Prozess: Tipp für Überfälle kam vom Kellner

Prozess: Tipp für Überfälle kam vom Kellner

26 Jahre alter Mann steht wegen Beihilfe vor Gericht

Bonn. Sein Insiderwissen nutzte der 26 Jahre alte Andre S. (Name geändert), um zwei bewaffnete Überfälle auf das Bonner Restaurant, in dem er als Kellner arbeitete, zu ermöglichen. Dies räumte der junge Mann am Freitag vor der Jugendstrafkammer am Bonner Landgericht ein.

Neben dem Kellner saßen die vier Beschuldigten auf der Anklagebank, die allesamt gestanden, an den Überfällen im Oktober 2008 beteiligt gewesen zu sein. Die zwischen 18 und 23 Jahre alten Angeklagten müssen sich wegen schweren Raubes, versuchten schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Dem "Informanten" Andre S. wird Beihilfe vorgeworfen.

Nach Aussage des Angeklagten war es "reiner Zufall", dass sich die fünf jungen Männer am 1. Oktober trafen. Zuvor will Andre S. lediglich mit dem 23-Jährigen - mit dem er eine Ausbildungsklasse besuchte - über Möglichkeiten gesprochen haben, wie man schnell an Geld kommen könne. Doch in der folgenden Nacht wurde die Idee, sich an den Tageseinnahmen des Restaurants zu bereichern, in die Tat umgesetzt - nur der 23-Jährige wollte nicht mitmachen und blieb zu Hause.

Andre S. kundschaftete laut eigenen Angaben im Restaurant aus, wie viele Personen vor Ort waren und ließ dann die drei mit einer Gaspistole und einem Messer bewaffneten Räuber durch einen Hintereingang ins Haus.

Der Raubversuch scheiterte jedoch: Zunächst soll ein Angestellter von einem 20-Jährigen - der momentan eine fünfjährige Jugendstrafe wegen drei bewaffneten Überfällen auf Taxifahrer absitzt und dem jetzt die Abschiebung droht - mit der Waffe niedergeschlagen worden sein. Als daraufhin ein weiterer Mitarbeiter die Bürotür von innen zuhielt, seien die Täter ohne Beute geflüchtet.

Nur wenige Wochen später der zweite, erfolgreiche Versuch: Diesmal ließ sich der 23-Jährige nach eigenen Angaben von Andre S. überreden, mitzumachen. Mit dem auch am ersten Überfall beteiligten 18-Jährigen hat sich der mit einer Schreckschusspistole bewaffnete Azubi demnach am 27. Oktober auf der Toilette versteckt, bis der Kellner telefonisch mitteilte, dass die Tageseinnahmen ins Büro gebracht werden. Mit einer Beute von 12 000 Euro soll das Duo geflüchtet sein.

Der 23-Jährige hat inzwischen die gesamte Schadenssumme an den Inhaber des Restaurants zurückgezahlt. Er habe beim zweiten Überfall mitgemacht, weil er vor der Tat Kokain geschnupft hatte. Dadurch sei "die ganze Angst weg gewesen".

Erstmals wurde von den Angeklagten am Freitag eine möglicherweise beteiligte sechste Person benannt. Der Bekannte soll bei dem ersten Überfall die Funktion des Fahrers übernommen haben. Der Prozess wird fortgesetzt.

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