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Matthäikirche in Duisdorf: Renate Bach verabschiedet sich aus Gemeindebücherei

Matthäikirche in Duisdorf : Renate Bach verabschiedet sich aus Gemeindebücherei

44 Jahre hat Renate Bach die evangelische Gemeindebücherei der Matthäikirche geleitet - jetzt wird sie verabschiedet. Viele Worte von Lesern haben sie am Ende ihrer Tätigkeit bewegt.

Wenn am heutigen Abend die letzten Töne des mit der Kantorei gesungenen israelischen Volksliedes "Shalom Alejchem" in der Matthäikirche verklungen sein werden, wird auch der letzte Akt im nahezu 44-jährigen Engagement von Renate Bach (78) gespielt werden. Auch wenn ihre Tätigkeit als Leiterin der letzten Evangelischen Gemeindebücherei im Bonner Kirchkreis bereits am 31. August endete, wird Superintendent Eckart Wüster sie zusammen mit Helga Schwarz von der Büchereifachstelle der Landeskirche in Düsseldorf an diesem Mittwoch offiziell verabschieden.

Die Nachfolge von Renate Bach hat bereits das Dreier-Team Ulrike Knichwitz, Konrad Koch und Tatjana Mayer angetreten. Mit Bach verlassen auch Helga Becker, Elsbeth Kühlcke-Kleff, Elisabeth Nagel und Brigitte Reichelt nach teilweise bis zu 24 Jahren tatkräftiger Mitarbeit die Gemeindebücherei. Ihnen allen wird ein dankbarer Applaus für ihr ehrenamtliches Engagement gelten. Aus dem alten Team ist in Zukunft nur noch Karola Sarrazin mit ihren neuen Kolleginnen Sophie von Depka-Prondzynski und Edith Neu an den drei Öffnungstagen der Bücherei anzutreffen.

Renate Bach lässt nur in dem Moment ein wenig Wehmut an ihrer beendeten Büchereizeit erkennen, als sie von den vielen Lesern spricht, deren gute und dankbare Worte sie zum Abschied überwältigt hätten.

Auch Pfarrer Wolfgang Harnisch bedankte sich als "Leser mit der Ausweisnummer 1" in einem öffentlichen Brief "für manche Buchempfehlung und für die Gespräche über Literatur und das Leben in der Gemeinde". Plötzlich erfuhr Bach, welche wichtige Rolle sie nicht nur bei der Buchausleihe für die Besucher "ihrer" Bücherei gespielt hat. Bis heute hat sie immer vieles gelesen, um die nicht nur von Harnisch so geschätzten Empfehlungen aussprechen zu können. Sie wusste meist, welche Neuerscheinung die Interessen ihrer Leser treffen könnten. Außer Fantasy-Romanen gab es kaum ein Gebiet, das ihr fremd gewesen wäre.

Dreijährige Ausbildung zur Büchereiassistentin

"Dadurch, dass mein Mann genug verdiente, konnte ich mir das ‚Hobby‘ immer gut leisten", resümierte Bach, die jahrzehntelang bis zu 30 Stunden wöchentlich für die Bücherei tätig war, wofür sie zuletzt auch eine kleine Aufwandsentschädigung erhielt. Es habe zwar viele helfende Hände und Unterstützung gegeben, aber "den Hut hatte ich auf", lacht sie. Die Verantwortung hätte ihr eben niemand abgenommen.Erst zehn Jahre war die von Wilgund Silberhorn 1966 eröffnete Bücherei alt, als Bach dazukam. 1985 wurde durch die Diplom-Bibliothekarin Ursula Pesch die Gemeindebücherei auf professionelle Beine gestellt. Auch Bach begann zu der Zeit eine dreijährige Ausbildung zur Büchereiassistentin im kirchlichen Dienst. Als sie fertig war, verließ Silberhorn mit den Worten, "jetzt kannst du auch die Leitung übernehmen", die Bücherei. Und das tat sie auch. Die Leseförderung der Kindergarten- und Grundschulkinder war ihr dabei immer ein besonderes Anliegen.

Später kam auch die Sprachförderung ausländischer Mitbürger und viele Veranstaltungen hinzu. Als ihr ein Jahr älterer Mann Olaf ebenfalls ins Rentenalter kam, stand er seiner Frau bei der Digitalisierung der Bücherei zur Seite. Ein Bereich, der ihr bis heute eher fremd blieb. "Ich muss ein Buch in die Hand nehmen können", sagt sie und verweigert sich erfolgreich dem Lesen auf E-Books oder Tablets. Nur bei der Einrichtung der Bücherei hat sie mit mehr als 8000 Positionen dafür gesorgt, dass dabei auch die elektronischen Medien nicht zu kurz kamen. Längst etabliert seien die "Tiptoi"-Stifte, die digitale Inhalte mit dem Antippen in Bilderbüchern verbinden. Der neuesten Entwicklung mit der "Toniebox" steht sie allerdings skeptisch gegenüber. Dort kann auf einen stylisch aussehenden, etwa 80 Euro teuren Würfel eine Figur aufgesetzt werden, die die Rolle der Vorlesenden übernimmt. Das neue Büchereiteam hat sie soeben angeschafft und wird damit auch die Jüngsten erfreuen. Konrad Koch findet das auch nicht schlecht: "Alles, was die Kinder zum Lesen hinführt, kann nur gut sein", sagt er. Zusammen mit Ulrike Knichwitz und Tatjana Mayer ist er dabei, die soeben durch einen 3000 Euro-NRW-Landeszuschuss neu hinzugekauften Bücher zu katalogisieren. Bach schaut zufrieden zu. Diese mühselige Arbeit liegt nun hinter ihr.

Heute, Mittwoch, im Rahmen des Hardtberger Herbstes: 19.30 Uhr in der Evangelischen Öffentlichen Bücherei der Matthäikirche, Gutenbergstr. 10, "Rund ums Mittelmeer - alte und neuere Geschichten" mit Rosemarie Kuper und der Kantorei der Evangelischen Kirchengemeinde Hardtberg. Musik, Erzählungen, mediterrane Köstlichkeiten und ein Glas Wein. Eintritt frei.