Übung auf dem Rhein: Kentern für den Ernstfall

Übung auf dem Rhein : Kentern für den Ernstfall

Ein Kajak treibt falsch herum im Rhein, der Fahrer ist nicht zu sehen. In der Nähe paddelt ein weiterer Fahrer und sucht das Wasser nach seinem gekenterten Kollegen ab. Unweit der Kajaks schiebt sich ein riesiges Lastenschiff den Rhein hinauf. Gerät einer der Wassersportler in die Fahrrinne des Kolosses, sind sie verloren.

Ein Kopf taucht zwischen den Wellen auf, der Fahrer versucht, sein Boot in die Nähe seines Kollegen zu bringen. So dramatisch die Szenerie scheint, es handelt sich hierbei nur um eine Sicherheitsübung des Post-Sportvereins Bonn 1926 e.V.

Während der Gekenterte sich am Boot des anderen wie ein Affe festklammert, versucht sein Helfer das Kajak in Position zu bringen, damit er wieder einsteigen kann. "Das Wichtigste ist: immer in der Nähe des Kajaks bleiben und es möglichst nicht loslassen", erklärt Übungsleiterin Gabriele Koch.

Neben Schnupper- und Technikkursen können Sportler bei der Wiedereinstiegsübung die Reaktion für den Ernstfall üben. Sehr schmal und wacklig sind die Boote, der Einstieg bedarf einer ausgefeilten Technik. "Jetzt langsam und vorsichtig umdrehen", ruft Koch einer Teilnehmerin zu, nachdem sie sich am Boot aus dem Wasser gezogen hat. Am Anfang und am Ende des kleinen Abschnitts vom Rhein bei Graurheindorf, wo die Teilnehmer proben, behalten zwei Wachtposten den Schiffsverkehr im Auge.

Und das ist auch gut so: "Wir dürfen die Berufsschifffahrt nicht behindern", sagt Koch, "außerdem sind diese Schiffe nicht wendig. Selbst wenn sie wollten, könnten sie nicht ausweichen." Deshalb würden die Sportler sich auch von der Fahrrinne der großen Schiffe fernhalten, der Bereich zwischen dem schnell fließenden Strom und dem träge fließenden Wasser am Ufer sei perfekt, sagt Koch. Jeder der Teilnehmer trägt eine Schwimmweste, die Boote sind mit weiteren Sicherheitsstandards ausgerüstet.

Das Tragen von Schwimmwesten ist zwar nicht gesetzlich festgeschrieben, aber im Post-Sportverein Pflicht. "Das Bewusstsein von Sicherheit ist bei vielen Hobbysportlern nicht sehr ausgeprägt. Es handele sich ja hier nur um den Rhein, heißt es immer. Dabei hat gerade der Rhein seine Tücken. An der Loreley hat er eine Fließgeschwindigkeit von 14-18 Stundenkilometern - hier sind es zum Glück nur fünf Stundenkilometer. Aber auch das sollte man nicht unterschätzen." Vier Mal im Jahr bietet der Verein einen Sicherheitskursus an.