Günstige Tarife bei der Kirche: Per Warteliste zur letzten Ruhestätte auf dem Duisdorfer Friedhof

Günstige Tarife bei der Kirche : Per Warteliste zur letzten Ruhestätte auf dem Duisdorfer Friedhof

Die letzte Ruhestätte auf dem Alten Friedhof in Duisdorf ist gefragt. Ein Grund sind sicherlich auch die niedrigeren Kosten als bei städtischen Friedhöfen.

In Bonn gibt es 40 städtische Friedhöfe. Im Bundesvergleich liegt die Stadt damit weit vorn. Allerdings stellt sich heraus, dass die Nachfrage nach Grabstätten sinkt. Folge sind viele Lücken in den Grabfeldern. Das bedeutet für die Stadt steigende Kosten für den Pflegeaufwand – in Folge für die Bürger höhere Bestattungskosten.

Von diesem Problem ist jedoch der Alte Friedhof in Duisdorf nicht betroffen, jedenfalls nicht der kirchliche Teil, der im Besitz von St. Rochus ist und zwei Drittel der Friedhofsfläche ausmacht. Hier ist fast jede der über 400 Grabstätten belegt, und es gibt sogar Warteliste von Interessenten, die hier ihre letzte Ruhestätte haben wollen. Auf dem städtischen Teil des Alten Friedhofs dagegen ein anderes Bild: Hier sind rund 30 Grabstellen nicht belegt. Und es gibt noch etwas, das beide Parzellen unterscheidet, berichtet der kirchliche Verwalter des Friedhofs, Hans Berg, mit einem Augenzwinkern im Vertrauen: „Das sieht aber jeder selbst, wenn er auf den Friedhof kommt.“

Ein Grund für den Erfolg des Kirchenfriedhofs sind auch die Kosten, die anfallen. Eine pflegefreie Urnengrabstätte für 15 Jahre kostet 1350 Euro (bei der Stadt 1850 Euro), und diese 86 Grabstätten sind bereits zu über 80 Prozent vergeben, zumal sie die komplette Einfassung beinhalten. Von den über 100 weiteren Urnen-Wahlgräbern mit jeweils vier Urnenplätzen (15 Jahre; 812 Euro bzw. 1312 Euro, hier ist die Grabeinfassung und das Öffnen und Schließen enthalten) ist keine Handvoll mehr frei, so Berg.

Schweigemarsch zum Ehrenmal

Zum Vergleich: Die Stadt verlangt für ein Urnenwahlgrab mit 15 Jahren Ruhezeit inklusive Öffnen und Schließen 1109 Euro, jedoch ohne Grabeinfassung. Ähnlich bei einer Ruhefrist von über 30 Jahren. Da verlangt die Kirche 2633 Euro für eine Wahlgrabstätte inklusive aller Dienstleistungen zur Sargbestattung (alle Plätze zur Zeit vergeben), die Stadt aber 3273 Euro inklusive Beisetzungskosten in Tieflage.

Warum macht die Kirche günstigere Tarife? „Wir können selbst kalkulieren“, sagt Berg: Kirchlicher Freiwilligendienst sei eben preiswerter. „Und für uns gilt das Motto, dass sich jeder es leisten können muss, eine würdevolle Beerdigung zu bekommen und die Grabstätte bezahlen zu können.“ Ein anderer Grund für die hohe Nachfrage der Bürger ist: „Die Menschen wollen auch im Tod in Duisdorf bleiben“, glaubt Berg. Da immer häufiger nach einer Urnenbestattung gefragt werde, hat man sich auch darauf eingestellt und bietet seit 2011 pflegefreie Urnenfelder an.

Aber es gibt noch weitere Besonderheiten: Auf dem Alten Friedhof hat die Kirche ein „Pastorengrab“ eingerichtet. „Hier sind alle Priester, die in Duisdorf tätig waren und das wollten, beigesetzt.“ Gleich daneben befindet sich eine Grabstätte für „Sternkinder“. Darunter versteht man diejenigen Kinder, die während der Schwangerschaft verstorben sind und zum Teil noch keine Namen hatten. In kleinen Kapseln werden sie bestattet, diese Beisetzungen werden von der Kirchengemeinde kostenlos durchgeführt.

Der Alte Friedhof steht am Volkstrauertag diesen Sonntag, 19. November, wieder im Mittelpunkt: Nach dem ökumenischen Friedensgebet um 11.15 Uhr in der Rochuskirche zieht um etwa 11.45 Uhr ein Schweigemarsch zum Ehrenmal, das vor dem Friedhof liegt. Dort wird dann ein Kranz niedergelegt und der Verstorbenen gedacht.

Mehr von GA BONN