Jesuiten vertrauen Pater Schneider

Jesuiten vertrauen Pater Schneider

Der ehemalige Rektor des Aloisiuskollegs tritt in München eine neue Stelle an

Bonn. Der im Februar vergangenen Jahres im Zuge des Missbrauchsskandals am Bad Godesberger Aloisiuskolleg (Ako) als Rektor zurückgetretene Jesuitenpater Theo Schneider wechselt zum 1. April in die Glaubenskommunität St. Michael nach München. Das bestätigte am Donnerstag auf Anfrage Thomas Busch, Pressesprecher des Jesuitenprovinzials.

Nach Informationen des General-Anzeigers soll Schneider in München in der Abteilung Glaubensorientierung arbeiten. Sie lädt an dieser wichtigen Citykirche zum persönlichen Gespräch, Informationsveranstaltungen und Kursen ein und ist offizieller Ansprechpartner für den Kircheneintritt.

Schneider ist auf der entsprechenden Homepage schon seit Anfang März nicht mehr unter den Jesuiten der Mannheimer Kommunität zu finden. Er war Ende Mai 2010 in die interne Mannheimer Verwaltung versetzt worden. als "so etwas wie ein Hausmanager", wie Busch damals erläuterte. Die Frage, ob der Orden Schneider mit der neuen Aufgabe rehabilitiert habe, beantwortet Busch am Donnerstag so: "Er hat das Vertrauen des Provinzials."

Pater Theo Schneider war wegen des Verdachts der Mitwisserschaft an Ako-Missbrauchsfällen in die Kritik geraten. Auch das Kolleg selbst hatte mehrfach eingefordert, dass sich der Jesuit, der das Godesberger Internat von 1984 bis 2006 und das gesamte Kolleg von 2007 an leitete, zu den zahlreichen Übergriffsfällen dieser Jahrzehnte öffentlich erklären müsse.

Schneider räumte im Mai 2010 lediglich ein, dass er "jenseits aller juristischen Fragen viel früher die Perspektive unserer betroffenen Schüler stärker hätte einnehmen müssen".

Spätestens als Rektor hätte er die Diskussion über das nicht akzeptable Fotografieren leicht bekleideter Schüler durch einen Jesuiten-Pater zum Anlass nehmen müssen, um Aufklärung zu suchen. Wie berichtet, wurden dem im Juli 2010 Gestorbenen nun im Abschlussbericht der unabhängigen Aufklärungskommission zahlreiche Fälle strafbaren Missbrauchs nachgewiesen.

In der Affäre um im vergangenen Oktober am Ako plötzlich wieder aufgetauchtes Beweismaterial gegen diesen Mann hatte Schneider erst auf Betreiben der Kommission anstößige Schülerfotos ausgehändigt.