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Hochzeitsüberraschung in Bonn: Wie ein Brautpaar trotz Coronakrise mit Familie und Freunden feiert

Hochzeitsüberraschung in Bonn : Wie ein Brautpaar trotz Coronakrise mit Familie und Freunden feiert

Das große Fest musste für ein Hochzeitspaar aus Bonn wegen der Coronakrise leider ausfallen. Wie Vivienne und Patrick Lützler am Ende aber doch noch mit ihren Familien und vielen Freunden gefeiert haben.

Schweren Herzens hatten sich Vivienne (26) und Patrick Lützler (27) in Corona-Zeiten damit abgefunden, sich ihr Eheversprechen nur im kleinsten Kreis zu geben. Das schöne Drumherum wurde abgeblasen, den Freunden abgesagt. Kein Gratulantendefilée, kein Sektempfang, keine Party. Doch die Hochzeitsgäste wollten sich damit nicht abfinden. Sie wollten dem Paar am Samstag trotz Widrigkeiten den schönsten Tag ihres Lebens bescheren - mit einer absoluten Überraschung.

„Wir haben zu keiner Zeit daran gedacht, unseren Hochzeitstermin zu verschieben“, sagt Vivienne Lützler (geborene Svoboda) in ihrem langen weißen und mit Spitze besetzten Brautkleid. Den Termin hatten sie bereits vor einem Jahr festgelegt. „Weil wir uns vor genau fünf Jahren ,am 4. April 2015, versprochen hatten, miteinander zu gehen“, ergänzt der Bräutigam. Mit seinem hellblauen Anzug, Weste und Seidenfliege steht er dem strahlend blauen Himmel in nichts nach.

Covid-19 macht Strich durch die Rechnung

Ursprünglich hatten sie geplant, sich in der Kommende Ramersdorf trauen zu lassen und anschließend mit rund 50 Festgästen zu feiern. Wegen Covid-19 musste die Kommende geschlossen bleiben, und die Stadt Bonn bot dem Paar das Alte Rathaus an. „Es hätte uns schlechter treffen können“, freuten sich die frischgebackenen Eheleute, die seit zwei Jahren in Lengsdorf wohnen, über das stilvolle Alternativangebot der Stadt.

Zunächst habe es geheißen, dass sie mit maximal acht Personen kommen dürften, die Anzahl wurde jedoch kurzfristig noch einmal halbiert und auf das Brautpaar und ihre beiden Trauzeugen Katja Zenzen und Moritz Möhler beschränkt. „Wir hatten uns damit abgefunden, dass wir nach der Trauung zu viert nach Lengsdorf fahren und bei uns noch zusammen Sushi essen würden“, sagt Vivienne Lützler.

Doch schon beim Verlassen des Alten Rathauses - auf dessen herrschaftlichem Treppenabsatz schon viele gekrönte Häupter den Blick auf den Marktplatz genossen haben - wurde das frisch vermählte Paar von seinen Eltern begrüßt, die sie mit Luftballons und Sekt hochleben ließen.

Als es dann hieß, man wolle nun gemeinsam in den Hofgarten fahren und der Vorschlag des Bräutigams, man könne doch auch zu Fuß dorthin gehen, abgelehnt wurde, dämmert dem Paar, dass noch einiges Unerwartetes passieren könnte. So starteten sie bei schönstem Hochzeitswetter eine kleine Reise durch Bonn mit vielen Überraschungen - und selbstverständlich dem gebotenen Abstand.

Poppelsdorfer Schloss als Kulisse

Weitere Station war die romantische Kulisse des Poppelsdorfer Schlosses. Dort wurden die Frischvermählten von Patricks Freunden aus dem Heimatort Bockeroth bei Königswinter empfangen. Die Brüder Bastian und Lukas Willcke erwarteten sie mit einem riesigen auf weißem Leinen aufgemalten Herz. Die Willcke-Brüder forderten sie dazu auf, das ihnen gewidmete Herz mit winzigen Nagelscheren aus dem Tuch zu schneiden. Der Ehemann sollte Gelegenheit haben,  seine frisch angetraute Frau symbolisch durch das Herz in eine glückliche Zukunft zu tragen.

An insgesamt sieben Stationen wurden die beiden von jeweils zwei Familienmitgliedern oder Freunden erwartet. Es wurden Lieder für die beiden gesungen und Spiele gespielt. Der krönende Anschluss: Viviennes Schwester Jaqueline und ihr Lebensgefährte überraschten das Brautpaar in dessen Wohnung mit einer Hochzeitstorte, die sie – statt des geplanten Sushis – gemeinsam anschnitten und mit der Familie genießen konnten.

Eigentlich hatte sich das Paar sehr unromantisch kennengelernt, wie beide gestehen. Beziehungsstifter war eine App. Doch der Heiratsantrag in den Weinbergen von Oberdollendorf war vor zwei Jahren für die im Jugendamt der Stadt Troisdorf arbeitende Vivienne und den im Duisdorfer Arbeitsamt beschäftigten Patrick ein überaus romantisches Erlebnis. Erst als beide kurz danach von einer Mittelmeerkreuzfahrt zurückkamen, erfuhren auch Eltern und Freunde von der Verlobung. Zu der Zeit hatten beide bereits zwei Jahre zusammen in einer Wohnung in Duisdorf gelebt, die sie dann gegen eine größere in Lengsdorf tauschten.

„Da haben wir auch noch ein kleines Zimmer frei“, verrät das junge Ehepaar, das nun auf seine bereits gebuchte Hochzeitsreise nach Ägypten verzichten muss. „Macht aber nichts“, freuen sich beide auf eine gemeinsame Urlaubswoche Zuhause. „Dann legen wir einfach mal die Beine hoch.“