Jahresrückblick 2008: "Das war's mit Stars" in Bonn

Jahresrückblick 2008: "Das war's mit Stars" in Bonn

Parodist Jörg Knör lässt im Haus der Springmaus vergangenes Jahr Revue passieren

Als Klatschreporter wäre Jörg Knör eine glatte Fehlbesetzung. Denn dass es ihm an Respekt für die Mächtigen, die Reichen und die Schönen in diesem Land fehlt, das zeigt schon die Wäscheleine, die sich quer über die Bühne der Springmaus spannt.

Da hängt Angela Merkel neben George Clooney und George W.Bush neben Loriot. Weil das aber noch längst nicht alles ist, dauert Knörs Jahresrückblick 2008 "Das war's mit Stars" auch gut und gerne drei Stunden.

Die sollten mehr als genug Zeit lassen, um lauter schmutzige Wäsche aus den vergangenen zwölf Monaten zu waschen. Wobei man Jörg Knör Unrecht täte, wollte man ihn allein auf die Rolle eines Stimmenimitators reduzieren. Er ist Parodist, und er ist auch Satiriker.

Seine Kunst verlangt weitaus mehr als stimmliche Ähnlichkeiten. Sie lebt von genauer Beobachtung und einem sicheren Gespür für das rechte Maß und das passende Tempo. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die erste Hälfte des Abends eher noch wie ein Probelauf wirkt und manche Pointe untergeht, bevor sie irgendwo ankommen kann.

Doch Knör ist Profi genug, sich davon nicht verunsichern zu lassen. Vielmehr legt er nach der Pause richtig los: mit Gerhard Schröder und Otto Waalkes, Udo Lindenberg und Reiner Calmund; ein sonst eher seltener Gast bei Knörs Kollegen, aber zweifellos ein Höhepunkt dieser Show.

Doch einfach nur ein paar Berühmtheiten auflaufen zu lassen, wäre Knör zu wenig. Er kann zeichnen wie einst Oskar bei Dalli Dalli, spielt souverän Saxofon und präsentiert mit seiner Blockflötenversion von "Nessun dorma" eine lohnenswerte Alternative zu Handyverkäufer Paul Potts und Michael Hirtes Mundharmonika.

Nicht alles, was er macht, muss unbedingt allen gefallen. Doch jedem bleibt unterm Strich doch mehr als genug Auswahl für einen unterhaltsamen Abend.

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