Jörg Bertram: "Wir sind Radio 110 Prozent"

Jörg Bertram: "Wir sind Radio 110 Prozent"

Chefredakteur des Senders Bonn/Rhein-Sieg über Neuerungen im Programm

Bonn. Neudeutsch heißt es schlicht "Relaunch". Was sich hinter der Generalüberholung versteckt, präsentiert Radio Bonn/Rhein-Sieg seinen Hörern ab Montag täglich live. Silke Elbern sprach mit Chefredakteur Jörg Bertram vorab über die Neuerungen.

GA: Herr Bertram, was war so schlecht am alten Programm?

Jörg Bertram: Nichts. Aber die Zeit war reif für Veränderungen. Ein Haus renoviert man ja auch ab und zu. Sie reißen die Blümchentapete runter und ersetzen den Teppich durch Laminat. Wichtig ist jedoch, dass Haus und Menschen trotz der Renovierung dieselben bleiben.

GA: Was sind die auffälligsten Veränderungen für die Hörer?

Bertram: Wir haben alle akustischen Erkennungsmelodien, so genannte Jingles, komplett neu gemacht. Da der Programmrelaunch alle NRW-Lokalradios betrifft, ist der Auftrag dafür weltweit bei den besten Tonstudios ausgeschrieben worden. Es gab zig hunderte Melodien, die alle schon mal teilrenoviert waren, aber nie von Grund auf. Außerdem haben wir auch eine neue Station-Voice.

GA: Und die macht was?

Bertram: Das ist die Stimme des Senders, die sämtliche Sendungen ankündigt. Diesen Part übernimmt der Schauspieler Sebastian Walch, der sich auch schon als Sprecher in TV, Kino und Werbung einen Namen gemacht hat.

GA: Müssen wir uns an weitere neue Stimmen gewöhnen?

Bertram: Nein, das Team bleibt das alte und wechselt sich weiter wöchentlich ab. Aber die Zeiten ändern sich ein wenig und die Namen der Sendungen fallen weg.

GA: Das heißt konkret?

Bertram: Statt "Hallo Wach" oder "Drivetime" heißen die Formate nun so wie die Tageszeit, in der sie liegen. Also zum Beispiel "Am Morgen" von 5 bis 10 Uhr oder "Am Abend" von 18 bis 22 Uhr.

Radio Bonn/Rhein-SiegRadio Bonn/Rhein-Sieg sitzt im Brückenforum in Bonn-Beuel. Der Sender ging am 11. Mai 1991 an den Start. Zu hören ist er über die Hauptfrequenzen 98,9 und 94,2 MHz sowie im Kabel und per Internet; dazu kommen Siegburg (91,2 MHz), Oelberg (99,9), Bornheim (104,2) und Windeck (107,9). Es gibt elf Redakteure und Volontäre sowie 15 freie Mitarbeiter.

GA: Was ändert sich am Ablauf?

Bertram: Volker Groß und Frank Wallitzek wecken das Radio Bonn/Rhein-Sieg-Land jetzt eine Stunde länger, also von 6 bis 10 Uhr. Mittags bekommen die Hörer die Top-Themen des Tages frisch aufbereitet aus den Studios in Düsseldorf und Berlin. Dann übernehmen wieder wir. Daniela Blumenthaler und Sven Jaworek stehen für die neue Sendung am Nachmittag, in der es Lifestyle, Freizeittipps und Kulturinfos für die Region gibt.

Den Feierabend gestalten Susanne Schimanowski und Jule Schutz. Sie informieren über die Top-Themen des Tages in Bonn und Rhein-Sieg genauso wie übers Wetter oder den Verkehr. In der übrigen Zeit gibt es den Bürgerfunk und das Rahmenprogramm von Radio NRW in Oberhausen für alle NRW-Lokalradios.

GA: Welche Musik gibt es ab Montag auf die Ohren?

Bertram: Die Musikfarbe bleibt die gleiche: aktuelle Hits und Top-Hits der 80er und 90er Jahre. Aber die digitale Qualität wird besser, da wir alle Stücke nochmal über spezielle Filter geschickt haben.

GA: Wer wählt die Titel aus?

Bertram: Radio NRW steuert das Musikprogramm zentral. Externe Fachleute stellen die Stücke zusammen, die im Moment am meisten downgeloaded, gekauft, also gehört werden.

GA: An welche Zielgruppe richtet sich Ihr Angebot?

Bertram: Wir haben junge wie ältere Hörer. Deshalb können wir zum Beispiel weder in die eine noch in die andere Richtung extreme Musik spielen. Der Schwerpunkt liegt aber sicher in der Altersgruppe 30 bis 50.

Zur PersonJörg Bertram arbeitet seit 2002 als Chefredakteur für Radio Bonn/ Rhein-Sieg. Davor hat er den Lokalsender in Solingen/Remscheid mit aufgebaut. Weitere Stationen waren unter anderem der WDR und Radio Luxemburg. Bertram (49) ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Bad Honnef. In seiner Freizeit joggt er ausgiebig.

GA: Sie haben im Sendegebiet einen Marktanteil von 21 Prozent, WDR 2 und 1LIVE nur 15 oder 16. Woran liegt's?

Bertram: Der Hörer wählt sich den Sender aus, von dem er den größten Nutzen hat. Wir wuchern mit dem lokalen Pfund, senden neun Stunden am Tag aus Beuel und thematisieren alles, was die Region bewegt. Auf der anderen Seite können wir auch überregional glänzen, indem wir auf Korrespondenten von 44 NRW-Lokalsendern und in Berlin zurückgreifen können. Wir sind also nicht klein. Wir sind Radio 110 Prozent.

GA: Stehen Sie auch wieder am Mikrofon?

Bertram: Ja, wann immer es geht an den Wochenenden, denn ich möchte nicht nur "Verwalter" sein. Und ich springe als Feuerwehr ein für kranke Kollegen.

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