Spaziergang durch Dransdorf: Warum diese Eisenbahnbrücke schlecht geplant war

Spaziergang durch Dransdorf : Warum diese Eisenbahnbrücke schlecht geplant war

Er ist Sprecher der Bürgerinitiative Kettelerplatz, stellvertretender Vorsitzender der Dransdorfer CDU und ehemaliger Leiter der Bahnbauabteilung der Stadtwerke Bonn. Ein Mann, der sich in seinem Stadtbezirk bestens auskennt. Unser Autor hat mit ihm einen Spaziergang durch Dransdorf gemacht.

Wenn Walter Strunck von seinem Dransdorf erzählt, dann leuchten seine Augen. Das fängt schon an, als der gemeinsame Spaziergang am GA-Verlagshaus in Dransdorf beginnt. "Wir gehen einmal quer durch - so grasen wir das Wichtigste ab", sagt der umtriebige 80-Jährige. Er ist nicht nur Sprecher der Bürgerinitiative Kettelerplatz, stellvertretender Vorsitzender der Dransdorfer CDU, sondern auch ehemaliger Leiter der Bahnbauabteilung der Stadtwerke Bonn/SSB. Ein Mann, der sich in seinem Stadtbezirk bestens auskennt. Dransdorf habe mit der Justus-von-Liebig-Straße und der Siemensstraße zwei große Durchgangsstraßen, sozusagen die beiden Lebensadern des Bezirks.

Zurzeit macht sich Strunck vor allem Sorgen um die zahlreichen Platanen entlang der Justus-von-Liebig-Straße. "Ganz in der Nähe müssen ja reihenweise Bäume gefällt werden, weil sie von einem Pilz befallen sind. Das wird den Bäumen hier bestimmt auch bald passieren - wie sieht denn dann die Straße aus?", fragt Strunck.

Mit Blick auf die vielen Betriebe entlang der Justus-von-Liebig-Straße sagt der 80-Jährige: "Dransdorf besteht eigentlich nur aus Gewerbeflächen und Sozialwohnungen. In den 1970er-Jahren hat man das so geplant, aber nicht an die Menschen gedacht, die hier leben", so der Dransdorfer. Dabei spielt er unter anderem auf den vielen Verkehr und die zahlreichen Leihfahrzeuge an, die überall im Stadtbezirk geparkt sind.

„Man hat nicht an die Menschen gedacht, die hier leben“

"Für Bonn bringt das Gewerbe bestimmt etwas, aber die Menschen hier vor Ort in Dransdorf müssen auch etwas davon haben, nicht nur die negativen Faktoren", findet Strunck. Zu denen zählt der Rentner vor allem die vielen Mietwagen, die überall parken. Einen Parkplatz entlang der beiden Hauptstraßen zu finden, sei gar nicht so einfach - geschweige denn in den Wohngebieten. Nichtsdestotrotz bezeichnet er die Gewerbeansiedlungen auch als einen Segen für den Stadtteil.

Strunck ist jemand, der mit offenen Augen durch seinen Stadtteil geht. Missstände sieht er sofort. Im Blick hat er dabei zum Beispiel eine ehemalige Eisenbahnbrücke, die die Justus-von-Liebig-Straße quert. Autofahrern fällt sie schon gar nicht mehr auf, sie gehört zum Straßenbild, man fährt einfach unter ihr hindurch. "Die Brücke war nie richtig in Betrieb, dabei war ihr Bau sehr aufwendig", erinnert sich Strunck zurück. Die Straße musste vertieft werden, und für das ablaufende Wasser musste eine Möglichkeit zum Versickern gegeben werden. Als ehemaliger Leiter der Bahnbauabteilung bei den Stadtwerken war er am Ausbau des SWB-Betriebshofes in Dransdorf beteiligt.

Denkfehler beim Bau: Betriebshof konnte kaum genutzt werden

Von dort ging ein Gleis über die Brücke zu einem Grundstück hinter Abels Früchtewelt. Dort entstand der Betriebshof Bendenfeld - genutzt wurde dieser kaum, weil es einen Denkfehler beim Bau gab. Die Güterzüge konnten nicht alle Gleise befahren, weil die Bahnsteige oftmals knapp 90 Zentimeter hoch waren. "Dort sollten Straßenbahnen halten", so Strunck.

Er erinnert sich noch genau, wie ein Güterzug damals mit einem Bahnsteig kollidierte und diesen zerstörte. 1969 wurde die vom Bund bezahlte Anlage eingeweiht und nur zehn Jahre lang betrieben. Danach ist an der Schnittstelle zwischen KBE (Köln-Bonner Eisenbahnen) und DB-Strecke viel Ruhe eingekehrt. Ab 1980 fuhren hier nur noch gelegentlich Güterzüge, ab 1990 war dann endgültig Schluss. Nicht mehr in Betrieb sind auch sechs Gleise einer Eisenbahnbrücke ein Stückchen weiter zur Brühler Straße.

Die Bauwerke sind vorhanden, müssen also auch regelmäßig gewartet werden. "Das kostet alles ein Geld, das ist alles sehr unnütz. Und vor allem, wie sieht es unter den Brücken aus? Da muss mal was gemacht werden", fordert Strunck. Seine Idee wäre, aus dem Bendenfeld, das seit Jahren brachliegt, ein neues Gewerbegebiet zu machen. Man könnte dieses gut an die Infrastruktur anbinden und es würde die Wohnbebauung nicht beeinträchtigen.

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