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Kommentar zur Feierstunde 60 Jahre Hardthöhe: Wo bleibt die Chefin?

Kommentar zur Feierstunde 60 Jahre Hardthöhe : Wo bleibt die Chefin?

Als Ursula von der Leyen im Dezember 2013 die Leitung des Verteidigungsministeriums übernahm, machte sie den Bonnern ein unverhofftes Weihnachtsgeschenk.

Sie stoppte die Pläne ihres Amtsvorgängers, noch mehr Dienstposten von der Hardthöhe nach Berlin zu verlagern. Nun kann man sagen: Dafür, dass eine Bundesministerin sich an die Vorgaben des Berlin/Bonn-Gesetzes hält, muss die Region sich nicht in besonderer Dankbarkeit ergehen.

Aber im direkten Vergleich zu Thomas de Maiziére, der den Stellenabzug vehement vorangetrieben hatte, war die Entscheidung bemerkenswert. So kommt es, dass das Ministerium heute mit 1195 Dienstposten noch etwas mehr Bedienste in Bonn als in der Hauptstadt hat, wo im Juni 2016 genau 1071 Stellen gemeldet waren. Die Bundeswehr wird in Bonn zudem wachsen, etwa mit dem neuen Kommando fürCyber-Abwehr, das im April 2017 seinen Dienst aufnehmen soll.

Was Ursula von der Leyens Präsenz vor Ort angeht, ist Bonn allerdings nur auf dem Papier der erste Dienstsitz des Ministeriums. Zugegeben: Sie hat mit den zahlreichen Beschaffungsskandalen der Bundeswehr und den schwierigen Auslandseinsätzen der deutschen Soldaten wichtigere Probleme zu lösen.

Nicht einmal ein Staatssekretär reiste an

Auch zugegeben: 60 Jahre Hardthöhe sind kein rundes Jubiläum. Aber dass aus diesem Anlass nur eine überschaubare Feier organisiert wird, zu der nicht einmal ein Staatssekretär anreist, passt ins Bild. Schon beim bundesweiten Tag der Bundeswehr im Juni besuchte die Ministerin nicht etwa die Werbe-Veranstaltung auf dem Bonner Marktplatz, sondern trat im sächsischen Frankenberg auf.

Ursula von der Leyen dürfte wissen, wie die Ministerialbeamten und die Soldaten ticken. Dass die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt sich in Bonn so selten sehen lässt, werden viele von ihnen als Affront verstehen. Und als Zeichen für fehlendes Interesse.