Lievelingsweg in Bonn: Poststadion soll komplett verschwinden

Lievelingsweg in Bonn : Poststadion soll komplett verschwinden

Allen Beteuerungen zum Trotz: Auf dem Gelände des alten Poststadions hat sich noch kein Stein bewegt, sieht man einmal vom derzeitigen Bau der 27 öffentlich geförderten Wohnungen entlang des Lievelingswegs ab. Dafür aber zeichnet das Unternehmen Sahle verantwortlich.

Auf dem eigentlichen Stadion-Areal aber herrscht weiter Stillstand. Und das seit viereinhalb Jahren. So lange ist es her, dass Investor Dirk Schlun aus Aachen das Grundstück gekauft hatte. Zuletzt war es der strenge Winter, der ihm einen Strich durch die Umsetzung machte, dann eine Planänderung in letzter Minute. Aber nach den Sommerferien soll es nun wirklich losgehen, versicherte Schlun dem General-Anzeiger.

Neu dabei: In diesem Zuge soll das Poststadion komplett verschwinden, denn das ganze Areal wird zugeschüttet und das Clubhaus abgebrochen. Ursprünglich war geplant gewesen, das tiefer liegende Stadiongelände so zu belassen und von unten aus ein viergeschossiges Gebäude zu errichten - also zwei Geschosse über Straßenniveau.

Inzwischen ist man wieder von diesem Plan abgekommen. Stattdessen soll es nun mehrere Baukörper geben - am Lievelingsweg einen Edeka-Markt mit Apotheke, dahinter ein Altenheim mit Seniorenwohnungen sowie ein Ärztezentrum, alles auf zweieinhalb Geschossen.

"Das ist eine wesentlich bessere Planung als die, die wir nach dem Kauf der Fläche vorfanden", sagt Schlun. "Wir haben alle Anträge durch, führen derzeit aber noch Gespräche mit dem Umweltamt über die Qualität der Böden, die wir einbauen." Das Stadion mit 85.000 Kubikmeter Erde zu verfüllen, ist dabei keine Kleinigkeit. Wenn jeden Tag fünf Lastwagen ihre Ladung abkippen, würde es fünf Wochen dauern, bis das Areal verfüllt ist, hat Schlun ausgerechnet.

Von der alten Radrennbahn, die inzwischen verfallen und an vielen Stellen nur noch zu erahnen ist, wird dann nichts mehr zu sehen sein. "Es kann höchstens passieren, dass noch ein paar kleine Stücke davon sichtbar bleiben", schränkt Schlun ein. Unter Denkmalschutz stehe die Bahn jedenfalls nicht.

Und das alte Clubhaus, in dem schon mehrmals Feuer gelegt worden sind, und das zwischenzeitlich die Kinder des dahinter liegenden Neubauviertels als Abenteuerspielplatz benutzt hatten? Es wird abgerissen, und zwar im Zuge der Erdarbeiten, sagt der Investor. "Wir hoffen damit nach den Ferien anfangen zu können."

Das Clubhaus strotzt vor Müll und Unrat. Zwischenzeitlich war der Zugang nicht abgesperrt gewesen, so dass für Kinder und Jugendliche die Versuchung groß war. Als Eltern bemerkten, wo ihre Kinder spielten, sorgten sie dafür, dass dort ein provisorischer Zaun errichtet wurde. Wie ein Anwohner berichtete, kam die Absperrung sehr schnell, nachdem man einen Notruf bei der Polizei getätigt hatte.

Und noch eines treibt die Leute im Neubaugebiet um. Dort gibt es keinen Spielplatz für die Kinder, der nächste ist erst am Gerhardsplatz/Nonnstraße. Dazu müssten sie aber den viel befahrenen Lievelingsweg überqueren, was für Kinder im Vorschulalter alleine gar nicht möglich ist, ohne sich erheblichen Gefahren auszusetzen.

"Die Anlage eines Spielplatzes ist hier in der neuen Siedlung offenbar komplett vergessen worden", sagt ein Bewohner. Die Fläche des früheren Aschenplatzes hinter dem Stadion sei komplett zugebaut worden, mit 43 Reihenhäusern.

Dem Wunsch, am liebsten einen Spielplatz auf dem alten Stadiongelände zu bekommen, ist Dirk Schlun grundsätzlich nicht abgeneigt. "Ich bin gerne zu Gesprächen bereit und kann mir vorstellen, eine Fläche dafür auf dem Gelände zur Verfügung zu stellen. Allerdings ist da auch die Stadt Bonn gefragt, sich mit zu beteiligen."