Noch kein Streik-Ende in Sicht

Noch kein Streik-Ende in Sicht

Wieder bleiben auch in Bonn Kitas dicht - Doppelte Demo sorgte für Verwirrung

Bonn. Das war purer Zufall, der bei einigen Passanten allerdings für Verwirrung sorgte: Im Schatten des Münsters zogen am Freitagvormittag gleich zwei Demonstrantenzüge über den Münsterplatz.

Auf der einen Seite waren etwa 150 Erzieherinnen aus 20 städtischen Kindergärten dem erneuten bundesweiten Streikaufruf der Komba-Gewerkschaft gefolgt. Lautstark machten sie ihrem Unmut über die bisher ergebnislosen Tarifverhandlungen mit den kommunalen Arbeitgeberverbänden Luft.

Gleich daneben protestierten Mitarbeiter des Karstadt-Warenhauses gegen den drohenden Verlust ihrer Arbeitsplätze. Angesichts der Existenzsorgen dieser Angestellten kam das Anliegen des städtischen Kita-Personals bei einigen Bürgern denn auch nicht gut an: "Die sollen doch froh sein, dass sie überhaupt Arbeit haben", meinte eine Frau.

Monika Benze vom Ortsvorstand der Komba (Kommunale Gewerkschaft für Beamte und Arbeitnehmer) konnte das natürlich nicht so stehen lassen und nahm sich viel Zeit, den kritischen Stimmen auf dem Münsterplatz das Anliegen der Erzieherinnen und Erzieher näher zu bringen.

"Wir wollen keine Lippenbekenntnisse der Politik, dass die Kinder unser höchstes Gut sind, wenn dies nicht mit fairen Arbeitsbedingungen einhergeht", unterstützte sie Christoph Busch, Ortsvorsitzender der Komba- Bonn.

Seit Einführung des neuen Kinderbildungsgesetzes steige die Erwartungshaltung an das Kita-Personal kontinuierlich. Durch den Ausbau der Gruppen für unter Dreijährige müssten immer mehr Wickelkinder betreut werden, parallel erteilten die Erzieherinnen Englisch- und Musikunterricht und sorgten außerdem für die Sprachförderung. "Wir sind heute Erzieher und Erzieherinnen mit frühkindlichem außerfamiliären Bildungsauftrag, die bis 67 Jahre arbeiten dürfen", brachten die Streikenden ihren Protest auf den Punkt.

Busch machte deutlich: Wenn die Verhandlungen nächste Woche nicht zum Erfolg führen - gefordert werden eine bessere Bezahlung und ein Tarifvertrag zum Gesundheitsschutz -, dann gehen die Streiks weiter.

Auch in Bonn. Für viele Eltern heißt das: Wieder werden Kitas geschlossen bleiben oder lediglich eine Notbetreuung bieten. Am Freitag waren in Bonn 20 Kitas vom Streik betroffen. Dem städtischen Presseamt zufolge habe es indes keine Beschwerden von Eltern gegeben.

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