Reifenstecher in Bonn-Medinghoven gefilmt: Polizei geht von 20 Fällen aus

Polizei Bonn geht von 20 Fällen aus : Kameras filmen Reifenstecher in Medinghoven

In Bonn-Medinghoven hat ein Reifenstecher sein Unwesen getrieben. Polizisten haben nun einen 78-Jährigen auf frischer Tat erwischt. Einige seiner Opfer traf es gleich mehrfach. Nun sind die Anlieger erleichtert.

Der Kannheideweg liegt in einem ruhigen und beschaulichen Wohngebiet inmitten von Medinghoven. Das Derletal liegt vor der Haustüre, die Einfamilienhäuser sind gepflegt, die Vorgärten liebevoll gestaltet – man könnte durchaus von einer Wohnidylle sprechen. Die war in den vergangenen Monaten und Jahren allerdings massiv gestört, denn ein Reifenstecher trieb in der Straße sein Unwesen. Unzählige Autoreifen wurden von einem Unbekannten aufgeschlitzt – einige Opfer traf es gleich mehrfach. Besonders im Zeitraum September bis Mitte November 2019 zerstach der Täter zahlreiche Reifen. Die Polizei wirft ihm 20 Fälle vor.

 Am Freitag vergangener Woche konnten Zivil-Beamte der Bonner Polizei diesem Treiben nun ein Ende setzen. Wie berichtet, haben die Polizisten einen 78-Jährigen auf frischer Tat ertappt. Die Erleichterung unter den Anliegern ist entsprechend groß – groß ist allerdings auch das Entsetzen. Denn der mutmaßliche Täter kommt aus dem Umfeld des Kannheidewegs – er ist den Anliegern bekannt. Lange hat es gedauert, bis nun die Handschellen klicken konnten.

„Wir sind geduldig geblieben“, sagt ein Anwohner, der nicht namentlich genannt werden möchte. Er selber ist mehrfach Opfer des Reifenstechers geworden – seinen Gesamtschaden beziffert er auf 700 Euro. Zuletzt wurde er Ende Oktober Opfer des Reifenstechers. Die Nachbarschaft habe sich zusammengetan, sei zur Polizei gegangen und habe der Ermittlungsbehörde immer wieder Hinweise gegeben. Eine Anwohnerin lobt den Zusammenhalt der Nachbarschaft ausdrücklich. „Wir passen hier alle aufeinander auf“, erzählt sie. Allerdings wurden die Ermittlungen fast immer schnell wieder eingestellt, weil kein Täter ermittelt werden konnte. Oftmals fehlt bei solchen Fällen der Ermittlungsansatz – Zeugen oder Beweise gibt es nicht.

Für Beweise wollte nun ein Anwohner sorgen und installierte kurzerhand mehrere Kameras in seinem Vorgarten. Die Aufnahmen führten schließlich zum Erfolg. Darauf angesprochen teilt Polizeisprecher Simon Rott mit: „Wir hatten hier mehrere Sachbeschädigungsdelikte, zu denen uns Zeugen auch eindeutige Hinweise auf eine Person geben konnten. Unter anderem wurde uns dabei ein Video für die Ermittlungen zur Verfügung gestellt. Daraufhin haben wir für den vergangenen Freitag – mit diesem Auftrag dort erstmals – Zivilfahnder eingesetzt“. Diese konnten den 78-Jährigen auf frischer Tat ertappen. Das Filmen von öffentlichen und fremden privaten Flächen ist generell verboten. Ob die privaten Video-Aufnahmen in einem Strafverfahren nun verwendet werden können, muss die Staatsanwaltschaft Bonn überprüfen.

Die Festnahme sei allerdings nicht einfach gewesen. Nach GA-Informationen kam es zwischen dem Tatverdächtigen und den Polizisten zu einem Gerangel. Bei diesem entledigte sich der 78-Jährige auch seines Tatwerkzeuges. Dieses wurde im Anschluss von hinzugerufenen Polizisten samt Hund gesucht und auch gefunden. Glaubt man der Nachbarschaft, so habe der 78-Jährige mal für eine Sicherheitsbehörde gearbeitet.

Laut Polizeisprecher Rott dauern die Ermittlungen noch an und sind deshalb noch nicht an die Staatsanwaltschaft übergeben worden. Nach ersten Maßnahmen im Polizeipräsidium wurde der Mann nach seiner Festnahme wieder entlassen, da keine Haftgründe für ihn vorlagen.