Ludger Große Wilde aus Oberkassel: So züchtet und pflegt ein Fachmann seine Bonsai-Bäume

Ludger Große Wilde aus Oberkassel : So züchtet und pflegt ein Fachmann seine Bonsai-Bäume

Ludger Große Wilde aus Oberkassel züchtet und gestaltet seit einigen Jahren Bonsai, was so viel heißt wie "Baum im Topf". Mit Stahl und Draht bringt er die Bäume in Form.

Der Mann kann einfach nicht anders. Ludger Große Wilde muss kreativ sein. Das war in seinen jungen Jahren als Kunststudent in Düsseldorf und Florenz so, als Kunsterzieher am Gymnasium am Oelberg in Oberpleis und die ganze Zeit über als Bildhauer, Maler und Grafiker sowieso. Nach seiner Pensionierung vor etwa zehn Jahren wandte er sich der Botanik zu. Denn das zunächst angepeilte Archäologie-Studium erschien dem damals Neu-Ruheständler dann doch zu verschult.

Inzwischen beherbergt der Oberkasseler in seinem Innenhof und im Wintergarten unzählige Mini-Versionen von einheimischen Bäumen wie Buchen, Europäischen Lärchen und Eiben. Auch mediterrane Vertreter wie wilde Oliven oder Steineichen hat er gerne um sich. „Ich bin Bonsai-Gestalter, kein Sammler“, stellt der 75-Jährige klar. Er bemüht sich darum, seine Pflanzen in der Tradition der asiatischen Gartenkunst klein und kompakt zu halten. Das ist nicht nur eine künstlerisch-ästhetische Vorliebe von ihm.

Bonsai kommt aus dem Japanischen und heißt so viel wie „Baum im Topf“. „Wissen Sie, wie viel so ein Riesenteil in einem schweren Kübel auf die Waage bringt?“, fragt er. Zumindest er hat eine konkrete Ahnung davon: „Das wird schon mal gerne ein ganzer Zentner. Den könnte ich gar nicht mehr allein schleppen“, sagt der geborene Westfale. „Wegen Rücken.“ Dann lieber nur moderat hoch und nicht allzu ausufernd. Schöne, waagerechte Äste sollen die Bonsai von Große Wilde zieren. „Ich zeige der Pflanze, wie sie zu wachsen hat“, so sein gestalterischer Ansatz.

Große Wildes Expertise hat sich herumgesprochen

Dazu greift er auch schon mal zu runden Stahlgewichten, eigentlich Abfallprodukten aus einer Oberpleiser Dreherei, und bindet sie zum Beschweren an die Äste. Dann können diese nicht anders, als in die Breite zu wachsen. Bei anderen Bäumchen, die nicht so einen starken Drang nach oben haben, verzichtet er auf das Prozedere und umwickelt die Äste stattdessen mit Aluminium-Draht, um sie in Form (siehe „Tipps vom Bonsai-Experten“) zu bringen.

Es hat sich in Bonn herumgesprochen, dass Große Wilde sich gut mit den kleinen Bäumen auskennt – immerhin umfasst die von ihm studierte Literatur dazu mehrere Regalmeter. In seinem Wintergarten gibt er Kurse über die Gestaltung der Bäume. Bonsai-Freunde tauschen bei ihm nicht nur Wissen, sondern auch Pflanzen aus. „Das ist bei uns üblicher, als mit Bargeld zu bezahlen“, erzählt er. Dass die teuersten Bonsai auf dem internationalen Markt für bis zu 30 000 Euro verkauft werden, findet er dennoch „absolut gerechtfertigt. Das sind ganz alte Bäume, die lange und penibel gepflegt worden sind. Die haben dann einen Seltenheitswert wie die Blaue Mauritius“.

Bäume können am 18. und 19. Mai besichtigt werden

Große Wilde gibt gerne Einblick in seine umfangreiche Bonsai-Zucht. Er hat sich in den vergangenen Jahren an der Aktion „Offene Gartenpforte“ beteiligt und Besuchern seine Schätze gezeigt. Diesmal wollte er eigentlich nicht dabei sein. Der Grund dafür liegt auch wieder im kreativen Gestalten. Das hat in dem Fall jetzt nichts mit Botanik, sondern mit seinen Druckgrafiken zu tun, die er mithilfe einer historischen Radierpresse in seinem Atelier direkt neben dem Gewächshaus herstellt.

Er zeigt sie in diesem Jahr bei gleich drei Ausstellungen in Bonn und Remagen. „Das alles vorzubereiten, ist sehr aufwendig, da habe ich eigentlich gar keine Zeit für die offene Gartenpforte“, sagt er. Und nimmt sich die Zeit dafür dann doch, wenn auch nicht offiziell dazu angemeldet. Dennoch: Wer ihn und seine Bonsai bei der nächsten offenen Gartenpforte am Wochenende 18./19. Mai besuchen möchte, ist bei ihm in Oberkassel willkommen.

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