"Ich sehe meine Enkel ja so selten"

"Ich sehe meine Enkel ja so selten"

Familienzentrum startet Kooperationsprojekt zwischen Seniorenheim und Kindertagesstätten

Schweinheim. Die Leidenschaft für frische Waffeln mit Schokolade verbindet im Nu. Genüsslich sind die Vorschulkinder der Kindertagesstätte Söderblomhaus hier im Seniorenzentrum Heinrich Kolfhaus mit den Bewohnern beim Waffelessen vereint. "Das ist mein Freund", verkündet Josef Klick, ein betagter Kolfhaus-Herr, neben Klein-Oliver. Der grinst ihm zu.

Die beiden haben schon vorher einige Dinge miteinander ausgetauscht. "Ich habe zwar eine Oma, aber keinen Opa mehr", hat Oliver der Runde anvertraut. Von daher ist das Gespräch unter Männern natürlich auch für den Sechsjährigen ein Gewinn. Und der alte Herr freut sich wie ein Schneekönig. Gleich geht's an den Nebentisch, wo schon ein generationsübergreifendes Kreativangebot wartet und erst einmal zum Warmwerden Luftballons hin und her gestupst werden.

Kerstin Siemers und Bernd Bollig haben das Projekt geplant. Unter dem Motto "Erzähl' mir 'was von früher, Opa" sollen ab sofort einmal im Monat Kinder und Senioren gemeinsam in Aktion treten, erläutern die auf Frühförderung konzentrierte Mitarbeiterin der Kindertagesstätte und der Leiter Sozialer Dienst im Seniorenheim. Heute sind erstmals vier Kinder aus dem Bendel hoch nach Schweinheim gekommen.

"Das war am Anfang schon nicht ganz leicht für sie hier", erläutert Bollig erste Erfahrungen. Das Haus beherberge ja auch hochgradig pflegebedürftige Menschen.

"Warum hat der Mann keine Beine?" und "Warum kann die Frau nicht sprechen?", hätten die Kleinen nach dem ersten Spaziergang durchs Haus gleich gefragt. Und jetzt sitzt Gizem schon ganz selbstverständlich neben der Frau, die nicht mehr spricht, lächelt sie an, malt ihr mit dem Farbpinsel die rübergereichte Hand quietschgelb. Die wollen sie dann aufs Papier pressen. Beide lachen.

"Kommen Sie doch auch ruhig rüber, Frau Barese", fordern die Pfleger eine noch zögerliche alte Dame auf. Die sich das nicht zwei Mal sagen lässt. Sven mit dem roten Pinsel wartet schon. Nebenan erzählt Eileen mit Hermine Wenger. Sie habe Kinder, die hätten selbst schon Kinder, berichtet Wenger der staunenden Kleinen. "Aber weißt du, ich sehe meine Enkel ja leider so selten."

Genau diese Verbindung zwischen Alt und Jung will das Projekt stärken, so dass auch die Kleinen davon profitierten. "Viele Kinder leben heute in Kleinfamilien, oft auch nur mit der alleinerziehenden Mutter zusammen", erläutert Gabriela Schneider, Leiterin des Familienzentrums Söderblomhaus und Waldnest.

Das Zentrum schließt beide Kindertagesstätten der Evangelischen Axenfeld-Gesellschaft, die auch das Seniorenheim Kolfhaus betreibt, kurz. Man habe mit den vier ersten Fünf- und Sechsjährigen mit Einverständnis der Eltern einen "sanften Einstieg" gewagt. Und sei hier, wie Bernd Bollig versichert, auf riesiges Interesse der Senioren getroffen. "Da waren noch viel mehr neugierig, als die Räume fassen würden." Aber die Kinder aus beiden Einrichtungen werden wiederkommen. Und sicher weiter Freude am Miteinander haben.

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