Kommentar: Krankes System

Kommentar : Krankes System

Zwei-Klassen-Medizin ist in Deutschland längst Realität. Ob Chefarztbehandlung im Krankenhaus oder kürzere Wartezeiten auf Termine: Privatpatienten haben die besseren Chancen, gesund zu bleiben oder zu werden.

Die Ursachen liegen auch im kranken System. Die Gesundheitskosten erreichen wegen steigender Lebenserwartung und medizinischem Fortschritt, der seinen Preis hat, immer neue Rekordhöhen. Die Versuche, den Anstieg zu bremsen, treffen auch die Ärzte.

Zwar haben Kassenärzte und Psychologen 2011 eine Honorarsteigerung von einer Milliarde Euro durchgesetzt. Trotzdem sehen viele Mediziner in den Privatpatienten die beste Möglichkeit, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Für sie wird Sprechstundenzeit reserviert; sie bekommen schneller Termine.

Wer das Gesundheitswesen fit machen will, muss den Kostenanstieg wirksamer drosseln als bisher. In den Arztpraxen ist da wohl das Wenigste zu holen. Es verdienen zu viele Mitspieler zu viel Geld mit der Gesundheit: die Pharmaindustrie, der Pharmagroßhandel, die Apotheker.

Deutschland hat zu viele Kliniken, zu viele Krankenkassen. Seit Jahren wird zum Beispiel über eine Positivliste diskutiert, die teure Schein-Innovationen bei Medikamenten eindämmen würde. Pillen und Pülverchen gehören zu den stärksten Kostentreibern. Doch gegen die mächtige Lobby der Großverdiener hat sich bisher noch kein Politiker durchgesetzt.

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