Missbrauchsvorwürfe: Ako-Pro schreibt 1140 Ex-Pfadfinder an

Missbrauchsvorwürfe: Ako-Pro schreibt 1140 Ex-Pfadfinder an

Der Verein in Bad Godesberg forciert die Aufklärung und ruft mögliche Opfer auf, sich zu melden.

Der neu aufgestellte Verein Ako-pro-Seminar hat sich angesichts des Skandals um seine ehemalige Leitung zu einem offensiven Aufklärungsschritt entschieden: Er schrieb, wie von mutmaßlichen Missbrauchsopfern gefordert, am Montag 1140 ermittelte ehemalige Pfadfinder mit einem Hilfsangebot direkt an.

Der sogenannte "Zinsmeisterbericht", der sich die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle am Aloisiuskolleg (Ako) zum Ziel setzte, habe 2011 auch Vorwürfe dokumentiert, die den Bereich Scouting des Ako-Pro-Seminars betrafen, erklärten der Ako-pro-Vorstand Dirk Stueber und Mathias Molzberger. "Der Verein nimmt den Inhalt dieses Berichts und auch den neuerlichen Vorwurf des Missbrauchs von Mitte Dezember sehr ernst."

Deshalb übernehme man selbst ab sofort den vom Ako 2011 erarbeiteten Präventionsleitfaden (http://www.ako-pro-seminar.de). Das Papier enthalte neben analytischen Passagen, die Täterprofile, Definitionen von Missbrauch sowie Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs auf Opfer darstellten, auch klare und hilfreiche Empfehlungen, wie Missbrauch zu verhindern sei.

"Sollten Sie persönlich das Gefühl haben, dass das Ako-Pro-Seminar in der näheren oder früheren Vergangenheit massiv gegen das verstoßen hat, was an pädagogischen Prinzipien im Leitfaden gefordert ist, oder dass Sie persönlich eine schmerzhafte Erfahrung von Missbrauch in unserem Verein gemacht haben, so ermutigen wir auch Sie, sich bei uns oder zwei Initiativen zu melden", schreibt der Vorstand. Verwiesen wird auf die "Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch" (http://www.initiative-gegen-gewalt.de) und die "Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt" (http://www.beratung-bonn.de).

Beide bürgten für einen äußerst sensiblen, diskreten und professionellen Umgang, so Stueber und Molzberger. "Aus unserer Sicht gehört zu einem gelingenden Neuanfang auch ein wahrhaftiger Blick in die Vergangenheit - wenn Sie uns dabei helfen können, sind wir sehr dankbar." Auch die Ako-Leitung unterstütze diesen Prozess der Aufarbeitung ausdrücklich.

Wie berichtet, hatten sich Stueber und Molzberger kürzlich mit Ako-Rektor Johannes Siebner einem Gespräch mit mutmaßlichen Opfern und Angehörigen gestellt.

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