Evangelische Johanniskirchengemeinde: Welcome-Café in Duisdorf ist wie eine große Familie

Evangelische Johanniskirchengemeinde : Welcome-Café in Duisdorf ist wie eine große Familie

Die Besucher des Welcome-Cafés im Gemeindehaus der evangelischen Johanniskirchengemeinde fühlen sich wie eine große Familie. Der Treff ist Begegnungsort, Spielplatz, Nagelstudio und Nachhilfestudio zugleich.

Bärbel Goddon steht achtsam am Waffeleisen. Elegant im Etuikleid gekleidet ruht ihr Blick streng auf dem Kontrolllämpchen. Vor ihr bildet sich eine Schlange kleiner Menschen unterschiedlichster Herkunft, die ungeduldig auf das heiß ersehnte, dampfende Gebäck warten. „Bärbel? Sind die bald fertig?“ „Wartet noch eine Weile“, sagt sie sanftmütig, während die kindliche Ungeduld auch sie ansteckt und Goddon einen Blick ins Innere des Waffeleisens wagt. Zu blass. Heute ist wieder Welcome-Café im Gemeindehaus der Evangelischen Johanniskirchengemeinde Bonn-Duisdorf.

Seit September 2015 treffen sich hier Geflüchtete aus Syrien, dem Libanon und Nordafrika. Schon lange ist das Café mehr als ein pures Informationszentrum. „Der Name Welcome-Café ist zu einseitig. Ein neuer Name muss her. Gesammelt haben wir schon. Dabei war uns wichtig, dass nicht nur wir Vorschläge einreichen, sondern besonders die Geflüchteten mit Ideen kommen. Unter anderem ist dabei das Café für alle vorgeschlagen worden. Auf diese Idee wären wir nie gekommen.“, erklärt Ursula Bihler, die ebenfalls bei der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Hardtberg (OeFH) arbeitet, während ungewohnte Klänge aus dem Nebenraum ertönen: „Die nigerianische Gemeinde feiert gerade ihren Gottesdienst hier“, erklärt Bihler ganz nebenbei.

Der Duft von Puderzucker und Waffeln wird abgelöst von einem beißend-chemischen Geruch, als Bärbel Goddon in den Keller des Gemeindehauses tritt. Ein kleines Mädchen mit Dreadlocks legt ihre kleinen Finger auf den Tisch, während Zora den Pinsel am Verschluss der Nagellackflasche abstreift. Behutsam bringt die Gymnasiastin den Lack auf die winzigen, dunklen Finger. Das Mädchen strahlt, als ihre Fingernägel blau funkeln. Während Zora weiter lackiert, sortiert Daria weiter bunte Fläschchen.

Arbeit im Welcome-Café wird "vererbt"

Daria und Zora sind sogenannte „IB-ler“, machen ein Internationales Baccalaureate am Helmholtz-Gymnasium und sind beide in der elften Stufe, der Q 1. „Wir sind seit Oktober letzten Jahres hier. Für uns IB-ler ist es Pflicht, bei sozialen Projekten mitzuarbeiten. Die Arbeit im Welcome-Café wird sozusagen von Jahrgang zu Jahrgang vererbt.“ Beide Schülerinnen verbringen ihren Sonntag gerne hier, denn von Mal zu Mal erfährt man mehr über die Kinder, bringt ihnen etwas bei, lernt aber selbst auch vieles dazu: „Letztens haben uns Mädchen gezeigt, wie man ein spezielles Armband flechtet. Das fanden wir sehr interessant“, sagt Zora Dyer.

Es gibt keine freie Sekunde für Goddon. Als sie wieder nach oben geht, um nach dem Rechten zu sehen, wird sie mitten auf der Treppe gestoppt. Drei Jungs präsentieren ihr frisch gebackene Waffeln. „Nimm eine, Bärbel.“ Dankend trennt sie ein Herzchen aus. „Nimm doch eine Ganze!“ Goddon nickt dankend, tätschelt einem der drei auf die Schulter und geht weiter. Zurück im großen Raum begegnet ihr ein Mädchen: „Hallo, Bärbel!“ „Oh, Malak. Schön, dich zu sehen!“ „Ich freue mich auch!“.

Goddon bückt sich zu ihr herunter und umarmt sie herzlich. „Zu Malak habe ich eine besonders innige Beziehung. Sie ist mit zehn Jahren nach Deutschland gekommen. Damals nur mit ihrem Vater. Ihre Mutter war noch in Syrien. Nach einem halben Jahr wurden Malak und ihr Vater in den Libanon abgeschoben, aus Gründen, die kein Mensch nachvollziehen kann. Umso erfreulicher war es, als wir Malak zusammen mit ihrem Vater und der Mutter an Karneval wieder hier empfangen konnten.“ Längst ist aus dem Projekt mehr geworden als ein Ort der Informationsübertragung. Es ist ein Café ohne Grenzen, ein Ort für Freunde. Für Familien. Grenzenlos.

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