Ungeniert vorbei am Streifenwagen: Rücksichtslose Autofahrer sind eine Gefahr an Unfallstellen

Ungeniert vorbei am Streifenwagen : Rücksichtslose Autofahrer sind eine Gefahr an Unfallstellen

Auf der Bernkasteler Straße in Friesdorf hat es kürzlich beim besten Willen kein Durchkommen gegeben. Ein schwerer Unfall war passiert: Zwei ältere Insassen eines Fords, die mit ihrem Auto gegen einen geparkten Audi geprallt waren, mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

Deshalb war die Straße zugestellt mit Rettungswagen, Feuerwehrfahrzeugen und Streifenwagen. Um Autofahrer am Einfahren in die blockierte Straße zu hindern, hatte sich ein Streifenwagen mit eingeschaltetem Blaulicht quer auf die Fahrbahn auf Höhe der Abfahrt des Kreisels Hochkreuzallee gestellt. Der Streifenpolizist ließ eine schmale Lücke, gedacht für abfahrende Rettungsfahrzeuge.

Dann stieg er aus seinem Wagen aus, um an der Unfallstelle zu helfen. Seine Abwesenheit nutzten schnell einige Autofahrer, um ungeniert den querstehenden Streifenwagen zu umkurven und in Richtung Unfallstelle zu fahren. Als es nach wenigen Metern nicht mehr weiterging, waren Fragen wie diese zu hören: "Was ist denn da passiert? Wie lange dauert die Sperrung noch?"

Von einer verärgerten Autofahrerin, die merkte, dass keine Durchfahrt möglich ist, bekam der Streifenpolizist, dessen Wagen die Fahrbahn blockierte, zu hören: "Dann stellen sie den Wagen doch direkt so ab, dass man nicht mehr drum herum kommt!" Rücksichtslose Autofahrer an Unfallstellen sind für Ordnungshüter ein leidiges Thema.

Ob Pylonen, Warndreiecke, oder querstehende Polizeifahrzeuge, in unbeobachteten Augenblicken lassen sich manche Autofahrer auf ihrem Weg mitten durch die Unfallstelle nicht aufhalten. Wird der Betreffende von Polizisten gestoppt, ist die Liste der Ausreden lang: Die Palette der Antworten reicht von "ich habe das nicht gesehen" bis hin "da komme ich aber noch dran vorbei" beziehungsweise "ich muss da durch, ich habe es eilig".

"Manchmal ist die Unverfrorenheit kaum zu glauben und oft muss man aufpassen, dass man nicht selbst noch umgefahren wird", berichtet ein Polizeibeamter, der namentlich nicht genannt werden will. Einem Kollegen riss an einer Unfallstelle der Geduldsfaden, als sich ein Autofahrer wieder an ihm und einer Absperrung vorbeiquetschen wollte: "Was meinen Sie, warum ich hier stehe: Glauben Sie, ich bewache eine Ameisenstraße?"

Für Carsten Schneider, stellvertretender Leiter der Bonner Feuerwehr, stellt sich das Problem eher weniger in der Stadt: "Auf der Autobahn können wir uns gar nicht genug absichern. Da fehlt es manchem Verkehrsteilnehmer an Sensibilität." Zur Häufigkeit solcher Vorfälle befragt, sagt Polizeisprecherin Daniela Lindemann: "So etwas kommt vor und kann auch als Ordnungswidrigkeit geahndet werden." Doch in den meisten Fällen ende das Ganze damit, "dass Autofahrer Hinweise und Zeichen von Polizeibeamten bekommen, die Unfallstelle wieder zu verlassen". Schließlich gehe es darum, den Unglücksort so rasch wie möglich wieder frei zu bekommen.

Aus Sicht der Polizei bestehe nämlich die Gefahr, dass gerade die unvermittelt am Unfallort auftauchenden Autofahrer sich und andere gefährden. In erster Linie denke Lindemann dabei "an Verletzte, die auf dem Boden liegen". Aber auch an Polizeibeamte, Feuerwehrleute und Rettungskräfte, Unfallbeteiligte sowie Zeugen. "Die Personen gehen angesichts der Sperrung nicht von Verkehr aus", führt sie aus. Auch würden Rettungswege blockiert und auch Unfallspuren vernichtet: "Dabei handelt es sich oft um kleinste Spuren", erklärt Daniela Lindemann weiter.

Letztlich würden sich Autofahrer aus Sicht der Bonner Polizeisprecherin selbst in Gefahr bringen. So sorgten ausgelaufene Betriebsmittel an Unfallstellen oft für eine rutschige Fahrbahn, so Daniela Lindemann, es lägen Trümmerteile herum und die Fahrbahn könnte beschädigt sein.