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Jagdpächter fordert Rücksichtnahme: Trächtiges Reh in Ückesdorf von Hund gerissen

Jagdpächter fordert Rücksichtnahme : Trächtiges Reh in Ückesdorf von Hund gerissen

Ein Hund hat ein trächtiges Reh in Bonn-Ückesdorf gerissen. Der zuständige Jagdpächter fordert Rücksichtnahme bei den Spaziergängern.

Eine grausame Entdeckung hat Lutz Schorn, Jagdpächter für den Bereich Röttgen und Ückesdorf sowie Jagdberater der Stadt Bonn, nach einem Anruf einer Spaziergängerin in seinem Revier gemacht: In unmittelbarer Nähe des hinteren Ausgangs des Friedhofs Kottenforst hatte ein Hund kurz zuvor ein Reh gerissen. Doch nicht nur ein einziges Tier war verendet. „Als ich das Wild aufgebrochen habe, kamen zwei ungeborene Kitze zum Vorschein“, berichtet Schorn. Mitte Mai wären sie geboren worden.

Schorn appelliert daher eindringlich an alle Hundebesitzer gerade in der jetzigen Zeit, ihre Tiere im Auge zu behalten. Denn nicht nur das Wild sei derzeitig trächtig, sondern viele Bodenbrüter würden in den nächsten Wochen ebenfalls ihre Nester anlegen.

„Der Großteil der Hundehalter verhält sich durchaus vernünftig und reagiert sensibel. Aber es gibt eben auch ein paar Ausnahmen – Leute, die ihre Tiere nicht unter Kontrolle haben. Wenn der Hund nicht aufs Wort hört und der Jagdinstinkt durchkommt, dann passieren so etwas“, so der Jagdpächter. Die Lösung sei ganz einfach: Der Hund gehört dann an die Leine. Zumal es mittlerweile auch sogenannte Schleppleinen gibt, die dem Hund den nötigen Freiraum geben.

Aufgrund der aktuellen Krise und den damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen seien die Spazierwege im Kottenforst derzeit täglich sehr stark frequentiert. Das ist für das Wild sowie die Bodenbrüter kein Problem, betont der Jagdpächter. Anders sei es allerdings, wenn man abseits der Wege ins „Wohnzimmer“ der Wildtiere eindringt. Denn schon bei den kleinsten Geräuschen wird oftmals ein Fluchtinstinkt der scheuen Tiere ausgelöst.
Wenn die Rehe beispielsweise in dem Bereich zwischen dem Friedhof in Ückesdorf und der Autobahn aufgescheucht werden, dann geraten sie schnell in Panik. Auf der Flucht verletzen sie sich nicht selten an den Stacheldrahtzäunen der umliegenden Pferdekoppeln, oder sie rasen in Richtung Reichsstraße, wo sie leicht überfahren werden. Allein im vergangenen Jahr wurden dort drei Tiere getötet, so Schorn.

Er fordert daher alle Spaziergänger und Hundebesitzer auf, „sich in den nächsten Wochen besonders rücksichtsvoll zu verhalten, damit wir das bisschen Natur vor unserer Haustüre auf Dauer bewahren“.

Grundsätzlich ist im Landesforstgesetz von NRW geregelt, welche Vorgaben einzuhalten sind. Darin heißt es: „Wer den Wald betritt, hat sich so zu verhalten, dass die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört, der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt sowie andere schutzwürdige Interessen der Waldbesitzer und die Erholung anderer nicht unzumutbar beeinträchtigt werden. Im Wald dürfen Hunde außerhalb von Wegen nur angeleint mitgeführt werden; dies gilt nicht für Jagdhunde bei jagdlichen Tätigkeiten sowie für Polizeihunde.“

Das Amt für Stadtgrün erinnerte Anfang des Monats aus aktuellem Anlass ebenfalls daran, dass Hunde in der Rheinaue angeleint werden müssen. Erst Ende Februar wurden zwei Enten am Rheinauensee von einem Hund gerissen. „Bei Kontrollen achtet der Stadtordnungsdienst auch auf die Anleinpflicht. Bei einem Verstoß kann ein Bußgeld von 25 Euro verhängt werden“, kündigte die Stadt zudem an.