Neue Gehälter frustieren die Verkäuferinnen

Neue Gehälter frustieren die Verkäuferinnen

Bonner Kaufhof-Betriebsrat spricht von Skandal und großer Unzufriedenheit

Bonn. Hinter den Kulissen des Einzelhandels gärt es. Nach dem jüngsten Tarifabschluss Ende Juli bekommt das Verkaufspersonal jetzt in der Praxis mit, was neben einer dreiprozentigen Gehaltserhöhung noch vereinbart wurde.

Und das ist nach Angaben des Bonner Kaufhof-Betriebsratsvorsitzenden Peter Zysik "ein Skandal", der in seinem Büro für regen Durchgangsverkehr sorgt. "Meine Tür geht nicht mehr zu, die Mitarbeiter kommen in einer Tour, um sich zu beschweren, und sind total unzufrieden", erzählt er.

Wie zur Bestätigung geht mitten im Gespräch die Tür auf und eine junge Frau will sich die Hintergründe ihrer Gehaltsabrechnung erklären lassen. Denn bei ihr ist keine Tariferhöhung angekommen. Der Betriebsrat erklärt ihr das Problem: Mit Einmalzahlungen von 400 Euro in diesem Jahr und je 150 Euro in 2009 und 2010 seien nämlich auch die bisherigen Zuschläge für Samstagsarbeit weggefallen, so dass nach Zysiks Angaben ein realer Gehaltsverlust besteht.

Erst recht dann, wenn man der Gehaltserhöhung die Inflationsrate gegenüber stellt. Hinzu komme auch noch, dass die Einmalzahlungen nicht direkt fließen, sondern entweder auf ein Konto für tarifliche Altersversorgung wandern oder als Warengutscheine ausgegeben werden.

Ohnehin sind Verkäuferinnen im Einzelhandel nicht auf Rosen gebettet, verdienen im Endgehalt 2 006 Euro brutto, nach der Gehaltserhöhung sind es 2 066 Euro. Erschwerend hinzu kommt, dass übertarifliche Zulagen künftig an den Wegfall der Zuschläge gekoppelt sind.

"Damit ist der Übertarif weggeschmolzen und wird durch die Tariferhöhung aufgefressen", erklärt Zysik, der jetzt eine Betriebsversammlung für die Kaufhof-Mitarbeiter plant. Im Klartext: Wer bisher eine Übertarif-Bezahlung bekommen hat, merkt von der Gehaltserhöhung im Grunde nichts. Die junge Verkäuferin quittiert die Erklärungen mit deutlichen Worten: "Ich fühle mich ein bisschen verarscht."

Allerdings gibt Zysik auch zu, dass der Einzelhandel ein "Mobilisierungsproblem" hat. Wenn die Gewerkschaft zu Streiks aufruft, um für bessere Löhne und Gehälter zu kämpfen, nehme kaum jemand daran teil. "Das jetzige Tarifergebnis ist im Grunde die Quittung dafür", sagt Zysik. Nach seinen Worten würden viele Mitarbeiter im Einzelhandel aus Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes nicht an Arbeitskämpfen teilnehmen.

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