Schlechte Noten für Godesbergs Plätze

Schlechte Noten für Godesbergs Plätze

Bei Diskussion in der Reihe "Neue Freundschaften - Baukultur in Bonn" tadeln Fachleute die Fußgängerzone

Bad Godesberg. Die gute Nachricht zuerst: Die Bürgerstraße hat sich wirklich gemacht. Ansonsten haben Bonns Stadtbaurat Werner Wingenfeld und der ehemalige Rektor der Universität Bonn, Klaus Borchard, wenig Positives zu berichten.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Neue Freundschaften - Baukultur in Bonn" knöpfen sich die Fachleute am Mittwochabend die Bad Godesberger Innenstadt vor. Und das gezeichnete Bild ist so finster, dass Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann feststellt: "Wer Schwarz sucht, sieht schwarz."

Der Reihe nach: die Probleme beginnen schon beim Eintreten in die Innenstadt. Wer am Bahnhof ankommt und seinen Proust gelesen hat, kann eigentlich gleich weiterfahren, denn der Bahnhof ist nach Meinung des Schriftstellers die Essenz der Persönlichkeit einer Stadt, weiß Klaus Borchard. Am Ria-Maternus-Platz ist die "Aufenthaltsqualität gleich null".

In Anbetracht des längst fertig gestellten Straßentunnels stellt Borchard die Frage: "Warum sind die Straßen hier so breit?" Einfach nur "schrecklich" findet er den Hubertinumshof.

Der Moltkeplatz, nach seiner Umgestaltung als "Eingangstor von Bad Godesberg" gepriesen, ist nach Meinung von Stadtbaurat Wingenfeld eher ein Beispiel für "eisernen Sparwillen", als eine gelungene städtebauliche Maßnahme. Besser als ein Parkplatz sei die dunkle Asphaltfläche aber allemal. Das Kinopolis, sicher kein Hingucker, wirkt immerhin belebend.

Vergleichsweise gut sollte da doch der Theaterplatz abschneiden, sollte man meinen. Weit gefehlt: Hier eine Bank, da eine Bank, und kaum Gastronomie sieht Borchard. "Da ist nichts los!"

Das gilt auch für den Fronhof. "Grausig" ist der Platz, überdimensioniert und zu weitläufig. Die Galeria sei ein Fortschritt, aber den Namen Galerie verdiene sie nicht, weil Fachgeschäfte fehlen. Dennoch ist das Einkaufszentrum "ein Magnet" und damit ein Gewinn für die Innenstadt, sagt Werner Wingenfeld. Anders sieht es mit der alten Passage am Fronhof und den Arcaden aus. Wie diese Flächen wiederbelebt werden können, bleibt offen.

Sein Fett weg bekommt auch der "seltsame Zwitter aus Fußgängerzone und Schleichweg" (Wingenfeld), auch Koblenzer Straße genannt. Das Durchfahrverbot muss nach Einschätzung der Fachleute konsequent durchgesetzt und die Straße umgestaltet werden, damit die gefühlte Trennung zwischen Ost- und Weststadt überwunden werden kann.

Von Bürgern kritisch angemerkt wird das Nord-Süd-Gefälle mit etablierten Geschäften in Richtung Kurpark und hoher Fluktuation bei den Läden von "Geschäftsleuten mit Migrationshintergrund" auf der anderen Seite.

Nach einer ungewöhnlich kritischen, zum Teil bewusst überspitzten Bestandsaufnahme ist die Sehnsucht nach Perspektiven im Publikum natürlich groß. Klaus Borchard sieht "dringenden Handlungsbedarf" bei den Plätzen. Die müssten oberste Priorität genießen "und zwar bei der Stadt".

Entwicklungspotenziale sieht der Städteplaner in den zahlreichen Wohnungen in der Innenstadt. Diese Besonderheit müsse genutzt werden. Das Ziel müsse es sein, die alte Stadtqualität wieder herzustellen. Dabei warnte er vor der Idee, eine "Replik einer heilen Altstadt herzustellen, die es so nie gegeben hat". "Jede Zeit verdient ihre eigene Architektur."

Als verantwortlicher Stadtbaurat hält sich Werner Wingenfeld mit Vorschlägen zurück. Dafür hat er Tipps, woher das Geld für eine Umgestaltung der Innenstadt kommen könnte, das die Stadt selbstverständlich nicht hat. Ein erst kürzlich ins Leben gerufenes Programm der Bundesregierung zur Belebung von Stadtteilzentren ist seiner Meinung nach "wie geschaffen für Bad Godesberg".

Anlieger und Eigentümer könnten sich in Immobilienstandortgemeinschaften organisieren und so ihre Interessen Bündeln. Wingenfeld will die Ansätze weiterverfolgen und sich darum bemühen, den Dialog auf Godesberger Ebene fortzuführen.

Die Eigentumsverhältnisse stellen ein grundsätzliches Problem in der Godesberger Fußgängerzone dar. Die Eigentümer der Immobilien an den Plätzen wohnen heute größtenteils außerhalb und nähmen ihre Verantwortung für die Stadt oft nicht wahr, kritisierte Schwolen-Flümann.

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