Autobahnlärm in Bonn: Warum die A565 Fluch und Segen zugleich ist

Autobahnlärm in Bonn : Warum die A565 Fluch und Segen zugleich ist

Die A 565 ist die schnellste Verbindung quer durch die Stadt, wenn die Autofahrer nicht gerade im Stau stehen. Für die Menschen, die an der Strecke wohnen, ist sie nicht nur ein Segen, sondern zugleich auch ein Fluch.

Jeder Bonner mit oder ohne Führerschein ist diese Autobahn gefühlt schon Hunderte Male – was schreib ich: Tausende Male gefahren: Die A 565 ist die schnellste Verbindung quer durch die Stadt. Für die Menschen, die an der Strecke wohnen, ist sie nicht nur ein Segen, sondern zugleich ein Fluch.

Man lobt die gute Straßenanbindung und leidet zugleich unter dem ständigen Lärm, der von der Autobahn ausgeht und eine Wertminderung mancher Grundstücke darstellt. Lärm, der krank machen kann. „Es ist immer so eine Art Grundrauschen da“, sagen Bürger, die davon betroffen sind. Und: „Es kommt sehr stark auf den Wind an.“ Und natürlich darauf, ob man im Berufsverkehr oder am Wochenende die Fenster öffnet.

Doch eine Lärmsanierung oder ein Nachrüsten von Lärmschutzwänden ist nicht einfach zu bekommen: Die Grenzwerte der Verkehrslärmschutzverordnung (16. BImSch) gelten nur für Neubaustrecken oder bei erheblichen baulichen Änderungen, zum Beispiel durch die Erweiterung um eine Fahrspur. Sind sie überschritten, greift die Lärmvorsorge.

Alle anderen Menschen, die an älteren Autobahnen wohnen (deren Lärm sich allein durch die steigende Zahl an Fahrzeugen per se ebenfalls erhöht hat), gehen leer aus. Es gibt zwar ein Sanierungsprogramm des Bundes, das ist allerdings freiwillig und wird nur im Rahmen der vorhandenen Finanzmittel umgesetzt.

Der Bonner SPD-Bundestagsabgeordneter Ulrich Kelber berichtete dieser Tage aus Gesprächen mit dem Landesbetrieb Straßen NRW, dass dieser mit der Lärmsanierung an der A 565 im Jahr 2018 beginnen will. „Seit vielen Jahren warten wir in Bonn auf den Abschluss der Planungen zur Nachrüstung von Lärmschutz an der A 565“, so Kelber.

„Jetzt kommt die Ausführung in greifbare Nähe.“ In der Tat läuft seit Oktober eine Fahrbahnsanierung zwischen Endenich und Lengsdorf, in deren Zuge auch der Lärmschutz ergänzt werden soll, unter anderem an der Autobahnbrücke über der Sebastianstraße. Allerdings dauert das noch bis 2019. Der Abschnitt von Poppelsdorf bis Endenich soll im zeitlichen Zusammenhang mit den Arbeiten am Tausendfüßler ab 2020 Lärmschutz bekommen.

„Flüsterasphalt“ mit geringerer Haltbarkeit

„Dann wären 20 Jahre Diskussion über nachgeholten Lärmschutz an diesen Abschnitten endlich positiv zu Ende geführt“, urteilt Kelber. Überall dort auf der A 565, wo eine dritte Spur zusätzlich entsteht, ist ein neuer, besserer Lärmschutz vorgeschrieben. Doch im Stadtbezirk Hardtberg kann das gut und gerne noch 15 Jahre dauern, bis ein solcher Ausbau erfolgt.

Keine Chance also für die Bürger in Duisdorf und Lengsdorf, aus Röttgen und Ückesdorf, etwas an der Situation zu ändern? Keineswegs, denn es gibt viele Parameter, an denen man ebenfalls schrauben kann. Der Lärmschutz ist das eine, die gefahrene Geschwindigkeit das andere. Sie wird von der Bezirksregierung Köln festgelegt. Und dort gibt es die Möglichkeit, neue Tempolimits festzulegen, man könnte bei nächster Gelegenheit auch eine offenporige Oberflächen („Flüsterasphalt“) einbauen, der Lärm schluckt, aber den Nachteil der geringeren Haltbarkeit hat. Man könnte Wälle ziehen oder neue Fenster einbauen lassen.

Irgend etwas muss passieren, findet die Hardtberger Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand, bei der sich regelmäßig Bürger beschweren. „Je nach Windrichtung hört man die Autobahn überall, und manche Straßen im Duisdorfer Oberdorf haben eine so hohe Lärmbelastung, dass man dort kein Fenster öffnen kann“, sagt sie. So zum Beispiel fehlt zwischen der Villemombler Straße und der Abfahrt Hardtberg (also zwischen Arbeitsagentur und Telekom Dome) der Lärmschutz.

Besserung ist hier erst dann in Sicht, wenn der neue Investor für die Gallwitz-Kaserne das neue Wohngebiet baut. Denn im Bebauungsplan wird ihm vorgegeben werden, für einen Lärmschutz zu sorgen. Trotzdem ist die Sache frustrierend für die Lokalpolitik. „Wir können die Beschwerden immer nur weitergeben, aber haben keine eigene Handhabe, um etwas zu tun“, sagt Thorand.

Es folgt:Das sind die lautesten Stellen an der A 565. Und so sind die Grenz- und Auslösewerte, damit ein neuer Lärmschutz kommt.