Lesung in der Emmaus-Kirche: René Baltus spricht über seine Tango-Leidenschaft

Lesung in der Emmaus-Kirche : René Baltus spricht über seine Tango-Leidenschaft

Der Autor René Baltus hat seine Lesung auf dem Brüser Berg mit Vorführungen gewürzt. Die Zuschauer erlebten Tango Argentino.

Asiatische Kampfkunsttechniken und Choreographien aus dem lateinamerikanischen Tango scheinen auf den ersten Blick nichts gemeinsam zu haben. Dass zwischen dem Tangotänzer und dem Karatekämpfer dennoch eine enge Verbindung besteht, zeigte René Baltus am Dienstag den Besuchern des Seniorentreffs in der Emmaus-Kirche. Für sie war es ein außergewöhnlicher Nachmittag bei Kaffee und Kuchen.

Karate und Tango sind die zwei Leidenschaften des gebürtigen Kolumbianers. Den lateinamerikanischen Tanz und die dazugehörige Musik hatte Baltus schon als kleines Kind in seinem Umfeld aufgenommen: „In den Häusern unserer kolumbianischen Nachbarn wurde oft spontan musiziert“, erinnerte er sich. Im Alter von zehn Jahren kam Baltus dann mit der Familie nach Deutschland. Heute lebt der 73-Jährige in Ückesdorf.

Vor etwa zehn Jahren hat der gelernte Elektromeister und Tüftler, der auf gleich mehrere Erfindungen ein Patent angemeldet hat, im Verein in Bornheim Grundlagen im Karate erworben. Den Tango hatte Baltus bereits fünf Jahre zuvor bei einem Tanzabend im Bistro Pauke-Life in Endenich für sich entdeckt: „Jemand hatte mich mitgenommen.

Vom Standard-Tango zum Tango Argentino

"Von da an war ich infiziert“, meinte Baltus. So hatte er nicht nur einen idealen Ausgleich zu seiner Arbeit – Baltus arbeitet europaweit mit einem Gerät zur Überwachung von Abluft an Kernkraftwerken –, sondern auch eine neue Leidenschaft gefunden. Mit Standard-Tango ging es los, nach zwei Jahren wechselte Baltus zum Tango Argentino.

Im Gegensatz zur Standardversion gibt es beim Argentino keine festgelegte Choreographie. Vieles ist Improvisation, jeder einzelne Tanz besteht aus einer neuen Kombination von Schritten. Das fasziniert Baltus: „Selbst wenn dasselbe Paar dasselbe Stück zweimal tanzt, ist es am Ende ein ganz anderer Tanz“, so der passionierte Tänzer.

Wettbewerbe gibt es im Tango Argentino keine, denn hier wird so individuell getanzt, dass es unmöglich ist, Tanzaufführungen miteinander zu vergleichen. Vor zehn Jahren hatte Baltus die weite Reise nach Buenos Aires auf sich genommen, um das südamerikanische Flair vor Ort zu erleben und seine Tango-Kenntnisse zu erweitern.

Tanzeinlage

Auch die Besucher des Seniorentreffs in der Emmaus-Kirche kamen in den Genuss einer kleinen Tango-Argentino-Vorführung: Gemeinsam mit seiner Tanzpartnerin Beate Endrödy präsentierte Baltus Figuren wie den „Gancho“ und „Levantada“.

Als er anschließend einige Passagen aus seinem Buch „ „Tango Argentino – Leidenschaftlicher Kampf und vollendete Kommunikation“ las, tauchte Baltus ein in die Entstehungszeit des Tango Ende des 19. Jahrhunderts. Damals mussten die Männer in Argentinien sogenannte Blechmädchen bezahlen, um mit ihnen Tango tanzen zu dürfen.

Da sich viele von ihnen dieses Vergnügen nicht leisten konnten, hatten sie untereinander trainiert und einige Techniken und Bewegungen aus dem Kampfsport in die Tango-Choreografien übertragen. Beim Tanzen mit den Damen sind daraus einige kommunikativ-tänzerische Liebkosungsfiguren entstanden.

Einen Hauch von Buenos Aires kann man jede Woche auch in Bonn erleben: In den Sommermonaten treffen sich dienstags bis zu 100 Tangotänzer ab 20 Uhr am Rheinufer in Höhe des Beueler Bahnhöfchens. Die Musik ist gedämpft, die meisten Tänzer sind mit ihrer Passion derart beschäftigt, dass sie kaum Zeit zum Reden haben. Ruhig geht es zu. Auch Baltus ist dabei, denn der Tango Argentino ist seine Passion: „Tango hält jung und macht süchtig. Es löst Endorphine aus, besonders bei Frauen.“

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