Aufgaben nach dem Beruf: Vermittlung von Ehrenämtern am Brüser Berg

Aufgaben nach dem Beruf : Vermittlung von Ehrenämtern am Brüser Berg

Das Nachbarschaftszentrum Brüser Berg hilft bei der Suche nach dem passenden Ehrenamt. Petra Grünwald-Schiffer ist dort als Koordinatorin für das Ehrenamt zuständig.

Lange Zeit hat Katharina Samjattin bei einem großen Handelskonzern in Sankt Augustin gearbeitet. Vor drei Jahren ging sie dann in den Ruhestand. „Die erste Zeit habe ich meine Freizeit wirklich sehr genossen. Doch jetzt möchte ich wieder etwas Sinnvolles tun. Ich habe Zeit und bin gesund. Mir fehlt allerdings eine Aufgabe, die mich erfüllt“, erzählt die 68-Jährige.

Mit diesem Wunsch ist sie bei Petra Grünwald-Schiffer vom Nachbarschaftszentrum auf dem Brüser Berg genau richtig. „Wir finden garantiert etwas, was Ihren Vorstellungen entspricht“, versichert die „Koordinatorin Ehrenamt“. Sie hatte interessierte Bewohner eingeladen, die sich im Stadtteil ehrenamtlich engagieren wollen. Welche Alternativen gibt es, welche Voraussetzung gilt es zu erfüllen und wie viel Zeit will man für das Ehrenamt aufbringen? All diese Fragen beantwortete Grünwald-Schifferbei bei dieser Gelegenheit.

Zwar gibt es aktuell 121 Bewohner des „Bonner Balkons“, die sich in ganz unterschiedlichen Projekten einbringen, aber: „Wir freuen uns über jeden, der mitmachen will. Trotz des großen Engagements können wir immer neue Ehrenämtler gebrauchen“, so Grünwald-Schiffer.

Auch Andrea Kümpel ist auf der Suche nach einer neuen Aufgabe in ihrem Leben. „Ich bin offen für alles“, lacht sie und lässt sich beraten. Sie würde gerne mit Kindern arbeiten. „In diesem Bereich können wir immer Unterstützung gebrauchen“, erklärt ihr die Koordinatorin. Ob Vorlesepatenschaften in Kindergärten und Grundschulen, Unterstützung bei Sprachförderungs-Projekten oder bei der Hausaufgabenbetreuung: Viele unterschiedliche Initiativen werden vom Nachbarschaftszentrum Brüser Berg angestoßen und durch ehrenamtliche Helfer betreut.

Keine Frauenquote nötig

Meist engagieren sich Frauen. Denn von den 121 Helfern sind 79 weiblich. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 60 Jahren. „Das sind oft Bewohner, die aus dem Beruf ausgeschieden sind oder sich frühzeitig auf eine neue Aufgabe im Ruhestand vorbereiten“, beobachtet Grünwald-Schiffer.

Insgesamt werden 85 Personen in acht Einrichtungen des Stadtteils unterstützt. Neben der Arbeit mit Kindern sind es vielfach Hilfen für Senioren. Manche begleiten sie bei Arztbesuchen, gehen mit ihnen zum Einkaufen oder verbringen einfach nur ein paar Stunden miteinander. Voraussetzungen muss niemand erfüllen. „Ich erkennen in einem persönlichen Gespräch schnell, wo die Stärken liegen und welche Arbeit ideal zu jemandem passt“, versichert die Mitarbeiterin des Nachbarschaftszentrums. Einzig: Wer mit Kindern arbeitet, muss ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen, wer sich beispielsweise beim Mittagstisch engagiert muss eine Gesundheitsbelehrung erhalten haben.

Ehrenamt: Helfer bilden schnell Freundschaften

Doch nicht nur diejenigen, die betreut oder begleitet werden, profitieren von dieser Arbeit. „Wir beobachten immer wieder, dass sich unter den Helfern Freundschaften bilden. Viele genießen es, wenn sie mit Gleichgesinnten regelmäßig zusammentreffen“, weiß Petra Grünwald-Schiffer. Oft gehe dieser Kontakt über die Arbeit hinaus.

Das bestätigt Jürgen Fröbisch, der sich auf dem Brüser Berg seit Jahren fürs Ehrenamt stark macht. „Mir ist der Kontakt mit Menschen sehr wichtig. Man bekommt durch die Arbeit viel Anerkennung. Da wo man wohnt, da sollte man auch leben“, ist sein Motto. Allerdings rät er jedem, sich frühzeitig umzusehen. „Nur so kann man entdecken, in welche Richtung man sich nach dem Berufsleben am liebsten engagieren will.“ Katharina Samjattin weiß schon, was ihr Freude bereiten würde. „Etwas mit Kindern“, erzählt sie. „Außerdem spreche ich fließend Russisch.“ Petra Grünwald-Schiffer nickt ihr zu. „Ich habe da schon etwas im Auge, was genau zu Ihnen passen würde“, schmunzelt sie.

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