Prostituierte soll zugestochen haben, weil sie blutenden Vampir sah

Prostituierte soll zugestochen haben, weil sie blutenden Vampir sah

Er lernte sie als Prostituierte kennen, verliebte sich in sie und nahm sie bei sich auf. Das hätte den 46-jährigen Bonner am 8. Dezember 2009 fast das Leben gekostet.

Bonn. Er lernte sie als Prostituierte kennen, verliebte sich in sie und nahm sie bei sich auf. Das hätte den 46-jährigen Bonner am 8. Dezember 2009 fast das Leben gekostet: Die 31-Jährige holte für ihn völlig unerwartet, so die Staatsanwaltschaft, ein Messer aus der Küche, stach es dem 46-Jährigen in die Brust und verletzte seine Lunge.

Und als sie nach der Festnahme von der Polizei nach dem Grund gefragt wurde, sagte sie: "Ich habe einen blutenden Vampir gesehen." Ein Psychiater bescheinigte der Rumänin eine schwere Psychose, und die Staatsanwaltschaft hat sie nun angeklagt wegen versuchten Mordes - begangen im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit.

Seit 2007, so Staatsanwaltschafts-Sprecherin Monika Volkhausen, lebte die 31-Jährige in Deutschland und verdiente ihren Lebensunterhalt als Prostituierte. 2008 kam sie nach Bonn, wo der 46-Jährige sie auf dem Straßenstrich kennenlernte und ihr anbot, zu ihm in seine Wohnung in Endenich zu ziehen. Sie willigte ein, doch das Verhältnis der beiden verschlechterte sich, so Staatsanwältin Volkhausen, mit der Zeit immer mehr.

Auch am 8. Dezember kam es zwischen den beiden zu einem Streit, der jedoch den Ermittlungen zufolge nur zu einem kurzen Wortgefecht geführt habe. Denn die 31-Jährige soll sofort in die Küche gegangen, mit einem Küchenmesser mit einer 20-Zentimeter-Klinge zurückgekommen sein und es dem, so Volkhausen, "völlig überraschten Opfer" tief in die Brust gestoßen haben.

So tief, dass es bis in die Lunge drang.

Der 46-Jährige flüchtete laut Anklage vor der rasenden Frau aus der Wohnung. Doch sie verfolgte ihn und stach weiter mit dem Messer von hinten auf ihn ein und verletzte ihn am Hinterkopf, am Ohr und am Oberarm, bevor Nachbarn auf seine Hilfeschreie hin die Tür öffneten und er sich in deren Wohnung retten konnte. Er wurde in die Klinik gebracht, operiert und überlebte die Messerattacke.

Die 31-Jährige aber irrte, so die Anklage, anschließend sichtlich verwirrt in der Nähe des Hauses umher, stellte Passanten seltsame Fragen und wurde wenig später von der Polizei festgenommen und von einem Ermittlungsrichter des Bonner Amtsgerichts in Untersuchungshaft ins Kölner Frauengefängnis geschickt.

Dort aber blieb sie nicht lange. Denn ein von der Staatsanwaltschaft eingeschalteter psychiatrischer Gutachter kam zu dem Ergebnis: Die 31-Jährige leidet an paranoider Schizophrenie. Und so wurde sie vom Gefängnis in eine forensische Klinik verlegt, und für die Staatsanwaltschaft steht fest: Die Beschuldigte stellt nach wie vor eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Demnächst muss sich die 31-Jährige vor dem Bonner Schwurgericht verantworten, und die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ihre Messerattacke rechtlich als ein heimtückischer Mordversuch zu werten ist in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Denn, so die Anklage, ihr Opfer war völlig arg- und wehrlos.

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