Weg in den Arbeitsmarkt: Second-Hand-Kaufhaus in Dransdorf hat sich bewährt

Weg in den Arbeitsmarkt : Second-Hand-Kaufhaus in Dransdorf hat sich bewährt

Knöpfe annähen, dekorieren: Zehn Frauen nehmen an einem Projekt von VfG und Jobcenter teil. Damit will man Frauen mit Migrationshintergrund erreichen, die bisher nicht auf dem deutschen Arbeitsmarkt angekommen sind.

Siham Ajijo lebt seit 19 Jahren in Deutschland. Hier sind ihre vier Kinder (17, 16, 13 und 9 Jahre alt) geboren, hier hat ihr Mann einen Job gefunden. „Aber ich habe noch nie eine Arbeit gehabt“, erzählt die Syrerin aus dem Tannenbusch. Das hat sich am 1. Juli allerdings geändert. Siham Ajijo ist eine von zehn Teilnehmerinnen des „TiB“-Projektes im Second-Hand-Kaufhaus des Vereins für Gefährdetenhilfe (VfG) in Dransdorf. Dort kümmern sich Frauen im Rahmen der „Textilaufbereitung“ (kurz: TiB) um Kleiderspenden. Sie führen kleine Reparaturarbeiten durch, waschen und bügeln Hemden, Hosen und Blusen. Sie nähen Knöpfe an, setzen Applikationen und Bordüren und gestalten Kleidung nach eigenen Ideen und Vorstellungen.

Der VfG hat dieses Projekt in enger Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Bonn entwickelt. Die Maßnahme ist zunächst für die Dauer eines halben Jahres angelegt, es besteht jedoch die Option auf Verlängerung. „Wir wollen mit diesem Angebot Frauen mit Migrationshintergrund erreichen, die bisher nicht auf dem deutschen Arbeitsmarkt angekommen sind“, erklärt Betina Fredebeul vom VfG. Für diesen ersten Schritt ist das Second-Hand-Kaufhaus in Dransdorf für viele die richtige Adresse. „Die Familien kennen uns, und die Ehemänner wissen, dass die Frauen in einem geschützten, abgetrennten Bereich arbeiten“, ergänzt Fredebeul.

Wertschätzung und Sozialkompetenz

„TiB“ habe für viele Teilnehmerinnen jedoch noch einen weitaus wichtigeren Nutzen. „Ich freue mich immer sehr auf diese Arbeit. Hier treffe ich andere Frauen, die das gleiche Schicksal teilen. Wir helfen uns gegenseitig oder erzählen von unseren Familien. Meistens haben wir viel Spaß“, erzählt Ajijo. Dieser Aspekt ist für die Organisatoren ebenfalls von großer Bedeutung. „Die Frauen erhalten durch ihre Arbeit nicht nur Wertschätzung, sondern es werden Sozialkompetenz sowie Integration gefördert“, ist Fredebeul überzeugt.

Auch Nadja Jawich, die ebenfalls vier Kinder hat und vor 23 Jahren aus Syrien kam, ist von ihrem ersten Job in Deutschland hellauf begeistert. „Die Arbeit hier macht mir viel Freude“, sagte sie und strahlt. Eine vollkommen neue Erfahrung ist für die beiden Frauen auch, dass jetzt ihre Familien im Haushalt mithelfen. „Seit ich hier arbeite, packen auch die Kinder und mein Mann mit an. Früher war ich alleine für den Haushalt zuständig“, erklärt Jawich. „Jetzt kümmern sich alle darum.“

Begeistert bei der Sache

Wichtig ist den Organisatoren allerdings auch, dass im Rahmen des Programms die Sprachkompetenz der Frauen gefördert wird. Bei Problemen hilft Siham Jalall, die gemeinsam mit Uta Deutsch das Projekt leitet. „Bei Schwierigkeiten übersetze ich und bin immer ansprechbar“, sagt Jalall, die längst eine Vertrauensperson für die Frauen geworden ist. Motivieren muss sie die „TiB-Teilnehmerinnen“ allerdings nicht. „Sie sind alle begeistert bei der Sache, sind fleißig und erfolgreich. Man sieht ihnen an, wie sehr ihr Selbstbewusstsein gestiegen ist“, sind sich Jalall und Deutsch einig.

Mittlerweile hat jede der zehn Frauen einen Bereich, in dem sie besonders gerne arbeitet. „Wir lieben es, die Tische im Kaufhaus zu dekorieren“, sagen Ajijo und Jawich übereinstimmend. Dass sie dafür ein Händchen haben, das lässt sich derzeit besonders gut beobachten. Denn überall in dem Geschäft an der Siemensstraße haben sie Kränze, Gestecke und Tannenbaumschmuck arrangiert und so eine Vorweihnachtsstimmung in das Dransdorfer Kaufhaus gezaubert.

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