Noch keine Einigung: Mögliches Baugebiet in Lengsdorf-Süd ist in der Warteschleife

Noch keine Einigung : Mögliches Baugebiet in Lengsdorf-Süd ist in der Warteschleife

Ohne Klimagutachten wird es an der Provinzialstraße in Lengsdorf-Süd wohl nicht weitergehen. Eine Einigung im Stadtrat ist aber noch nicht erreicht.

Eine der letzten größeren Flächen, die sich im Bonner Westen für eine Bebauung eignen könnten, liegt umrahmt von Konrad-Adenauer-Damm, Provinzialstraße und Autobahn 565 im Süden von Lengsdorf. Die Idee, dort Wohnungen zu bauen, mäandert schon seit vielen Jahren durch die politischen Gremien. Jüngst hat die SPD-Fraktion der SPD das Thema im Planungsausschuss wieder auf die Tagesordnung gebracht. Ihr Antrag, das Wohngebiet zu entwickeln, die Stadt mit dem Zukauf aller Flächen zu beauftragen, um dort über eine noch zu gründende Stadtentwicklungsgesellschaft zur Hälfte Förderwohnungen und zur Hälfte preisgedämpfte Wohnungen zu errichten, stieß allerdings lediglich bei der Links-Fraktion auf Zustimmung, eine Mehrheit fand er nicht.

Und so gilt formal weiterhin ein Beschluss des Stadtrats aus dem Jahre 2005, die Verwaltung möge die Änderung des Flächennutzungsplans auf dem an die Ortsteile Ückesdorf und Brüser Berg grenzenden Areal angehen und prüfen, ob eine lockere zweigeschossige Bebauung dort zu verwirklichen wäre. Das Plangebiet wäre dafür aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszunehmen.

300 bis 600 Wohnungen könnten entstehen

Auf dem südlichen Zipfel von Lengsdorf könnten aus Sicht der Stadtverwaltung schätzungsweise 300 bis 600 Wohnungen entstehen. Unproblematisch wäre eine Bebauung aber nicht. Das im geltenden Flächennutzungsplan als landwirtschaftliche Fläche gekennzeichnete Gebiet grenzt an das Katzenlochbachtal, das zum Naturschutzgebiet Kottenforst gehört. Der 14 Jahre alte Auftrag an die Verwaltung berücksichtigt auch, dass eine wie auch immer geartete Bebauung die Wirkung der Frischluftschneise für die Stadt nicht beeinträchtigen dürfe. Aus einer aktuellen Stellungnahme der Verwaltung geht hervor: „In der aktuellen Klimaanalyse ist die gesamte Fläche als Kaltluftentstehungsgebiet mit einem flächenhaften Kaltflussabfluss ausgewiesen. In Abhängigkeit von Art und Umfang einer Bebauung ist mit Beeinträchtigungen dieser Funktion zu rechnen.“ Ein Plankonzept gebe es nicht.

Planungspolitikerin Gabi Mayer von der SPD ist der Auffassung: „Wir brauchen bezahlbare Wohnungen in Bonn. Deshalb ärgere ich mich, dass die CDU mal eben beschließt, die Fläche nur für lockere ein- bis maximal zweigeschossige Bebauung vorzusehen. Noch ein Reiche-Leute-Wohngebiet brauchen wir in Bonn nicht, davon gibt es genug.“  Eine Frischluftschneise, betont sie, hänge nicht an der Art der Bebauung, sondern an der Frage, wie die Häuser angeordnet würden.

Grüne fordern Klimagutachten

Für Hartwig Lohmeyer, Planungssprecher der Grünen-Fraktion, steht zunächst nicht die Art der Bebauung im Vordergrund, „sondern die Frage, ob wir überhaupt bauen können“. Er weist daraufhin, dass im weiteren Umfeld im Laufe der Jahre Siedlungen entstanden sind. Die Verwaltung müsste deshalb aus seiner Sicht zunächst durch einen Gutachter feststellen lassen, ob unter diesen Umständen ein Neubaugebiet aus klimatischen Gründen verträglich wäre. Wenn dem so wäre, könnten die Grünen sich Mehrfamilienhäuser vorstellen, ein Grünstreifen zur Provinzialstraße müsste bleiben. Ein Gewerbegebiet oder eine Mischnutzung Arbeit und Wohnen, die laut Verwaltungsvorlage denkbar wären, hält er an der Stelle ebenso wenig wie Mayer und der CDU-Planungspolitiker Bert Moll für sinnvoll.

Moll betont, im alten Ratsbeschluss sei zwar von einer zweigeschossigen Bebauung die Rede gewesen, „aber ich kann mir durchaus eine maßvolle, ins Landschaftsbild passende bis zu viergeschossige Bebauung vorstellen“. Er plädiert dafür, die geltende 40- Prozent-Quote nach dem Bonner Baulandmodell für Förderwohnungen umzusetzen, aber keinen höheren Anteil.

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