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Ort der Stille in Duisdorf: Platz für Trauer mitten im Leben

Ort der Stille in Duisdorf : Platz für Trauer mitten im Leben

Von der alten Esche gehen sternförmig gelbe Mosaikwege ab. Wie helle Sonnenstrahlen geben sie dem dunklen Waldboden etwas Lebendiges. Rund- herum laden Sitzbänke zum Verweilen, Nachdenken und Trauern ein. Ein dicker Stein erinnert an den Klassenkameraden, der vor wenigen Monaten gestorben ist. Daneben brennen Kerzen.

Am Donnerstag weihte die Königin-Juliana-Schule in einer feierlich gestalteten Stunde am Rande des Schulhofs ihren "Ort der Stille" ein. Jetzt haben Schüler und Lehrer einen Platz, an dem sie sich zurückziehen können.

Sonnenkugeln krönen auch die vier Stelen, die einen Weg markieren, der eine Verbindung zum Schulhof herstellt. "Leben und Tod, Trauer und Freude, Lachen und Weinen liegen nun einmal eng beieinander", erklärt Konrektor Christof Bünk. Denn während sein Deutschkurs noch das Gedicht "Ein Schnurps grübelt" von Michael Ende für die offizielle Einweihung probt, ist vom Pausenhof her das fröhliche Lachen der anderen Schüler zu hören.

Den Anstoß für die Gestaltung eines Orts der Stille kam von Tina Geldmacher. Als Trauerbegleiterin hatte sie den Lehrern der Königin-Juliana-Schule nach dem Tod des Schülers geholfen, das Erlebte zu verarbeiten. Schnell entstand dann der Wunsch, einen Platz in der Schule für das stille Gedenken zu schaffen. "Wir wollten einen Ort für die Trauer mitten in unserem Leben haben", so Christof Bünk weiter.

Im Rahmen einer Projektwoche sammelten die Schüler schließlich Vorschläge und stimmten ihre Wünsche mit den Lehrern ab. In die Tat umgesetzt werden konnte das Projekt schließlich durch die finanzielle Unterstützung verschiedener Sponsoren. Die verschiedenen Klassen werden sich in Zukunft um diesen einzigartigen Bereich am Rand des Schulhofs kümmern. Sie werden Laub kehren, die frisch gepflanzten Sträucher pflegen und die Wege sauber halten. "Das übernehmen sie in Eigenregie", erklärt der Konrektor der Förderschule.

Zur feierlichen Einweihung war neben den Vertretern der Kirchen auch Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand gekommen. Und als Tulay Celik "Tears in Heaven" sang, fand die Einweihung dieses besonderen Platzes einen würdigen und gefühlvollen Abschluss.