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Godesberger stellt neues Buch vor: Werner Becker aus Bad Godesberg hat einen Mörder in der Familie

Godesberger stellt neues Buch vor : Werner Becker aus Bad Godesberg hat einen Mörder in der Familie

Der Autor Werner Becker liest auf dem Brüser Berg aus seinem Buch „Mein Vetter, der Räuber“. Darin rollt er die dunkle Geschichte seines Vetters auf.

Als Werner Becker durch ein Buch über heimische Räuber blätterte, fand er darin einen Verwandten. Seine Überraschung war groß, als er Friedrich Philip Schütz, ein Vorfahr aus dem 18. Jahrhundert, entdeckte. Über das Leben des Räubers hat der Godesberger ein Buch geschrieben.Aus „Mein Vetter, der Räuber“ las er gemeinsam mit seiner Frau Waltraut Hammerstein-Becker am Samstagabend in der Buchhandlung Goethe und Hafis vor.

Zwölf Einbrüche und Diebstähle, vier Straßenraube und ein Raubmord legte ein Mannheimer Gericht Friedrich Phillip Schütz, besser bekannt als Mannefriedrich, zur Last. Wegen des Raubmords, bei dem ein schweizer Kaufmann starb, wurde er zum Tode verurteilt und am 31. Juli 1812 zusammen mit drei Kumpanen geköpft.

Sieben Generationen trennen Becker und Schütz: „Ich habe aus Interesse an meiner Familiengeschichte die Spur weiterverfolgt“, erzählte Becker. Als er die Akten sichtete, bemerkte er, dass er möglicherweise auf eine größere Geschichte gestoßen war. „Es ist nicht nur eine Schnur in meiner Familiengeschichte, sondern auch ein Sozialthema“, so Becker. In seiner Sozialstudie geht es um vererbte und ausweglose Armut im späten 18. Jahrhundert.

Schütz’ Eltern kamen aus dem Dorf Frücht. Um Geld zu machen, wanderten sie nach Kopenhagen aus. Nach fünf Jahren in Dänemark starb der Vater. Die Mutter, alleine mit den Kindern und ohne Geld, zog zurück in das Heimatdorf. Dort waren sie aber nicht erwünscht: „Die Familie ist in ihrem Heimatdorf nicht wieder aufgenommen worden“, erzählte Becker den Gästen. So blieb der Mutter und ihren Kindern nur ein Vagabundenleben auf der Straße. Da war Schütz gerade mal acht Jahre alt.

Wie es ihm in seiner Jugend ergangen ist, darüber ist weiter nichts bekannt. Erst mit 20 erschien der Räuber in den Archiven. „Das war der erste dokumentierte Überfall“, berichtet Becker. Als Quellen nutze er etwa Geburtsurkunden und Polizeiprotokolle. Seine Recherchen reichen vom Stadtarchiv in Kopenhagen bis zu den Akten des Heidelberger Prozesses in Karlsruhe.

„Schütz muss eine kirchliche Ausbildung gehabt haben“, sagte Becker. „Er konnte lesen, schreiben, Bibelstellen auswendig zitieren und kannte Kirchenlieder.“ Im Zuchthaus habe der Räuber drei Gedichte geschrieben. „Diese Zeilen sind immer wieder in Anthologien veröffentlicht worden.“ In einem beschreibt Schütz den Überfall und die Situation danach, ein anderes widmete er seiner Frau.

Das Buch: „Mein Vetter, der Räuber“, Kurpfälzischer Verlag, S. 344, 18 Euro.