Schützenfest: Nur einer will Schützenkönig in Duisdorf sein

Schützenfest : Nur einer will Schützenkönig in Duisdorf sein

Die Hubertusschützen setzen beim Schützenfest in Duisdorf eine Regel außer Kraft, um den Wettbewerb spannend zu halten. Ein früherer König sorgt dennoch für einen packenden Wettkampf.

Bange Minuten des Wartens. Wie wird es weitergehen auf dem Platz vor dem Schützenheim der Duisdorfer Sankt Hubertus Bruderschaft? Denn nachdem am Samstagabend die Schützen Kopf, Flügel und Stoß des Königsvogels heruntergeschossen hatten, gab es nur einen Kandidaten, der auch auf den Rumpf schießen wollte. Aber das wäre kein richtiger Wettkampf: Mit einem symbolischen Schuss König zu werden, hätte für den Kandidaten einen schalen Beigeschmack gehabt, erklärte der erste Brudermeister und Vereinsvorsitzende Volker Stahl.

Der Vorstand steckte hinter verschlossenen Türen die Köpfe zusammen. Ein Jahr ohne König hatte der Verein in seiner 108-jährigen Historie noch nie. Das sei zwar nicht mehr kosten-, aber sehr zeitaufwendig, sagte Pressesprecher Dirk Schindler. Er hätte diese Zeit nicht, auch wenn er nach der Regel, die vorschreibt, dass man nur alle drei Jahre König sein darf, dafür infrage käme.

„Früher stand man Schlange für den König“, meinte ein altgedienter Schützenbruder. Und heute? Heute muss man schon die Regeln biegen, um einen fairen Königs-wettkampf austragen zu können. Als Stahl verkündete, dass die Wartezeit-Regel ausgesetzt werde, rief Dieter Augustintschitsch, König 2017/18 sofort: „Ich ziehe mich um!“, und kam kurz darauf in voller Montur zurück. Er und der bis dahin amtierende König Jürgen Rödelsperger lieferten dem eigentlichen Interessenten, Joachim Stahl, einen guten Wettkampf am großkalibrigen Gewehr. Der holte am Ende den hölzernen Rumpf von der Halterung, die am Waldrand aufgebaut worden war. Damit ist er zum zweiten Mal nach 2011 König der Duisdorfer Schützen. Für ihn schließe sich jetzt ein Kreis, sagte Stahl. „In meinem ersten Königsjahr habe ich meine Frau kennengelernt.“ Mit ihr hat er zwei Töchter, die ältere verkündete sofort: „Ich will ein Kleid.“ Immerhin sei sie nun Prinzessin.

Samstagnachmittag wurde das Schützenfest mit dem Schießen um den Jugendprinzen und die Schützenliesel eröffnet. Letztere ist Brigitte Hollmann, und zwar zum dritten Mal, was sie zur Kaiserliesel macht. Bei den Nachwuchsschützen setzte sich Tim Schmitz gegen seine Konkurrenten durch. Die sind allerdings noch ganz neu im Verein und konnten gegen den 19-Jährigen, der regelmäßig gute Plätze bei Bezirkschießmeisterschaften holt, nichts ausrichten. Schmitz war schon letztes Jahr Jugendprinz, in diesem Amt gilt die Drei-Jahres-Regel nicht.

Der Sonntag startete mit dem Ehrenkönigsschießen verdienter Duisdorfer. Nachmittags kamen Vertreter mehrerer Gastvereine, um den neuen Majestäten zu gratulieren und das Ehrenpreisschießen auszufechten. Dabei wurde nicht reihum geschossen. Die Kandidaten kauften Lose, nach jedem Schuss wurde nach dem Zufallsprinzip der nächste Schütze ermittelt.

Vorher konnten Besucher Rosen schießen, was nicht nur Männer nutzten, um ihren Begleiterinnen ein Geschenk zu machen: Auch Frauen griffen selbst zur Donnerbüchse. Zuletzt wurde der Bürgerkönig ausgeschossen.

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