Hermann-Wandersleb-Ring : Neuer Streit um Sonderspuren in Bonn-Duisdorf

Hermann-Wandersleb-Ring : Neuer Streit um Sonderspuren in Bonn-Duisdorf

Hardberger CDU lehnt Änderungen am Hermann-Wandersleb-Ring ab bis die Westbahn geplant ist. Grüne und SPD befürworten Testphase.

Eine klare Absage erteilt die CDU-Bezirksfraktion Hardtberg dem Vorstoß, versuchsweise Umweltspuren auf dem Hermann-Wandersleb-Ring und der Endenicher Straße einzurichten. Allerdings fällt die Entscheidung in die Zuständigkeit der Bezirksvertretung Bonn. Das ärgert die Hardtberger. Sie wollen einbezogen werden. Denn ein Wegfall von Fahrspuren auf dem Wandersleb-Ring hätte Auswirkungen auf die ohnehin stark belastete Rochusstraße.

Das Thema ist seit Anfang des Jahres auf der Tagesordnung und wurde von den zuständigen Gremien Bezirksvertretung Bonn, Planungsausschuss und Rat bislang mit weiteren Prüfaufträgen an die Verwaltung vertagt.  Die Hardtberger wollen auch gehört werden. Allerdings klemmt es zwischen CDU und Grünen, wie Grünen-Stadtverordnete Gertrud Smid einräumt. „Wir haben damit ein Problem.“ Daher haben sie den CDU-Antrag nicht wie üblich mit unterschrieben.

Ein Bürgerantrag hat die Diskussion ins Rollen gebracht. Danach soll auf dem Hermann-Wandersleb-Ring/Endenicher Straße  - beide gelten als hoch belastete Strecken - jeweils eine Fahrbahn zur Umweltspur umgewandelt werden. Ziel ist, dass Busse und Radfahrer ungehindert fahren können. In der Diskussion hat sich eine Testphase für Umweltspuren herauskristallisiert. Wegen der vierspurigen Anlage wäre eine andere Aufteilung mit Sonderstreifen im Prinzip möglich. Allerdings geht die Verwaltung davon aus, dass dann bis zu 20 Prozent des heutigen Verkehrs Schleichwege nehmen würden. „Grundsätzlich wäre die Kapazitätsbeschränkung machbar“, so die Verwaltung. Die Kreuzungen, etwa am Hügel, dürften jedoch in ihrer Leistungsfähigkeit  nicht beeinträchtigt werden.

Aus Sicht der Hardtberger CDU-Bezirksfraktion  „kostet dieser Versuch mit 190 000 Euro für neue Markierungen viel Geld für die kritische Erkenntnis, dass sich durch die Reduzierung der Fahrspuren für Pkw auf Kosten der Umwelt und erheblicher Behinderungen für die Bürger ständig ein Stau auf dieser wichtigen Verbindungsstrecke in den Bonner Westen bilden würde.“

Testversuch sei „verkehrspolitisches Stückwerk“

Der geplante Testversuch sei „verkehrspolitisches Stückwerk und kein nachhaltiger Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz“, sagt CDU-Planungssprecher Bert Moll. Deshalb hat die Bezirksfraktion für die nächste Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg am Dienstag, 2. Dezember, den Antrag gestellt, diesen Versuch zu unterlassen.

Laut Verwaltung könne die Ausweisung von Sonderspuren ohnehin nur teilweise auf der Strecke bis zum Verteilerkreis in Endenich erfolgen“, argumentiert der Vorsitzende der CDU-Bezirksfraktion, Wolfgang Esser. Vom Verteilerkreis bis zur Viktoriabrücke rät die Verwaltung in ihrer Vorlage ohnehin von einem Test ab, da der Straßenraum dort keine Sonderspuren ermögliche. Esser erinnert an die vor kurzem erfolgte Fahrbahnerneuerung auf Hermann-Wandersleb-Ring und Provinzialstraße. Die damit verbundenen Behinderungen hätten gezeigt, welche Verkehrsprobleme selbst durch eine nur zeitweise Sperrung von Fahrspuren entstehen.

Moll: „Wir sind nicht gegen Umweltspuren. Zielführender wäre es im Rahmen der Planungen der Westbahn, den Verkehrsraum auf der Endenicher Straße,  dem Hermann-Wandersleb-Ring und der Provinzialstraße neu zu strukturieren.“ Denkbar wäre, neben den beiden Fahrspuren stadtein- und stadtauswärts eine weitere Spur für den Schienen- und Busverkehr nach Prüfung vorzusehen. Dafür könnte der Mittelstreifen entfallen. „Die durchgehende Fahrspur für die geplante Westbahn ist angesichts des Ausbaus des Behördenstandortes an der Rochusstraße dringend erforderlich und Maßstab für den weiteren Ausbau des Hermann-Wandersleb-Rings“, so Moll. Der Fahrradverkehr sollte nach seiner Einschätzung aus Sicherheitsgründen durch die Seitenstraßen von Endenich und nicht auf der Hauptverkehrsstrecke geführt werden.

FDP „eindeutig gegen diese Umweltspuren“

Die FDP ist in der Sache auf Linie. „Wir sind eindeutig gegen diese Umweltspuren“, sagt Stadtverordneter Frank Thomas. Die Grünen jedoch können den Vorstoß nicht mittragen. Aus eigener täglicher Erfahrung weiß die Stadtverordnete Gertrud Smid, dass die Busse von Duisdorf nach Bonn „im Stau festhängen“. Die Verteilung des Verkehrsraums kann so nicht bleiben. Eine Lösung kann nur zu Lasten der Autos gehen. Wir wollen Umweltspuren“, sagt sie.

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD, Gabi Mayer, wird noch deutlicher: „Es ist nicht leicht, Entscheidungen zu treffen, die  Autofahrer einschränken. Aber wenn wir das nie durchbrechen, wird auch der Nahverkehr nie besser. Deshalb stehe ich zu den Umweltspuren, auch wenn dadurch erst mal mehr Stau für Autos entsteht.“ Erst wenn Busse pünktlich seien, würden Bürger vom Auto umsteigen. Der CDU wirft Mayer vor, „immer wenn es ernst wird, findet sie Gründe, Veränderungen zu verhindern.

Mehr von GA BONN