Bezirksvertretung stimmt für Antrag: Wohngebiet "Am Hölder" in Bonn wird verkehrsberuhigt

Bezirksvertretung stimmt für Antrag : Wohngebiet "Am Hölder" in Bonn wird verkehrsberuhigt

Das Wohngebiet "Am Hölder" wird komplett verkehrsberuhigt. Die Bezirksvertretung Bonn hat jetzt einem entsprechenden Bürgerantrag zugestimmt - gegen die Auffassung der Verwaltung.

Das neue Wohngebiet „Am Hölder“ wird komplett verkehrsberuhigt. Das hat die Bezirksvertretung Bonn jetzt einstimmig beschlossen und folgte damit einem Bürgerantrag der Anwohner. 186 Unterschriften waren gesammelt worden. In der Antragsbegründung sprach Jan Kleine Büning von einem „eklatanten Planungsfehler“: Helene-Wessel-, Hildegard-Wegschneider- und Elisabeth-Schwarzhaupt-Straße sind als verkehrsberuhigte Bereiche – Spielstraßen – ausgewiesen, in denen Autos nur Schritt fahren dürfen. Die übrigen Straßen sind Tempo-30-Zonen. „Die unterschiedlichen Geschwindigkeitsregelungen sind ein Problem“, erläuterte er. „Viele Fahrzeuge fahren mit deutlich höherer Geschwindigkeit durch das Wohngebiet.“ Das seien vor allem Lieferfahrzeuge, aber auch Anwohner.

Allerdings sei selbst Tempo 30 viel zu schnell. „Denn fast alle haben Kinder, die auf der Straße spielen.“ Potenziert werde die Gefahr, weil es im Wohngebiet keine Bürgersteige oder sonstige Markierungen gibt, an denen sich die Kinder orientieren können. Die Autos fahren direkt an den Grundstücken vorbei. „Fußgänger, Rad- und Autofahrer bewegen sich auf einer Verkehrsfläche“, so Kleine Büning.

„Ich war an der Planung beteiligt“, räumte Helmut Haux, Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt, in der Sitzung ein. Allerdings sei sie bereits im Jahr 2000 beschlossen worden. In neuen Planungen sähe das anders aus. „Damals haben die Verkehrsexperten Mischflächen statt separierter Bereiche für die Verkehrsteilnehmer empfohlen. Das ist heutzutage nicht mehr umzusetzen.“

Auf ein anderes Problem, das sich aus der Planung ergibt, machten Bewohner 2017 per Bürgerantrag aufmerksam: Es gibt zu wenig Parkplätze. Zur Planungszeit war höchstens mit einem Auto pro Haushalt zu rechnen. Die Verwaltung konterte: „Der ausgewiesene öffentliche Verkehrsraum ist gemäß Bebauungsplan so eng bemessen, dass keine weiteren Stellplätze eingerichtet werden können.“ Stattdessen wurden Falschparker kontrolliert.

Der Bürgerantrag zur Verkehrsberuhigung wurde schon Ende Mai vergangenen Jahres gestellt – die Anwohner mussten sich aber gedulden. Denn die Stadtverwaltung sah zunächst keinen Handlungsbedarf. „Haupterschließungsstraßen sind in Wohngebieten als Tempo-30-Zone vorgesehen, was hier auch umgesetzt wurde.“ Außerdem würde eine vollständige Verkehrsberuhigung die Fahrzeiten für die am westlichen Ende der Bebauung liegenden Häuser „wesentlich verlängern“.

Nach Auffassung der Verwaltung sollte der Bürgerantrag abgelehnt werden. Die Politiker machten einen Ortstermin. In einem Änderungsantrag fasste die CDU im Oktober nach und wiederholte auch die Forderung nach einer Verkehrsberuhigung. Die Verwaltung kam trotz erneuter Prüfung zu dem gleichen Schluss, dass die Umwandlung der Tempo-30-Zonen in einen verkehrsberuhigten Bereich „nicht in Betracht kommt“. Am Ende setzte sich die Politik durch und hat den Bürgerantrag beschlossen: Im gesamten Wohngebiet gibt es künftig nur noch Spielstraßen. Eine Anmerkung gab es seitens der Verwaltung noch: Parken dürfe man im verkehrsberuhigten Bereich nur auf den ausgewiesenen Flächen.