Überfall in Bonn-Duisdorf: So schildert die Floristin den Blumenladen-Raub

Überfall in Bonn-Duisdorf : So schildert die Floristin den Blumenladen-Raub

Mit einer Gießkanne hatte Anne Düren in ihrem Blumengeschäft in Bonn-Duisdorf einen Räuber in die Flucht geschlagen. Die Polizei sucht den mutmaßlichen Täter per Phantombild. Wir haben mit der Floristin gesprochen.

Auch wenn Anne Düren ihre Kunden wie gewohnt freundlich und mit einem Lächeln begrüßt, hat sie das, was ihr vor fünf Wochen passiert ist, noch nicht verarbeitet. „Immer, wenn jemand den Laden betritt, habe ich ein mulmiges Gefühl“, sagt die Floristin. Ein Maskierter stürmte am Dienstag, 16. Juli, in ihr Blumengeschäft an der Rochusstraße, hielt ihr ein langes Messer vor die Brust. Ohne nachzudenken packte sie sich eine Gießkanne und schlug zu – der Mann flüchtete. Die Polizei sucht ihn jetzt mit einem Phantombild.

Es waren die letzten Tage vor dem Ruhestand der 59-Jährigen Floristik- und Gärtnermeisterin. Mehr als 40 Jahre arbeitete sie in dem Duisdorfer Traditionsbetrieb, den sie von ihrer Mutter Gertrud übernommen hatte, und den sie Anfang August an einen neuen Inhaber abgegeben hat. Sie hat viel erlebt – auch im Hinblick auf Verbrechen. Trickdiebe plünderten die Tageseinnahmen, indem sie eine Mitarbeiterin unter einem Vorwand nach draußen lockten und dann die Kasse leerten. Einmal brachen Unbekannte nachts in ihr Geschäft ein und nahmen Bargeld mit. Die Täter wurden in beiden Fällen nicht gefunden.

Die blecherne Gießkanne traf den Räuber am Kopf

Auch von dem Mann, der sie ausrauben wollte, fehlt bislang jede Spur. Experten der Polizei haben mit Hilfe von Kameraaufnahmen und Zeugenaussagen ein Phantombild gefertigt: Es zeigt einen jungen Mann mit dunklen Haaren, der etwa 1,75 Meter groß sein soll. Zwar hatte der Räuber, der etwa 1,75 groß sein soll, den Laden maskiert betreten. Vorher aber hatten Zeugen eine verdächtige Person beobachtet, die vor dem Geschäft auf und ab ging. Nach deren Angaben wurde das Phantombild abgefertigt.

Düren war gerade mit einer Kundin im hinteren Bereich des Geschäfts und zeigte ihr Trauerflor. „Ich habe den Räuber gar nicht richtig wahrgenommen“, erzählt sie. Durch das helle Sonnenlicht, das durch die Glasfront des Ladens strahlte, war sie im ersten Moment geblendet. „Dass er komplett vermummt war, sah man da kaum.“ Er sei geradewegs auf sie zugegangen, zwei Augen blickten sie durch die Maske an. „Kasse auf, Geld her“, rief der Mann mit dem großen Messer in der Hand.

Düren zögerte nicht. „Ich habe auch nicht nachgedacht, ich war einfach empört. Empört, dass jemand es wagt, so etwas zu machen.“ Erst bewegte sie sich einen Schritt von der Kundin weg, um sie nicht zu gefährden. Dann griff sie sich eine Blechgießkanne, die rechts neben ihr auf dem Tresen stand – und schlug mit Schwung zu. „Man hat mir mal gesagt, dass man immer auf die Schläfe zielen soll.“ Sie traf den Räuber am Kopf, er sackte kurz zusammen und rannte dann aus dem Geschäft in Richtung der Helmholtzstraße.

Was passiert war, realisierte Anne Düren erst danach. „Ich war so aufgeregt, dass mich der Polizist am Notruf nicht verstand und beruhigen musste.“ Später bot man ihr psychologische Unterstützung an, die sie aber ablehnte. „Ich habe Freunde, Familie und Kollegen, die für mich da sind.“ Dennoch fällt es ihr noch nicht leicht, mit der Situation umzugehen. Immer wenn ein Fremder den Laden betritt, in dem sie noch aushilft, ist sie anfangs misstrauisch. Und auch auf Scherze mit Gießkannen reagiert sie empfindlich. „Die Sache mit der Gießkanne wirkt ja lustig, und es ist alles gut gegangen: Aber die Situation war trotzdem sehr ernst.“

Die von der Polizei eingeleiteten Ermittlungen führten bislang nicht zur Festnahme des Unbekannten, zu dem folgende Beschreibungsmerkmale vorliegen:

  • etwa 1,75 Meter groß
  • auffallend schlanke Statur
  • sprach akzentfrei Deutsch
  • schwarzer Kapuzenpulli
  • schwarzes Tuch vor dem Gesicht
  • schwarze Handschuhe

Wer Hinweise zu der Identität des Mannes geben kann, wird gebeten sich unter der Rufnummer 0228/150 mit der Polizei in Verbindung zu setzen.

Opfer sollten Ruhe bewahren

Wer Opfer eines Überfalls wird, sollte den Täter nicht zu unüberlegten Handlungen bewegen, rät Daniela Lindemann von der Abteilung Kriminalprävention und Opferschutz der Bonner Polizei. „Es ist wichtig, Ruhe zu bewahren und das zu befolgen, was der Täter fordert – auch wenn er den Schlüssel zum Tresor haben will.“

Dabei solle man nicht um Hilfe rufen, keine Gegenwehr leisten oder gar nach einer Waffe greifen. „Lassen Sie sich nichts anmerken, falls sie den Täter kennen.“ Man sollte sich dem Räuber nicht in den Weg stellen und nicht verfolgen, wenn er flüchtet. „Um den Täter später identifizieren zu können, ist eine genaue Beschreibung nötig“, sagt Lindemann. Deshalb sollen sich Opfer persönliche Merkmale einprägen, ebenso wie Fluchtweg und -fahrzeug. Um keine Spuren zu zerstören, sei es nötig, den Tatort unberührt zu lassen und nichts wegzuräumen.

Ladenbesitzer können sich bei der Bonner Polizei unter 02 28/15 76 76 melden und kostenlos zu präventiven Sicherungsmaßnahmen beraten lassen. Dazu zählen etwa stille Alarme und der Standort von Tresoren.

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