Alzheimer, Parkinson und Depression: "Rheinland Studie" erforscht das Älterwerden

Alzheimer, Parkinson und Depression : "Rheinland Studie" erforscht das Älterwerden

Wovon ist es abhängig, wie gesund wir sind? Was heißt überhaupt „gesund“? In der "Rheinland Studie" wird erforscht, welche Faktoren für Veränderungen an Körper und Gehirn im Laufe des Lebens verantwortlich sein können.

„Das Alter verändert alles“, sagt Monique Breteler. Sie ist als Gehirnforscherin zuständig für die Rheinland Studie, die seit 2016 mit inzwischen 3000 Probanden aus dem Gebiet Hardtberg und Beuel der Entwicklung des Gehirns im Verlauf des Lebens auf der Spur ist.

Die Studie ist eine Untersuchungsreihe, die auf 30 Jahre angelegt ist und dabei die Alterung von bis zu 30.000 Teilnehmern erfassen wird. „Sie heißt ‚Rheinland Studie‘, da das Rheinland durch die Mentalität seiner Bewohner positiv besetzt und zudem weltweit verstanden und aussprechbar ist“, so die aus den Niederlanden stammende Forscherin am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) auf dem Venusberg.

Dabei geht es um Fragen wie: Wovon ist es abhängig, wie gesund wir sind? Was heißt überhaupt „gesund“? Handelt es sich nur um ein Freisein von Beschwerden oder kann es auch eine stetige Anpassungsfähigkeit an neue soziale, körperliche und geistige Herausforderungen bedeuten? Werden die Grundlagen für ein gesundes Altern schon Jahre oder Jahrzehnte vorher gelegt?

Alzheimer, Parkinson und Depression

Die momentan rund 85 Mitarbeiter an den beiden Standorten der Untersuchungszentren in Beuel und Duisdorf erfassen bei den Teilnehmern der Studie in Abständen von mehreren Jahren, welche Faktoren für Veränderungen an Körper und Gehirn im Laufe des Lebens verantwortlich sein können, um damit möglichst neue Erkenntnisse zur Prävention, Früherkennung und Behandlung von Hirnerkrankungen wie beispielsweise Alzheimer, Parkinson und Depression gewinnen zu können.

„Wenn nicht jeder den gleichen Verlust von spezifischen Funktionen hat“, so Breteler, die als Professorin in Bonn und Harvard forscht und unterrichtet, „können wir daraus folgern, dass auch Lebensumstände und Umweltfaktoren einen Einfluss haben.“ Das Interesse an der Studie ist sowohl von wissenschaftlicher Seite wie auch bei den Bürgern groß. Bei einem „Tag der Einblicke“ in die Rheinland Studie füllte sich das Duisdorfer Kulturzentrum am vergangenen Freitag bei zwei aufeinander folgenden identischen Vortragsreihen jeweils bis auf den letzten Platz.

Alle können allen helfen

Zum großen Teil kamen Besucher, die selber Teilnehmer an der Studie sind. So ist auch Uta S. (55) aus Lengsdorf froh, an der Untersuchungsreihe teilnehmen zu können, da sie damit frühzeitig erfahren könnte, wenn sie an einer Demenz erkranken sollte. „Ich habe bei meiner Mutter erleben müssen, was das aus einem Menschen macht und möchte alles Erdenkliche dagegen unternehmen.“ Nüket Çebi vom DZNE weist jedoch darauf hin, dass die Sorge, an Alzheimer zu erkranken, nur ein Arzt entkräften könne. Die Untersuchungen der Studie seien nicht mit einem Arztbesuch gleichzusetzen. „Unsere Gehirnforschung ist sehr weit weg von der Lebensrealität der Menschen“, sagt sie. „Wir machen das hier für uns alle. Alle können allen helfen.“

Teilnehmen können alle Personen ab 30 Jahren, die in den Bezirken Hardtberg oder Beuel gemeldet sind. Zudem werden ein Großteil der Bürger auch vonseiten der Rheinland Studie angeschrieben und zur Teilnahme eingeladen.

Wer mitmacht, findet sich in guter Gesellschaft: Oberbürgermeister Ashok Sridharan ist ebenso dabei wie Beuels Bürgermeister Guido Déus oder Obermöhn Ina Harder. Alle durchlaufen das gleiche Programm. Von „A“ wie Augenuntersuchungen bis „Z“ wie Zahngesundheit. „Nur gemeinsam können wir die Komplexität menschlicher Gesundheit untersuchen und damit zu einem gesünderen Älterwerden für alle beitragen“, ist sich Studienleiterin Breteler sicher.

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