Führung für Kinder: Was es im Kottenforst alles zu entdecken gibt

Führung für Kinder : Was es im Kottenforst alles zu entdecken gibt

Diplom-Biologe Jochen Groddeck bietet Entdeckungsreisen durch den Kottenforst an. Bei der Kinder-Führung lernen die Jungen und Mädchen den Wald als strukturierten Lebensraum kennen.

Was können Kinder im Herbst eigentlich alles so im Wald erleben? Diplom-Biologe Jochen Groddeck hat da ein paar Tipps: Im Herbst werden die grünen Blätter ganz bunt und fallen zu Boden. "Das passiert, weil das Chlorophyll, also das Blattgrün, in den Blättern abgebaut wird - nur die gelben Stoffe bleiben dann zurück", erklärte der 46-Jährige. Dieser Prozess ließe sich ganz anschaulich nachstellen. "Ich lasse die Kinder in der Waldau einfach nach verschiedenfarbigen Blättern suchen - im Anschluss werden die Blätter von grün nach braun nebeneinander aufgereiht." Für sie sei so der Wandlungsprozess visuell besser nachvollziehbar.

Die Bäume ließen übrigens ihre Blätter fallen, "um sich vor Winterstürmen zu schützen und Energie einzusparen." Das Laub eigne sich auch für viele andere Dinge. "Ich lege mit den Kindern zum Beispiel ein Feuer", sagte Groddeck. "Man fängt in der Mitte mit roten Blättern und roten Beeren an und umrandet sie mit gelben Blättern." Es soll sogar Künstler geben, die mit Herbstlaub ganze Bilder "malen", berichtete der Erzieher.

Aus Laub entstehen kleine Kunstwerke

Wenn man sich die Blätter etwas genauer ansieht, kann man viele unterschiedlichen Merkmale erkennen. "Ich lasse die Kinder Blätter am Waldrand und im Waldinneren sammeln. Das führt meist zum Aha-Effekt bei den Kleinen", berichtete der Kölner. So würde den Kindern auffallen, dass es am Waldrand mehr unterschiedliche Pflanzenarten gibt als im Waldinneren. Dieses Phänomen hänge mit "unterschiedlichen Lichtverhältnissen" zusammen. "Weißdorn, Holunder oder Traumkirsche brauchen mehr Licht als Buche oder Kiefer. Daher sind ihre Blätter eher am Waldrand zu finden." Die Kinder würden lernen, den Wald nicht nur als Ganzes wahrzunehmen, sondern auch als einen strukturierten Lebensraum. "Es gibt, wie in einem Wohnhaus auch, im Wald verschiedene Wohnräume - zum Beispiel eine Lichtung."

Wer sich nicht künstlerisch austoben möchte, kann auch mit einfacher Mathematik den Wald verstehen lernen. "Mit ein paar einfachen Tricks" lassen sich laut Groddeck nämlich ganz leicht Alter und Größe eines Baumes bestimmen. "Für die Spazierstockmethode braucht man einen einfachen Stock. Damit kann man die Höhe eines Baumes ermitteln", erklärte der Kölner. Man hebt den Stock einfach in die Höhe und richtet ihn senkrecht auf den Baum aus. "Der Baum muss ganz hinter dem Stock verschwinden", erklärte er. Erst danach könne man in Ein-Meter-Schritten auf den Stamm zu gehen. "Ich habe jetzt zwanzig Schritte gebraucht, die Eiche ist also zwanzig Meter hoch", sagte Groddeck.

Bäume können auch ganz schön alt werden, wie der Erzieher weiß. "Um ihr Alter zu bestimmen, braucht man nur ein Maßband - damit messe ich den Umfang des Stammes." An seinem Baum hat Groddeck einen Umfang von 240 Zentimetern ausgemessen. "Jetzt muss ich die Zahl nur noch durch drei teilen und schon schon habe ich das Alter. Das sind dann 80 Jahre", rechnete der Biologe vor. Nachdem nun Alter und Größe bestimmt sind, kann man auch mit der Rinde die Baumart bestimmen. "Ich lasse die Kinder ein Fangspiel spielen", sagt Groddeck. "Die Buche hat im Gegensatz zur Eiche und Kiefer einen glatten Stamm - das ist dann das Aus, wo man nicht gefangen werden darf", erzählte er. Die Kinder würden so spielerisch die Unterschiede schnell erkennen.

Im Herbst lassen sich auch Pilze sammeln. Hier rät der Biologe aber zur Vorsicht, denn da gäbe es vieles zu beachten. "Es gibt zwei Sorten: Pilze mit Lamellen und mit Röhren." Um giftigen Pilzen aus dem Weg zu gehen, sollten Laien daher mit einfacheren Pilzgruppen anfangen. Dazu gehören Röhrenpilze, erklärte Groddeck. "Der Steinpilz ist zum Beispiel ein Röhrenpilz." Erkennen ließen sich die Unterschiede "am Schwamm unter der braunen Kappe". Verfärbt sich der Schwamm türkis beim Eindrücken, dann sei der Pilz nicht giftig. "Bevor man aber anfängt, ist es besser, erst mal eine professionelle Pilzführung mitzumachen ", warnte er. So oder so, der Wald biete Besuchern viel Unterhaltung. Ein Anliegen hat Groddeck noch: "Die Eltern sollen Acht geben, dass ihre Kinder nicht in Naturschutzgebieten spielen."

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