Nach der Landung war die Reise noch lange nicht zu Ende

Nach der Landung war die Reise noch lange nicht zu Ende

Lange Nacht - Glosse vom Cem Akalin

Für die Passagiere des Germanwings-Fluges Nummer 4U0357 endete die Reise aus London Montagnacht mit einer Farce der besonderen Art. In London-Stansted hatten sich die Sicherheitsleute eigentlich alle Mühe gegeben, jede verdächtige Flasche mit Linsenreiniger, Babynahrung oder Limonade fachgerecht zu entsorgen.

Aber sie konnten offensichtlich nicht mit dem perfiden Fantasiereichtum so mancher Fluggäste rechnen. Seit es nicht mehr gestattet ist, Flüssigkeiten ins Handgepäck zu nehmen, versuchen findige Touristen und Geschäftsreisende ihre Lieblingsgetränke, seltene Öle oder Desinfektionsmittel, die bekannterweise recht schwierig auf dem deutschen Markt zu bekommen sind, im Koffer in die Heimat zu schmuggeln.

Aber die unselige Kombination aus dem Wunsch, originelle englische Spezialitäten mitzubringen, und dem unsanften Umgang mit Reisegepäck am Flughafen Köln/Bonn, brachte sowohl die Flughafenverantwortlichen sowie alle Reisenden Montagnacht in eine prekäre Situation. Um 22.16 Uhr gelandet, liefen die Gepäckbänder 37 Minuten lang ohne die sehnsüchtig erwarteten Koffer und Taschen an den Flugpassagieren vorbei.

Bis endlich ein Mitarbeiter der Bodencrew mitteilte, eine vermutlich hochexplosive Flüssigkeit sei ausgelaufen. Die Feuerwehr sei in Alarmbereitschaft und müsse die Maschine sichern. Eine weitere geschlagene Dreiviertelstunde geschah nichts. Dann wurden einzelne Passagiere ausgerufen. Wer hat eine verdächtige grünliche Flüssigkeit aus England nach Deutschland mitgebracht?

Zögerlich rückten einige Passagiere mit ihren Mitbringseln heraus: Bier, englische Limonade, Olivenöl, Mundwasser, Desinfektionsmittel. Doch nichts passte auf die immer noch von der Feuerwehr scharf bewachte Flüssigkeit. Der Gefahrgutbeauftragte war alarmiert. Schließlich wurde unter Berücksichtigung aller Sicherheitsvorschriften endlich etwas von der merkwürdigen Substanz im Frachtraum sichergestellt.

Die Spezialisten von Bayer, so hieß es, müssten diese im Labor untersuchen. Vorher könnten die Gepäckstücke nicht freigegeben werden. Mittlerweile war eine weitere Stunde vergangen. Endlich gegen 1 Uhr kam die erlösende Nachricht: Bei dem vermeintlich gefährlichen Stoff handelte es sich um konzentrierten Traubensaft, auch als Sirup bekannt. Die einzige Folge dieses Abenteuers: dutzende klebrige Koffer.

Der Passagier, der für diese Fracht verantwortlich war, gab sich nicht zu erkennen.

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