Fußgängerzone in Bonn-Duisdorf: Unbekannte erlauben sich Spiel mit Sperrpfosten

Fußgängerzone in Bonn-Duisdorf : Unbekannte erlauben sich Spiel mit Sperrpfosten

Unbekannte nehmen an der Derlestraße in der Fußgängerzone in Duisdorf immer wieder die Pfosten aus der Zufahrt heraus. Manchmal sogar mehrmals am Tag.

Ein Katz- und Maus-Spiel findet derzeit immer wieder in der Fußgängerzone Duisdorf statt. Die rot-weißen Sperrpfosten, die an der Derlestraße die Zufahrt in die Rochusstraße verhindern sollen, stehen morgens immer häufiger nicht da, wo sie eigentlich stehen sollten, sondern liegen im Baumbeet neben der Zufahrt herum. Ergo: Dann ist die Einfahrt in die Fußgängerzone wieder möglich.

Und das ist offenbar genau das, was die unbekannten Verursacher beabsichtigen. Sie wollen durch und schaffen das auch, denn einen Schlüssel für die Pfosten haben viele Autofahrer in ihren Wagen liegen. Trotzdem haben sie die Rechnung ohne Dieter Pinsdorf gemacht, der gleich dort an der Zufahrt wohnt und das Ladenlokal seines Familienbetriebs hat. „Ich setze die Pfosten dann wieder rein, und das jeden Tag. Aber morgens sind sie dann wieder draußen“, sagt Pinsdorf. Das Duisdorfer Urgestein hat schon das Ordnungsamt benachrichtigt, rätselt aber auch: „Keiner weiß, wer es ist, der die Pfosten immer wieder entfernt.“

Nachbarn wissen von nichts

Auch die Nachbarn, die er gefragt habe, hätten keine Ahnung. Deren Ladenlokale würden von der Seite oder von hinten beliefert, deshalb handele es sich wohl nicht um einen ihrer Zulieferer. Das Katz- und Maus-Spiel findet manchmal sogar mehrmals pro Tag statt, erzählt Pinsdorf. Und verliert langsam die Geduld: „Ich bin sauer über die Zähigkeit dieser Person, die immer wieder diese Pfosten rausholt.“

Am Montagabend habe der Verursacher beim Rausziehen einen Poller zusätzlich demoliert. „Er wurde wohl mit roher Gewalt und Kraft mit der Kante auf den Boden geschlagen“, sagt Pinsdorf. Dadurch habe sich die Kante verformt und der Poller könne nur noch fünf Zentimeter tief in die Verankerung gesteckt werden.

Kampf um autofreie Zone

Der Geschäftsmann erinnert daran, wie lange man für die Einrichtung einer autofreien Fußgängerzone gekämpft habe und befürchtet, dass schwere Lastwagen das Pflaster wieder kaputt fahren werden und die Aufenthaltsqualität leidet. Sein Appell: „Ich hoffe, dass die Bürger die Augen offen halten und das Autokennzeichen des Menschen aufschreiben, der die Zufahrt immer wieder öffnet, um dann durchzufahren.“

Anfang Oktober hatte die Stadt die Pfosten eingesetzt – und damit einen Beschluss der Bezirksvertretung Hardtberg umgesetzt, der fast ein Jahr zuvor gefasst worden war. Die Bemühungen, die Autos raus aus der Fußgängerzone zu bekommen, sind sogar noch älter. Im März vorigen Jahres hatte die CDU das Ärgernis des verbotswidrigen Durchfahrens der Duisdorfer Einkaufsmeile wieder einmal thematisiert und zugleich festgestellt, dass dieses Verhalten der Autofahrer nicht länger geduldet werden solle.

„Seit die Pfosten an der Zufahrt von der Derlestraße stecken, ist die Verkehrssituation in der Rochusstraße deutlich angenehmer geworden“, berichtet Optiker Aloys Zapp, dessen Geschäft direkt neben der Zufahrt an der Weierbornstraße liegt. Auch dort würden die Pfosten immer mal wieder entfernt, „aber nicht ständig“, sagt er. Wenn das passiere, stecke er die Pfosten wie Pinsdorf wieder zurück an ihren Platz.

Für Zapp wäre es aber eine überlegenswerte Lösung, wenn die Stadt Sperrpfosten aufstellen würde, die man richtig abschließen könnte und für die nicht jeder einen Schlüssel habe. Nach seinen Beobachtungen nutzen viele die Zufahrt Derlestraße, um den stark belasteten Burgweiher zu umgehen.

Bürger beschweren sich über Sperrpfosten

Beschwerden, dass die Fußgängerzone mit Pollern dichtgemacht wurde, hat Bert Moll schon einige erhalten, erzählt der Duisdorfer CDU-Ratsherr. „Es handelt sich um Bürger, die dort immer schon entlanggefahren sind und die Pfosten als Eingriff in ihre Freiheit betrachten“, berichtet er. Auf der anderen Seite stehe aber eine Mehrheit, die das Absperren befürworte – gerade ältere Menschen hätten dafür Sympathien.

Klein beigeben will auch Moll nicht: „Den Konflikt muss man aushalten können“, findet er und stellt klar: „Die Fußgängerzone ist bewusst nicht abgeriegelt worden, denn man kann ja noch über die Schmittstraße und die Bahnhofstraße einfahren.“ Außerdem gebe es Lieferzeiten und Ausnahmegenehmigungen zur Zufahrt für Anlieger. Dass jetzt jemand durch das Herausnehmen der Pfosten den Willen der Mehrheit sabotiere, werde ihm im Zweifel nichts nützen. „Denn auch ohne Pfosten darf man dort nicht einfahren“, so Moll. Und wer sich nicht an die Beschilderung halte und erwischt werde, könne von der Polizei zur Kasse gebeten werden.

Für SPD-Ratsfrau Gabi Mayer war es vorhersehbar, dass diese Pfosten nicht funktionieren. Ohnehin hält sie das für den falschen Ansatz zur Verkehrsberuhigung der Fußgängerzone. Es gebe genug Berechtigte, die einfahren dürften; und zwar nicht nur in der Ladezeit, sondern auch darüber hinaus. „Deshalb hatte die SPD automatische Poller an mehreren Zufahrten präferiert, die von Berechtigten mit einer Chipkarte bedient werden können“, erinnert sie. „Im Übrigen ist eine umfassende Kontrolle durch den Stadtordnungsdienst zwingend erforderlich.“ Dabei solle die Stadt sich auf die konzentrieren, die trotz Verbot zum Einkaufen vorfahren und parken – und zwar im Bereich der Derlestraße genauso wie aus der Bahnhofstraße kommend und im unteren Teil der Rochusstraße.

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