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Vertrackte Situation: Verkehrsprobleme im Blumenviertel in Duisdorf

Vertrackte Situation : Verkehrsprobleme im Blumenviertel in Duisdorf

Die Lastwagen lassen Anwohner in Duisdorf nicht schlafen, obwohl sich die ansässige Firma um Rücksicht bemüht. Eltern sind besorgt um ihre Kinder.

Die Wahrnehmung von Christine Arck, Geschäftsführerin des Familienunternehmens Hefe Arck, dessen Lkw-Verkehr seit Jahren für Auseinandersetzungen zwischen dem Großhandel, der Stadt Bonn und den Anwohnern im Blumenviertel führt, ist grundsätzlich positiv. Alle Probleme hätten sich aufgelöst, glaubt sie. Zum Tag der offenen Tür anlässlich des 123-jährigen Bestehens der Firma am 17. Juni seien alle Nachbarn gekommen. Der Hauptinitiator des Ärgers sei inzwischen weggezogen, und mit „allen anderen haben wir keine Probleme“, meint Arck.

Eine Ansicht, die in ähnlicher Weise auch von der Stadt Bonn geteilt wird: „In einem sogenannten Mischgebiet, in dem es Gewerbe und Wohnen gibt, hätten sich die Anwohner mit den Gegebenheiten abzufinden“, zitiert die SPD-Stadtverordnete Gabi Mayer die Verwaltung. Im Übrigen gäbe es sowieso nur wenige Querulanten, die meisten Anwohner hätten kein Problem.

Die Realität ist aber auch: Derweil fahren schwere Lkw weiterhin ungehindert durch den Nelkenweg und die umliegenden Straßen, beschädigen Umzäunungen, fahren Bäume um und versetzen Eltern in Sorge um spielende Kinder, da sich kaum ein Lkw-Fahrer an die Vorgaben der Tempo-30-Zone hält.

Hefe Arck ist seit 1968 am Standort im Nelkenweg

Hefe Arck ist seit 1968 am Standort im Nelkenweg, und seit dieser Zeit kontinuierlich gewachsen. Noch bevor sie sich ansiedelten, wurde ihnen eine Erschließung über das Gewerbegebiet am Alten Heerweg zugesagt. Doch dann kam 1969 die Gebietsreform – und Duisdorf wurde Bonn zugeteilt. Seitdem existiert die Straße nur noch im Wunschdenken der durch den Lärm des Lieferverkehrs gepeinigten Anwohner.

„Ich kann nur mit Ohropax und geschlossenen Fenstern schlafen“, sagt Tina von Zedtwitz, die seit 2004 mit Mann und zwei Kindern in einem Einfamilienhaus am Nelkenweg wohnt. Alleine 13 Lkw von Hefe Arck, darunter ein Mehlsilofahrzeug und ein 40-Tonner würden täglich über den Nelkenweg etwa 100 Tonnen Großhandelswaren für Bäckereien und Gastronomie ausliefern. Eine mindestens ebenso große Menge dürfte Tag und Nacht von Lkws angeliefert werden, denn Hefe Arck ist ein Großhandel, der selber nicht produziert. Und damit ist das Familienunternehmen sehr erfolgreich und kann seine Geschäftsfelder kontinuierlich ausbauen.

Seit 2004 sind Kühlhäuser hinzugekommen, wodurch Arck nun von Früchten über Gemüse, von Milch bis Käse und von Teiglingen bis zu ganzen Torten alles liefern kann, was der Markt verlangt. Erlaubterweise in einem Zeitfenster von vier Uhr morgens bis um 20 Uhr am Abend dürfen die Waren von und zu dem in einer Sackgasse am Ende des Nelkenwegs liegenden Händler gefahren werden. Lieferanten, die außerhalb der erlaubten Zeiten kommen, könnten von den Anwohnern angezeigt werden, sagt die Polizei. Doch die überwiegend osteuropäischen Lkw lassen sich ordnungsbehördlich kaum verfolgen.

„Das muss an deren Navis liegen“, meint Silvia Schumann aus der Straße Rosenhain, „dass sich die Lkw bei uns durch die engen Siedlungsstraßen quälen und dabei Gartenzäune oder Bäume beschädigen.“ Inzwischen hat ein Hausbesitzer die mehrere Aktenordner füllenden Rechtsstreitigkeiten mit Stadt und Hefe Arck aufgegeben und sein Haus verkauft. Natürlich hätten die meisten Anwohner gewusst, dass sie ihr Haus in einem Mischgebiet bauen oder beziehen, sagt Schumann. Doch kaum einer hätte gedacht, dass sich der Betrieb einmal so groß entwickeln würde, „und die Lkw sind ja auch immer größer geworden“.

Und so kommt es, dass die Kühllastzüge in den Siedlungsstraßen auf Be- oder Entladung bei Hefe Arck warten und manch einem Hausbewohner die Zufahrt zum eigenen Grundstück versperren.

Motoren laufen, um die Kühlung zu betreiben

„Auch die Fahrer fluchen über die Enge und die fehlenden Parkmöglichkeiten“, so von Zedtwitz. Sie warteten in Stoßzeiten teilweise Stunden mit laufenden Motoren, um die Kühlaggregate ihrer Lastzüge mit Energie zu versorgen.

Jahrelang hat auch Erhard Luschinski gegen Hefe Arck und die Stadt Bonn geklagt. Vor eineinhalb Jahren hat ihm Hefe Arck den Einbau von Schallschutzfenstern bezahlt, und Luschinski kann wieder ruhig schlafen. Damit gibt er sich zufrieden. „Mehr kann man nicht erreichen“, sagt er. „Die Stadt bewegt sich ja nicht.“

Natürlich habe Hefe Arck „das Problem, größer geworden zu sein“, so die Geschäftsführerin. Aber man sei immer auch bemüht gewesen, dabei Rücksicht auf die Anwohner zu nehmen. So habe man eine Rampe geschlossen, die unmittelbar am Nelkenweg lag. Ansonsten sei es auch die Stadt, die den Ansprüchen der Anwohner gerecht werden müsse.

Seit 2013 kümmert sich Gabi Mayer (SPD) aufgrund von Bürgeranfragen um das Thema. Es fehle immer noch ein Verkehrskonzept für das Viertel, stellt sie fest. Erst habe man nicht zählen können, dann hatte man keine Zeit auszuwerten,und jetzt warte man auf das Verkehrskonzept der Deutschen Bahn wegen des Planfeststellungsverfahrens für die Schließungsabsicht für den Bahnübergang Weck-Werk. „So wird immer wieder etwas gefunden, was letztlich dazu führt, dass nichts geschieht“, so Mayer.

Auf Anfrage teilte Markus Schmitz vom städtischen Presseamt mit, dass sich die Verwaltung auf absehbare Zeit nicht in der Lage sehe, „etwas zur Veränderung der Zufahrtssituation der Firma Hefe Arck zu tun. Für die Herstellung einer direkten Zuwegung vom Alten Heerweg durch die Stadt fehlen die liegenschaftlichen und planungsrechtlichen Grundlagen sowie die nötigen Haushaltsmittel“. Diese Option sei bereits vor vier Jahren aufgrund von Anwohnerbeschwerden untersucht worden, eine Realisierungsperspektive bestehe jedoch auch heute nicht.