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Kein Fahrschein: Kontrolleurin wirft 15-Jährige abends in Bornheim aus dem Zug

Kein Fahrschein: Kontrolleurin wirft 15-Jährige abends in Bornheim aus dem Zug

Weil eine 15-jährige Schülerin aus Bonn bei einer Fahrt nach Köln abends in einem Zug der Mittelrheinbahn kein gültiges Ticket vorweisen konnte, soll eine Kundenbetreuerin das Mädchen zum Ausstieg am Haltepunkt Bornheim-Sechtem gezwungen haben.

Bonn. Nach einem langen Schultag hatte sich Marie Geiger (15) auf den Besuch in Köln gefreut. Ihr Freund lebt dort, am Abend sollte der 18-Jährige die Bonner Schülerin, die mit dem Zug in die Domstadt fahren wollte, am Hauptbahnhof abholen. Er wartete vergeblich auf sie.

Denn das Mädchen, das an jenem Montagabend in Bonn um 18.32 Uhr den Regionalzug der Mittelrheinbahn genommen hatte, war in Bornheim-Sechtem wieder ausgestiegen. Unfreiwillig, wie sie sagt.

Eine Kontrolleurin habe sie des Zuges verwiesen, weil sie keinen gültigen Fahrschein vorweisen konnte, berichtet Marie gut anderthalb Wochen später dem General-Anzeiger. "Ich hatte mein komplettes Mäppchen mit Schülerticket und Personalausweis zu Hause liegen lassen", räumt Marie ein, einen Fehler gemacht zu haben.

Regeln bei trans regio Wird ein Schwarzfahrer erwischt, ist ein erhöhtes Beförderungsentgelt fällig. Wer kein Geld dabei hat, erhält eine Zahlungsaufforderung ausgehändigt oder zugesendet. Dazu werden die Personalien festgestellt, unter anderem mit Hilfe des Personalausweises. Hilfsweise kann eine Selbstauskunft akzeptiert werden. Führen diese Vorgehensweisen nicht zum Erfolg, wird die Bundespolizei zur Personalienfeststellung hinzugezogen.Und weil sie sich nicht ausweisen konnte, habe die Kontrolleurin sie aufgefordert, beim nächsten Halt den Zug zu verlassen. Das passte der Schülerin gar nicht, zumal sie nicht wusste, wie sie von Sechtem aus wieder nach Hause kommen sollte.

"Ich habe der Frau angeboten, sie könne über mein Handy bei mir zu Hause anrufen und meine Personalien überprüfen", sagt Marie. Das habe die Kontrolleurin abgelehnt: "Dann heißt du wohl Sabine Nuss", habe sie stattdessen geantwortet und ihr mit der Polizei und einer Anzeige gedroht, falls sie nicht aussteige. Das wirkte. Die Jugendliche stieg aus.

"Sie kam völlig aufgelöst und heulend zu Hause an", berichtet die Mutter Brigitte Geiger später dem GA. Sie habe sich umgehend per E-Mail bei der Deutschen Bahn beschwert, sagt sie. Die habe ihr erklärt, die Beschwerde an die trans regio - Deutsche Regionalbahn GmbH, der Betreiberin der Mittelrheinbahn, weiterleiten zu wollen.

Außerdem erstattete Brigitte Geiger, die mit ihrer Familie in der Südstadt lebt, Anzeige. Mit der ist inzwischen die Bundespolizei befasst, bestätigte Frank Piontek von der Polizei Bonn.

"Ich habe vier Töchter und natürlich kommt es vor, dass eine von ihnen schon mal den Fahrausweis vergisst", so Brigitte Geiger. "Dann muss sie das Ticket später dem Verkehrsunternehmen vorlegen und sieben Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen. Das finde ich O.K.", sagt die Ärztin. Nicht akzeptabel sei jedoch, Minderjährige aus dem Zug zu werfen.

Trans regio-Sprecher Jan Trauernicht konnte zu dem konkreten Vorfall keine Stellungnahme abgeben. "Die betroffene Kundenbetreuerin ist krank. Wir konnten sie zu dem Vorgang noch nicht befragen", erklärte er auf GA-Anfrage. Weiter sagte er, trans regio verstehe sich als ein konsequent kundenorientiertes Verkehrsunternehmen.

Neben der Betreuung der Kunden zähle auch die Kontrolle der Fahrausweise, die im Sinne der ehrlichen Fahrgäste erfolge, zu den Aufgaben. Minderjährige Fahrgäste ohne Fahrausweis würden mit besonderer Sorgfalt behandelt. So sollen auch weitere Identifikationsmedien, etwa die Krankenkassenkarte, akzeptiert werden. Auch könne mit den Eltern telefoniert werden. Auf keinen Fall dürften sie von einer Weiterfahrt ausgeschlossen werden.