Autobahn teilt das Dorf: Wie die A565 Lengsdorf trennt

Autobahn teilt das Dorf : Wie die A565 Lengsdorf trennt

Wer nach den Grenzen Lengsdorfs in den meistgenutzten Karten des Internets sucht, findet die westliche Begrenzung Lengsdorfs fälschlicherweise durch die gesamte durch Lengsdorf führende A565 aufgezeigt. Anwohner kommen dadurch oft in die Bredouille.

"Im 9. Jahrhundert wurde Lengsdorf zum ersten Mal erwähnt und lebte viele Jahrhunderte hauptsächlich vom Weinbau. Im Jahre 1969 wurde Lengsdorf nach Bonn eingemeindet", ist vielfach historisch korrekt nachzulesen.

Geht es dann an gleicher Stelle um die Lage Lengsdorfs, ist ein sich oft wiederholender Fehler festzustellen. Auch wer nach den Grenzen Lengsdorfs in den meistgenutzten Karten des Internets (Google Maps) sucht, findet die westliche Begrenzung Lengsdorfs fälschlicherweise durch die gesamte durch Lengsdorf führende Autobahn (A 565) aufgezeigt. Selbst der Ortsfestausschuss (OFA) Lengsdorfs gibt auf seiner Webseite genauso wie der Lengsdorf-Eintrag auf Wikipedia den Ortsteil mit einer Fläche von "rund 180 Hektar" an, was in etwa den falsch dargestellten Grenzen entspricht.

Richtig ist, wie es auch der offizielle Stadtplan der Stadt Bonn (www.stadtplan.bonn.de) zeigt, dass die jenseits der Autobahn liegende Siedlung Im Ringelsacker mit den zuführenden Stichstraßen noch zu Lengsdorf gehört. Somit bilden Provinzialstraße, der nördliche Teil des Schieffelingswegs und die Villemombler Straße die Westgrenze des Ortsteils. Damit erhöht sich auch die korrekte Fläche von Lengsdorf auf 222 Hektar. Auf Nachfrage des GA teilte das Bonner Amt für Bodenmanagement und Geoinformation mit, dass davon 36 Hektar westlich der Autobahn liegen.

Ihr jetziger Wohnort sei durchaus kurios, schrieb die Im Ringelsacker wohnende Leserin Heidi Kluger dem GA. Denn sie fühle sich eher zu Duisdorf als zu Lengsdorf gehörig. Sie wohne, von Bonn aus gesehen, auf der linken Seite des Schieffelingsweges und die Autobahn trenne sie vom Lengsdorfer Ortskern. Die rechte Seite des Schieffelingsweges sei aber Duisdorf. "Erklären Sie das mal einem Pizzaboten, wenn er fragt, in welchen Ortsteil er liefern soll", resümiert Kluger. Auch wenn das für den Pizzaboten, der sich in der Regel nur an die Anweisungen seines Navigationsgerätes hält, kaum eine Rolle spielt, wird es gut nachvollziehbar, dass sich ein nicht unerheblicher Teil der Lengsdorfer eher als Duisdorfer sieht oder sich dorthin orientiert.

"Die Autobahn ist eine ganz natürliche Demarkationslinie", sagt auch Andre Artmann, der soeben mit Frau und Baby seine umfangreich in Duisdorf erledigten Einkäufe aus dem Auto in die Wohnung am Im Ringelsacker schafft. Die junge Familie, die seit sieben Jahren dort wohnt, fühlt sich "ganz eindeutig" zu Duisdorf gehörig.

"Ist zufällig jemand vom Ringelsacker anwesend", fragte Wilfried Palm die etwa zwei Dutzend Besucher seines Vortrags über Lengsdorfer Straßen im Heimatmuseum. Doch es fand sich erwartungsgemäß niemand. "Man müsste sie mal extra einladen", sagte eine Besucherin, damit sie sich auch zugehörig fühlten. Bevor Palm zu den angekündigten und erhellenden Erklärungen der Straßennamen von Lengsdorf kam, klärte er die Anwesenden über die wahren Grenzen des Ortsteils auf, um dessen Historie er sich mit den Mitgliedern des Heimat- und Verschönerungsvereins kümmert.

Mit der Frage, ob die Uhlgasse nicht auch Eulengasse heißen könne, begann nicht nur eine geografische Reise durch Lengsdorf, sondern auch eine lebhafte Diskussion. Palm erklärte, dass Uhl nicht für die Eule stehe, sondern vom lateinischen olla abzuleiten sei, was Topf bedeutet und somit auf den Töpfer und den Tonabbau hinweise. Auch die Straße Am Käferberg, die zum Kreuzberg führt, deutet nicht auf Krabbeltiere hin, die dort zu finden sein könnten, sondern auf armdicke Eichenschösslinge aus denen man Dachsparren herstellte, die im Niederrheinischen als Keffer bezeichnet werden.

Palms Zuhörer erfuhren auch, dass der Flodelingsweg die Flutlinie des Endenicher Baches bezeichnet und der Kelterweg (Kelter = Traubenpresse) wie viele Straßenbezeichnungen Lengsdorfs auf den früheren Weinbau hinweist. Auch das Rätsel um die Namensherkunft vom Schieffelingsweg wurde mit der Übersetzung "Schiefe-Linde-Weg" gelüftet.

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