ProEQ-Klasse am Berufskolleg Duisdorf: Flüchtlinge hoffen auf Stelle

Zweite ProEQ-Klasse : Flüchtlinge am Berufskolleg Duisdorf hoffen auf Lehrstelle

In der zweiten ProEQ-Klasse am Berufskolleg Duisdorf lernen Asylbewerber für ihren Abschluss. Eingeführt wurde das Projekt, um Chancen für Menschen mit Flüchtlings- und Migrationshintergrund zu verbessern.

An diesem Morgen steht Deutschland mit seinen Bundesländern und deren Hauptstädten auf dem Lehrplan beim Gesellschafts- und Politikunterricht auf dem Plan. Es handelt sich um die inzwischen zweite ProEQ-Klasse, die am Berufskolleg in Duisdorf eingerichtet wurde. 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden im kommenden Schuljahr nicht nur die Einstiegsqualifizierung (EQ) für einen Ausbildungsberuf erhalten, sondern zusätzlich ihre Deutschkenntnisse verbessern.

Neben der Schule geht es ins Langzeitpraktikum

ProEQ wurde im vergangenen Jahr vom Jobcenter Bonn in Kooperation mit dem Jobcenter Rhein-Sieg, der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg, dem Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und der Volkshochschule Bonn ins Leben gerufen. Eingeführt wurde die Verbindung von Vorbereitung auf die Ausbildung und fortgesetztem Deutschkurs, um die Chancen für Menschen mit Flüchtlings- und Migrationshintergrund zu verbessern. Doch es bleibt nicht nur bei der Schule: Bereits Anfang September haben die Schüler in Betrieben ein Langzeitpraktikum begonnen.

Die erste ProEQ-Klasse, die im vergangenen Jahr begonnen hat, war bereits sehr erfolgreich. Von den anfangs gestarteten 18 jungen Leuten haben 14 bis zum Schuljahresende durchgehalten, elf von ihnen haben bereits einen Ausbildungsvertrag in der Tasche, und drei haben andere Beschäftigungen aufgenommen. Die Berufe sind vor allem im handwerklichen Bereich zu finden, aber auch medizinische Fachangestellte und Berufe in der Tourismusbranche sind dabei.

Positive Bilanz für das Projekt

Wenngleich das Projekt bei den meisten Arbeitgebern in der Region noch wenig verbreitet ist, so zieht doch Fatih Gül, der für die Akquise der Ausbildungsbetriebe zuständig ist, positive Bilanz: "Es gibt viele Arbeitgeber, die für das Projekt offen sind und auch vorurteilsfrei an die Sache herangegangen sind. Gerade im Handwerk ist ein Fachkräftemangel zu spüren und die Arbeitgeber wissen, dass sie auf die Situation reagieren müssen. Sie sehen das Projekt durchaus auch als Chance, gute Fachkräfte zu bekommen."

Einige bringen Berufserfahrung mit

Auch in der neuen Klasse gibt es einige, die schon Berufserfahrung mitbringen, so beispielsweise Farhad Eslami, der auch jetzt wieder im Glaserfachbetrieb ist. Doch die Arbeitswelt der zumeist aus Syrien stammenden Teilnehmer war in ihrer Heimat eine ganz andere als in Deutschland: "In Deutschland muss ich erst von Grund auf eine Ausbildung machen, ehe ich wieder den Beruf ausüben kann, den ich bereits früher gelernt habe", so Eslami. Sein Sitznachbar Saman Murad erklärt, dass in Syrien eine verschulte Ausbildung, wie man sie in Deutschland hat, nicht üblich sei: "Man geht ungelernt in den Betrieb und lernt dort alles bei der Arbeit von Grund auf. Aber wir haben keine Schule im Hintergrund." Und obwohl gerade die etwas Älteren unter ihnen sich an das andere System gewöhnen müssen, so ist die Motivation in der Klasse spürbar. Die 16 Männer und sechs Frauen stammen aus Syrien, Irak, Afghanistan, Iran, Eritrea, Türkei und Armenien. Bewerben konnten sie sich für das Projekt nicht, sondern wurden vom Jobcenter ausgewählt. "Voraussetzungen sind auf jeden Fall ein bestimmter Aufenthaltsstatus, und natürlich muss auch ein gewisses Sprachniveau vorhanden sein", so Viktoria Wulf.

In ihren Hoffnungen und Wünschen sind sich alle einig, so auch Gihan Chababo und Tarek Shiha, die aus derselben Stadt in Syrien stammen: "Wir hoffen, dass uns dieser Kurs hilft, in einem Jahr einen guten Ausbildungsplatz zu bekommen und unsere Deutschkenntnisse so zu verbessern, dass wir das Leben in Deutschland besser verstehen und zunehmend auch deutsche Freunde bekommen." An Motivation scheint es nicht zu mangeln.

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