregel einen "vernünftigen, moderaten Abschluss" für den öffentlichen Dienst fordert. Die chronisch klamme Stadt kann sich einen großen Schluck aus der Pulle für die Mitarbeiter schlichtweg nicht leisten. Ungeachtet dessen stehen alle frei werdenden Stellen zur Disposition. Das wurde schon häufiger verkündet. Und tatsächlich sind 1 020 Stellen (ohne Auslagerungen) seit 1993 reduziert und 435 neue Stellen geschaffen worden - unterm Strich also gab es seitdem 585 "echte" Einsparungen.

Auffällig dabei ist, dass davon zu 73 Prozent die einfachen Arbeiter betroffen waren, die Angestellten nur zu 22 Prozent, die Beamten sogar nur zu vier Prozent. Dazu muss man wissen, dass die Stadt Bonn in den 90er Jahren ganz erheblich Stellen von Gärtnern und Hilfsgärtnern reduziert hat, die "Bewirtschaftung" vieler Grünflächen in der Folge auf "extensive Pflege" umstellte. Nicht wenige Politiker verkauften das den Bürgern damals als ökologische Wohltat, wenn das Grün nur noch zwei Mal pro Jahr gemäht wurde.

"Der Trend geht zu qualifiziertem Personal", sagt Kregel. Eine Kinderärztin im Gesundheitsamt einzustellen, um gesetzlichen Anforderungen zu genügen, könne nicht auf einer Stelle des mittleren Dienstes passieren.

Meinung Lesen Sie dazu auch den Kommentar "Das passt ins Muster"

Eine Zielmarke vorzugeben, wie viele der 5 100 Stellen künftig wegfallen sollen, hält der Bonner Stadtdirektor für wenig sinnvoll. Man werde Organisationen überprüfen, Aufgaben zusammenlegen, aber keine Leistungen für Bürger verringern. "Im Gegenteil, wir wollen eher mehr Service für die Bürger anbieten."

Von Vergleichen mit anderen Städten, die mehr oder weniger Personal hätten, rät Kregel ab. So hätten bestimmte Kommunen einige Serviceleistungen wie die Müllabfuhr oder die Grünpflege privatisiert - und damit weniger eigenes Personal mit entsprechend weniger Kosten. Allerdings schlage sich das auf der anderen Seite in höheren Sachkosten nieder.

Oder da ist die Stadt Essen, die wenig Geld und Personal in die Grünpflege investiere. Des Rätsels Lösung: Die größte Grünanlage, der Essener Grugapark, sei eine GmbH, und außerhalb des Essener Stadtzentrums finde keine Grünpflege statt. Kregel: "Deshalb hinkt jeder Vergleich mit anderen Städten."

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